Magdalena Neuner "Mit drei Werbespots ist die Grenze erreicht"

Freitag, 06. Dezember 2013
Magdalena Neuner ist Mitglied des "Team Samsung" (Bild: Samsung)
Magdalena Neuner ist Mitglied des "Team Samsung" (Bild: Samsung)

Magdalena Neuner ist auch nach ihrer Biathlon-Karriere als Testimonial gefragt, nun auch im Samsung Galaxy Team. Social Media ist wichtig, hat aber Tücken, wie die ehemalige Weltklasse-Athletin im Interview mit HORIZONT.NET sagt. Als Mitglied des Samsung Galaxy Teams sind Sie in Sotschi ja in gewisser Weise Berichterstatterin. Ein erster Schritt in Richtung TV-Expertin wie bei anderen Ex-Biathleten?
Definitiv Nein! Eine künftige Kommentatorenrolle ist für mich kein Thema. Aber ich finde die Idee, dem Publikum per Smartphone über Social-Media-Kanäle einen Blick hinter die Kulissen von Sotschi zu geben, sehr reizvoll. Es wird eher um das Hintergrundgeschehen vor Ort gehen, auch mal um eine Einschätzung zu einem Wettkampf, aber mehr auch nicht.

Was wird denn genau von Ihnen erwartet?
Die Partnerschaft mit Samsung ist im November mit dem 100-Tage-Countdown zu den Olympischen Winterspielen im Februar 2014 gestartet. Während die anderen Mitglieder des Samsung Galaxy Teams wie der Skispringer Severin Freund oder die Snowboarderin Isabella Laböck Einblicke über ihre sportlichen Vorbereitungen posten, versuche ich Informationen von anderen Sportlern - etwa von Miriam Gössner - zu bekommen und es mit dem zu verbinden, was ich gerade so mache. Aber meine Beiträge sollen authentisch sein! Wenn ich mal eine Woche nichts zu berichten hätte, wäre das sicherlich auch ok. Doch ich denke, ich habe als ehemalige Olympia-Teilnehmerin recht viele interessante Geschichten zu berichten.

Inwiefern ist dies verlinkt mit Ihren eigenen Social-Media-Aktivitäten, etwa auf Facebook?
Ich habe zurzeit noch keinen persönlichen Facebook Account. Denn es gibt bereits sieben Magdalena-Neuner-Accounts, die alle nicht von mir sind, und es macht keinen Sinn, einen achten hinzuzufügen. Ich hatte mal den Versuch einer eigenen Facebook-Seite unternommen, die aber zwischen den anderen unterging. Keiner hat geglaubt, dass es mein persönlicher Auftritt war.

Zur Person:

Zur Person:
Magdalena Neuner wurde 9. Februar 1987 in Garmisch-Partenkirchen geboren und Begann im Alter von neun Jahren mit dem Biathlon. Im Laufe ihrer Karriere holte sie 12 Goldmedaillen bei Weltmeisterschaften und ist damit Rekord-Titelträgerin. Insgesamt stand sie 17 Mal auf dem Podium. Bei den Olympischen Winterspielen 2010 in Vancouver wurde sie Doppelolympiasiegerin und einmal Zweite.

Im März 2012 trat Neuner von ihrer aktiven Kariere zurück. Seitdem machte sie ihren Trainerschein, engagierte sich für eine Krebsstiftung und trat bei zahlreichen Werbe- und Promotion-Terminen für diverse Sponsoren auf. Im Frühjahr 2014 erwartet sie ihr erstes Kind.

Aber gehören Facebook und Co für eine Person, die als Testimonial für Werbepartner im Einsatz ist, heute nicht unbedingt dazu?
Natürlich ist es ein Thema, an dem wir arbeiten, und wir versuchen die Frage der inoffiziellen Neuner-Accounts auf Facebook möglichst zeitnah zu klären. Ich habe eine Homepage, die ganz gut besucht wird, auch wenn ein solcher Auftritt inzwischen nicht mehr ganz zeitgemäß ist. Mit Twitter habe ich begonnen, bin aber noch nicht so aktiv. Denn eigentlich bin ich ein Mensch, der die Leute nicht so nah an sich heranlassen möchte, gerade was Privates angeht. Ich poste viel, wenn es um Berufliches geht, etwa bei der Vorstellung der Olympia-Kleiderkollektion, bei der die Mütze in Kooperation mit Adidas - von mir stammt.

Sie sind seit eineinhalb Jahren raus aus dem aktiven Sport. Was hat sich seitdem für Sie verändert etwa im Umgang mit den Fans?
Es ist insgesamt etwas ruhiger geworden, weil meine Präsenz nicht mehr so groß ist und weil der klassische Biathlonfan sich nun andere Sportler sucht. Aber es gibt nach wie vor unheimlich viele Magdalena-Neuner-Fans, die Fanpost schreiben und meine Auftritte und Äußerungen verfolgen.

Wie ist die Resonanz auf Ihre nach wie vor starke werbliche Präsenz?
Es gibt keine kritischen Reaktionen. Es ist zeitlich ja immer noch sehr nah dran an meiner sportlichen Karriere und es ist ja nicht so, dass ich komplett vergessen bin. Von Vorteil ist, dass ich inzwischen die Zeit habe, die mit Werbepartnerschaften verbundenen Aufgaben besser zu erfüllen, denn es ist mein Hauptberuf. Als aktiver Sportler ist es bereits schwierig, Termine für eine Werbedreh zu koordinieren. Deshalb habe ich heute auch mehr Sponsoren als zur aktiven Zeit.

Ist für Sie mit inzwischen 14 Unternehmen das Maximum an möglichen Werbepartnern erreicht?
Mir geht es nicht darum, mehr Sponsoren zu akquirieren - im Gegenteil: Es ist besser, sich auf wichtige zu konzentrieren. Aber alle Partner, die ich derzeit habe, passen gut zu mir. Sie sind mit mir teilweise langjährig verbunden und wollen dies in der Regel auch in den nächsten Jahren bleiben. Das freut mich natürlich und zeigt, dass Sie mit meiner Arbeit offenbar zufrieden sind. Die Zusammensetzung der Sponsoren wird sich aber schrittweise mit meiner persönlichen Lebenssituation weiterentwickeln.

Fürchten Sie dennoch keine Neuner-Sättigungstendenzen, wenn mehrere TV-Spots mit Ihnen parallel on Air sind?
Das ist ein schwieriges Thema, weil ich der Meinung bin, weniger ist mehr. Ich werde diesen Winter wahrscheinlich in drei verschiedenen Werbespots zu sehen sein, was für mich eine absolute Grenze bedeutet. Bereits letztes Jahr mit den TV-Spots von Erdinger alkoholfrei und Eon fand ich es genug, und deshalb haben wir einen bereits gedrehten Spot mit dem Bodenbelaghersteller Joka verschoben. Ich verstehe aber die Erwartungshaltung meiner Sponsoren.

Um Biathlon hat es in den letzten Jahren einen Hype gegeben. Wie sehen Sie zum Start der neuen Saison die sportlichen - und die Vermarktungsperspektiven?
Wie man beim Skispringen sieht, gibt es bei der Wahrnehmung von Sportarten ein Auf und Ab. Entscheidend für die Vermarktung ist sicherlich der Erfolg der Athleten. Letztes Jahr gab es im Biathlon bei der sportlichen Performance eine kleine Schwächephase, aber das Potenzial der Mannschaft ist da und damit sind auch die Vermarktungschancen gegeben. Bis jetzt kann man dabei nach wie vor von einem Aufwärtstrend sprechen. Interview: Jochen Zimmer
Meist gelesen
stats