Media-Markt Die sechs Erfolgsfaktoren für Wolfgang Kirschs großen Wurf

Montag, 22. September 2014
Media-Markt lockt Kunden jetzt auch mit einem Drive-In
Media-Markt lockt Kunden jetzt auch mit einem Drive-In
Foto: Foto: Media Saturn

Was Wolfgang Kirsch, CEO von Media-Saturn Deutschland, in Ingolstadt präsentierte, darf man getrost als einen ganz großen Wurf bezeichnen. Die neue Filiale, die am Stammsitz des Unternehmens kurz vor der Eröffnung steht, ist mehr als eine graduelle Weiterentwicklung des bisherigen Ladendesigns. Sie ist nicht weniger als die Blaupause für die Zukunft der Marke.

Wie grundlegend anders die neue Strategie für den stationären Handel gedacht ist, machte der CEO mit zwei Bemerkungen während der Pressekonferenz deutlich. Zum einen stellte Kirsch das bisherige Erfolgsmodell des Elektronikhändlers generell zur Disposition: "Die Kombination aus großer Fläche und kleiner Preis ist heute keine Garantie mehr für die Marktführerschaft." Zum anderen gestand er ein, dass sich die Erwartungshaltung der Kunden geändert habe: "Aus unserer Forschung wissen wir, dass die Konsumenten mit unserer Werbung Vergnügen verbinden. Dieses Vergnügen wollen wir jetzt auch in unser Einkaufserlebnis bringen."

Um eine adäquate Antwort darauf zu finden, muss Kirsch gleichzeitig eine Vielzahl von Baustellen betreuen: Vom Ausbau des Onlineshops über das Schmieden effektiver Markenpartnerschaften bis hin zur Entwicklung neuer Service-Produkte ist die Liste lang. Sechs Themen sind dabei allerdings besonders wichtig:

Einkaufserlebnis

Einkaufserlebnis
Einkaufserlebnis (Bild: HORIZONT)
Das neue Laden-Layout soll über inspirierende Trendprodukte, Möglichkeiten zum Ausprobieren der Produkte und eine intelligente Online- und Offlinevermarktung den Einkaufsspaß deutlich erhöhen. Der Kunde kann zwar dank Optionen wie Drive-In für Selbstabholer, verbesserte Navigation in der Filiale und Lieferservice die Aufenthaltszeit im Markt auf ein Minimum reduzieren. Aber er soll den Markt wie eine ganzjährige Messe erleben, wo man sich jederzeit von neuen Trends inspirieren lassen kann. Das setzt allerdings voraus, dass Media-Markt zusammen mit seinen örtlichen Geschäftsführern möglichst schnell eine konsistent überzeugende Mischung findet. Sind die digitalen Informationsdisplays dort aufgestellt, wo die Kunden sie auch erwarten und als Mehrwert schätzen? Gelingt es bei den Trendprodukten die richtigen Themen zu setzen und genügend Abwechslung zu bieten? An solche scheinbar trivialen Fragen wird sich entscheiden, ob das Publikum das Einkaufserlebnis bei Media-Markt wirklich als gut gemacht oder doch nur als gut gedacht empfindet.

Online-Inventar

Online-Inventar
Online-Inventar (Bild: HORIZONT)
Derzeit hat Media-Markt 60.000 Posten in seinem Onlineshop. Das ist zwar eine Verdreifachung zum Vorjahr, aber immer noch deutlich weniger als das entsprechende Sortiment von Amazon und zudem nur graduell mehr als das stationäre Sortiment in Ingolstadt mit 45.000 Einzelposten. Aber wenn die Crosschannel-Synergie wirklich eine glaubwürdige Antwort gegen die Online-Pure-Player sein soll, muss das digitale Regal von Media-Markt mindestens genauso lang und idealerweise noch deutlich länger sein. Erst wenn im Sortiment Waffengleichheit herrscht, kann Media-Markt mit der Beratungsleistung seiner Mitarbeiter als Trumpfkarte stechen.

Mitarbeiter

Die Mitarbeiter sind stets für den Kunden da
Die Mitarbeiter sind stets für den Kunden da (Bild: HORIZONT)
Der Ingolstädter Markt strotzt nur so mit Hinweisen auf die Mitarbeiter und ihre beratende Funktion. Selbst Kirsch gibt allerdings zu, dass diese in der Vergangenheit daran gemessen wurden, ob sie ihre Abteilung in Ordnung hielten. Der Kontakt zum Kunden war da eher sekundär. Das bedeutet, dass hier ein tiefgreifender Kulturwandel an den einzelnen Standorten passieren muss, wenn die Kunden die Beratung nicht als leeres Versprechen der Marke erleben sollen.

Preisfindung

Elektronisches Preisschild
Elektronisches Preisschild (Bild: HORIZONT)
Mit den elektronischen Preisschildern will Media-Markt die Mitarbeiter von zeitfressenden Routinearbeiten befreien und gleichzeitig effektiver auf Manöver der relevanten Online-Konkurrenz reagieren können. Der erste Punkt dürfte unproblematisch sein. Aber bei der Anpassung der Preise wird der Händler eine feine Balance einhalten müssen. Verändert er zu selten, läuft er Gefahr zum Opfer von Kunden zu werden, die sich am Regal informieren, aber dann doch einen günstigeren Lieferanten online finden. Passt Media-Markt dagegen zu häufig an, riskiert es Preiszynismus bei den Kunden, die dann opportunistische Gründe unterstellen.

Umrüstungstempo

Wolfgang Kirsch bei der Präsentation des neuen Marktkonzepts
Wolfgang Kirsch bei der Präsentation des neuen Marktkonzepts (Bild: HORIZONT)
Das neue Marktkonzept soll erst sukzessive im Rahmen der üblichen Renovierung implementiert werden. Läuft alles nach Plan, wären alle Standorte in etwa fünf Jahren in der neuen Multichannel-Zukunft angekommen. Nun sind allerdings fünf Jahre in der digitalen Wirtschaft eine sehr lange Zeit. So brauchte der E-Commerce-Riese Zalando gerade Mal sieben Jahre von der Gründung bis zum Börsengang als multinationales Unternehmen. Media-Markt riskiert, durch sein Denken in den zeitlichen Dimensionen des stationären Handels für die digitale Ära schlicht zu langsam zu sein.

Logistik

Auch an der Logistik wurde gearbeitet
Auch an der Logistik wurde gearbeitet (Bild: HORIZONT)
CEO Kirsch hat zum Launch des neuen Marktes auch gleich beim Thema Lieferservice eine starke Ansage geliefert. Die schon laufenden Same-Day-Delivery-Pilotprojekte für Kleinteile sollen in den nächsten Monaten bundesweit ausgeweitet werden. Gleichzeitig will er auch einen solchen Service inklusive Installation für Großteile aufbauen. Gelingt ihm dieser Coup innerhalb des nächsten Jahres, hätte Kirsch Amazon und die anderen Pure Player klar auf die Plätze verwiesen. Denn gerade bei den für die Unterhaltungselektronik typischen Impulskäufen ist eine schnelle Lieferung wesentlich für das positive Einkaufserlebnis. cam

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