Mankind-Kampagne Wie Airbnb seine Kunden ungewollt zu Stalkern macht

Dienstag, 21. Juli 2015
Szene aus dem "Mankind"-Kampagnenfilm von Airbnb
Szene aus dem "Mankind"-Kampagnenfilm von Airbnb
Foto: Screenshot Youtube
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Das ging nach hinten los: Airbnb hat mit seiner in der Vorwoche gestarteten US-Kampagne "Is Mankind?" eine Welle des Unverständnisses auf Twitter losgelöst. Der Grund: Die Slogans, die der Zimmervermittler dazu verbreitet, werden von vielen Nutzern als gruseliger Aufruf zum Stalken verstanden - und verfehlen deshalb ihr Ziel.
"Go look through their windows, so you can understand their views. Sit at their tables, so you can know their tastes. Sleep in their beds, so you may know their dreams." Mal ehrlich: Diese drei Sätze könnten genau so als Anleitung für einen fiktiven Serienmörder in einem Horrorroman stehen. In Wahrheit hat Airbnb die drei Botschaften einzeln und hintereinander auf seinem Twitter-Kanal veröffentlicht - und aufgrund der Unwissenheit über die gerade erst angelaufene Werbekampagne für reichlich Verwirrung gesorgt. 
So finden sich unter den besagten Tweets zahlreiche Kommentare von Nutzern, die Verwunderung ausdrücken und die voyeuristischen Slogans ironisch weiterspinnen. "Wear their skin, so you can know their soul", schreibt beispielsweise ein User, "Go through their underwear, see if it fits" ein anderer. Einige Nutzer finden die zusammenhangslosen Taglines hingegen einfach nur "creepy" und sogar ein Hack des Twitter-Profils wird vermutet.
Doch natürlich waren die Tweets genau so geplant - auch wenn sich Airbnb die Reaktionen anders vorgestellt haben dürfte. Immerhin hat der Zimmervermittler ganz offensichtlich stillschweigend dazugelernt: Seit den drei kurz hintereinander abgesetzten Botschaften hat Airbnb nur Tweets abgesetzt, die keine Fragen offen lassen und stets den Zusammenhang zu der neuen "Is Mankind?"-Kampagne herstellen.
Mit dem in der Vorwoche in den USA gestarteten Auftritt will das Unternehmen die Güte seiner Vermieter in den Fokus rücken und verdeutlichen, dass es sich für eine Urlaubsreise auch in der Wohnung von Fremden wie zuhause leben lässt. Im Mittelpunkt steht dabei ein 60-sekündiges Commercial, in dem ein Kleinkind in dem Flur eines Ferienhauses auf Entdeckungsreise geht. Entwickelt wurde der Kampagnen-Spot von TBWA/Chiat/Day. Regie führte der vielfach ausgezeichnete Regisseur Lance Acord, der bereits für die als moderne Werbeklassiker geltenden Filme "The Force" für Volkswagen und "Jogger" für Nike verantwortlich zeichnete. tt
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