Hellmann zur Vermarktung von Eintracht Frankfurt "Das Wachstum auf allen Ebenen war nie größer"

Donnerstag, 17. August 2017
Axel Hellmann, Vorstand Marketing und Kommunikation Eintracht Frankfurt Fußball AG
Axel Hellmann, Vorstand Marketing und Kommunikation Eintracht Frankfurt Fußball AG
Foto: Eintracht Frankfurt

Eintracht Frankfurt hat in den vergangenen Jahren sportlich eine Achterbahnfahrt erlebt. Auch in der Saison 2016/17 folgte einer starken Hinrunde eine schwache Rückrunde. Nach dem Ende der Ära Bruchhagen vor einem Jahr haben Trainer Nico Kovac und Sportvorstand Fredi Bobic aber für frischen Wind im Traditionsverein gesorgt, der auch außerhalb der Region wahrgenommen wird. Im Bundesliga-Performance-Check von HORIZONT kletterte die Eintracht vor dem Start in die neue Saison von Platz 12 auf Rang 7. Im HORIZONT-Interview  bekennt sich auch Marketing-Vorstand Axel Hellmann zum Prinzip Attacke.

Axel Hellmann zur wirtschaftlichen Entwicklung:

"Wir sehen die aktuelle und künftige Entwicklung sehr positiv. Sowohl die Menschen wie auch die Unternehmen in der Region spüren, dass bei Eintracht Frankfurt eine große Dynamik herrscht. In der Vergangenheit wurde bei uns öffentlich etwas zu viel gehadert mit der Wettbewerbslage in der Bundesliga. Die wirtschaftlichen Herausforderungen für den Klub sind aber von allen in der Region verstanden, wir beschäftigen uns jetzt mehr mit Antworten und Lösungen, Chancen und Möglichkeiten, um uns weiterzuentwickeln. Wirtschaftlich profitieren wir von der neuen Wahrnehmung sehr stark. Unsere Vermarktungspakete werden vor dem ersten Bundesligaheimspiel komplett verkauft sein – von den Business-Seats bis zu allen Werbeleistungen. Vor allem von Unternehmen am Finanzplatz Frankfurt erfahren wir eine nie erlebte Nachfrage. Das Wachstum auf allen Ebenen war nie größer. Wir gehören aktuell zu den vier, fünf am stärksten wachsenden Bundesliga-Klubs."

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Zur Digitalisierungsstrategie:

"Wir verstehen Digitalisierung auch bei einem Fußball-Club als ganzheitliches Unternehmenskonzept, vom Aufsetzen einer leistungsstarken Datenbank über Cloudservices, Erfassung der Leistungsdaten unserer Spieler, Optimierung von allen internen Geschäftsprozessen bis hin zum Management der Kundenbeziehungen. Wir arbeiten hier bereits mit vielen unserer Partner an gemeinsamen Konzepten und Projekten, denn die digitale Wertschöpfungskette der Eintracht hört nicht an den Stadiontoren auf. Sie begleitet unsere Fans auch im Alltag, privat, geschäftlich, am Arbeitsplatz. Die digitale Welt von Eintracht Frankfurt verlängert sich in die Welt unserer Partner. Mit diesem Ansatz sind wir sicherlich Avantgarde in der Bundesliga."

Zur Internationalisierung:

"Unsere Internationalisierungsstrategie beruht auf drei Säulen – und auf Langfristigkeit statt auf Einmalaktionen: Zum einen bauen wir in den Zielmärkten - USA, China, Mittlerer Osten, Japan, Korea - Businessnetzwerke auf, wobei wir durch den starken Wirtschaftsstandort Frankfurt Startvorteile genießen. Zweitens möchten wir in den Zielmärkten den Fußball durch Kooperationen mit Vereinen und Bildungseinrichtungen nachhaltig entwickeln. Einsätze der Profimannschaft als dritte Säule haben natürlich die größte Durchschlagskraft in der Breitenwirkung in Bezug auf Publikum und Sponsoren. Ökonomisch gesehen ist natürlich die USA weit vorne, dies zeigt sich nicht zuletzt an der Partnerschaft mit Indeed. Am bewegtesten ist aktuell zweifelsfrei der chinesische Markt. Der Hunger nach konzeptionell entwickeltem Fußball ist so groß und der Ruf des deutschen Fußballs so gut, dass die Türen dort weit offen stehen, ohne sich bei der Größe des Marktes mit anderen Klubs ins Gehege zu kommen. Der Erfolg gibt uns bereits Recht. Mittlerweile erlösen wir über unsere internationalen Partner einen fast zweistelligen Millionenbetrag."

Zur  50-plus-1-Regelung:

"Ich halte sie für eine gute Regelung, denn sie gibt der Bundesliga wirtschaftliche Stabilität. Für mich ist es ein Irrglaube, dass die sportliche Qualität der Bundesliga und die Wettbewerbsfähigkeit eines Vereins durch das Öffnen der Fluttore für Investorengeld dauerhaft gestärkt werden. "Die Flut hebt alle Boote" hat Heribert Bruchhagen in diesem Zusammenhang zu Recht stets gesagt. Allerdings bewegen wir uns in der Bundesliga auf dem Spielermarkt im internationalen Wettbewerb, in dem man ohne Kapitalmaßnamen in Zukunft nur durch Transferüberschüsse bestehen kann. Wir kämpfen für den Erhalt von 50 plus 1, was ja auch in unserer Satzung verankert ist. Aber wenn wir plötzlich der einzige Verein sein sollten, der sich nicht extern kapitalisiert, werden auch wir dieser Diskussion nicht entkommen können. Ich plädiere hier für einen Kodex des Financial-Fairplay, der unabhängig von den Beteiligungsverhältnissen eines Clubs, die externe Kapitalaufnahme klar einschränkt."

Zum Zusammenspiel zwischen Profifußball-AG und Eingetragenem Verein:

"Wir betrachten die Eintracht als eine Einheit. Ich hab nie verstanden, warum meine Vorgänger versucht haben, das stärker voneinander zu entkoppeln. Denn die intensivste Beziehung, die ein Mensch mit dem Klub haben kann, ist die Mitgliederbeziehung. Weil er sich dann nicht nur als Fan oder Kunde versteht, sondern ein Commitment für die Werte und Ziele des Vereins abgibt. Der gemeinnützige Zweck des Vereins, erfolgreich Sport anzubieten und zu betreiben, korrespondiert mit den wirtschaftlichen Interessen der Fußball AG. Zwar gibt es auf der unmittelbaren Ebene der Sportarten wenig Berührungspunkte, aber im Verständnis von Leistungssport und Zielerreichung sehr viele Gemeinsamkeiten und eine enorme Wirkung in die Region. So ist etwa unsere gut geführte Triathlonabteilung zur größten in Deutschland geworden. Sie ist ein Aushängeschild der Eintracht geworden und trägt wie andere Disziplinen dazu bei, uns in der Region breiter zu verankern. Fußball AG und Verein haben ein gemeinsames Konzept für Mitgliederwachstum entwickelt und wir steuern nun auf 50.000 Mitglieder zu."

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Bild: Sky

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Zu den Social-Media-Aktivitäten:

"Eine große Bedeutung für uns hat Facebook, wir nehmen aber auch zur Kenntnis, dass sich hier bei den Millennials andere Kanäle aufbauen, die wir im Blick behalten müssen. Youtube halte ich für äußerst relevant, denn es ist tatsächlich zeitlos in den Chancen, wie sich bestimmte Gruppen und Youtuber als Magneten für die Aufmerksamkeit bei der jungen Generation herausgebildet haben. Instagram entwickelt sich als Teil des Facebooks-Verbunds rasant, während Snapchat aus unserer Sicht seine Storytelling-USPs verloren und seinen Zenit erreicht hat. Twitter ist gut geeignet, um im Fußball einen schnellen Impuls zu setzen. Allen Trends werden wir jedoch nicht hinterherlaufen. Das Thema E-Sport beobachten wir jedoch sehr genau und werden auch mit einer Initiative innerhalb der Saison 2017/18 an den Start gehen. Mit dem Verband Gamearea-FRM sind wir derzeit der einzige Klub, bei dem die Branche eine Loge hat. Dort wurden unseren Kunden in der zweiten Hälfte der letzten Saison bereits spannende Anwendungsfälle von Virtual Reality in Spielen und Geschäftspraxis demonstriert."

Zu den Zukunftsplänen in Bezug auf das Stadion:

"Wir haben unsere Vorstellungen, aber im Moment ist die Stadt als Eigentümer am Zug, ihre Ziele für die Zukunft bestimmen. Eines ist jedoch klar: Die Geschäftsmodelle eines Fußballklubs sind von den Geschäftsmodellen im Stadion nicht zu entkoppeln, das wird in einer digitalen Welt nicht mehr funktionieren. Die Geschäftsmodelle müssen kohärent sein, zusammenpassen und idealerweise aus einer Hand kommen, wenn man die größtmögliche Wertschöpfung und damit Wettbewerbs- und Zukunftsfähigkeit erreichen will. In diesem Sinne muss Eintracht Frankfurt in Zukunft eine signifikante Rolle im Stadionbetrieb einnehmen. Ich bin zuversichtlich, dass dies auf Seiten der Stadt erkannt und vernünftig entschieden wird."

Interview: Jochen Zimmer und Uwe Vorkötter

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