"Mach et, Mehmet" Dieser Mülleimer-Kampagne wird im Netz zu Unrecht Rassismus vorgeworfen

Donnerstag, 10. August 2017
"Mach et, Mehmet" - Dieser Spruch sorgt im Netz für Empörung
"Mach et, Mehmet" - Dieser Spruch sorgt im Netz für Empörung
© Wirtschaftsbetriebe Duisburg
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Wirtschaftsbetriebe Duisburg Duisburg Silke Kersken


Das Abfallentsorgungsunternehmen Wirtschaftsbetriebe Duisburg funktionierte vor einem Monat die Mülleimer der Stadt zu Werbeträgern um, um der zunehmenden Verschmutzung entgegenzuwirken. Doch einige Türken fühlen sich von der Kampagne in der nordrhein-westfälischen Stadt auf den Schlips getreten: Sie empfinden die Motive mit den Sprüchen "Mach et, Mehmet" und "Geht doch, Gülcan" als rassistisch. Diskriminierung oder nicht? Darüber diskutiert nun plötzlich das Netz - und sogar die türkischen Medien. Doch dem Wirbel liegt offensichtlich ein Missverständnis zugrunde.
"Machs rein" lautet der Titel der Kampagne, die die Wirtschaftsbetriebe Duisburg bereits vor einem Monat ins Leben gerufen haben. Seither prangt auf den 6.000 Mülleimern in der Stadt jeweils eins der acht froschgrünen Motive. Die Sprüche "Sauber, Steffi", "Lass krachen, Lisa" und "Respekt, Robert" scheinen niemanden aufzuregen - "Mach et, Mehmet" und "Geht doch, Gülcan" sorgen hingegen für Aufruhr.
"Mit Witz, Humor und einem zwinkernden Auge möchten wir dich bitten, Papierkörbe für deinen Abfall zu benutzen", heißt es auf der Webseite des Abfallentsorgungsbetriebs. Doch einige User im Social Web können nicht über den Humor lachen. "Hat den Anschein, dass nur Türken ihren Müll auf den Boden werfen", schreibt etwa die Userin "Bahar_Unl" auf Twitter. Ein anderer Nutzer merkt an: "
Einfach charakterlos! Der Islam legt großen Wert auf Sauberkeit, Hans oder Helmut können es nicht wissen". Wie man aus den Posts schließen kann, liegt den kritischen Meinungen jedoch offensichtlich eine Fehlinformation zugrunde: Die User scheinen nicht zu wissen, dass von den insgesamt acht Motiven sechs mit einem deutschen und nur zwei einen türkischen Namen arbeiten.

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    (Bild: Wirtschaftsbetriebe Duisburg)
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So ist es auch wenig überraschend, dass etliche andere User die Bedenken der Kritiker nicht verstehen können. Der User "SiniMiniii", der ebenfalls Türke ist, hält die Kampagne beispielsweise für gelungen: "Super Aktion! Jeder, der sich davon negativ berührt empfindet, hat nen Knall #machsrein".

Dass die Kampagne derartige Wellen schlägt, haben die Verantwortlichen der Wirtschaftsbetriebe Duisburg überhaupt nicht erwartet, sagt Unternehmenssprecherin Silke Kersken gegenüber HORIZONT Online. "Es fing alles damit an, dass türkische Mitbürger die zwei Motive mit den Namen Mehmet und Gülcan fotografierten, auf Facebook posteten, sich darüber beschwerten und zum Teilen aufriefen". Die negativen Reaktionen erfolgten zunächst einmal nur in dem sozialen Netzwerk. Doch dann führte das Sommerloch dazu, dass mittlerweile etliche Medien die Kampagne aufgegriffen haben, sagt Kersken. So berichteten unter anderem der WDR, NTV sowie die Tagesschau über den Fall - und selbst in türkischen Medien erscheinen Artikel über #Machsrein.

Bei der Präsentation der Plakate durch die verantwortliche Duisburger Agentur Kaiserberg Kommunikation waren die Wirtschaftsbetriebe mit den Motiven absolut einverstanden. Für das Unternehmen sei es selbstverständlich gewesen, türkische Namen mit einzubeziehen, schließlich bilden Türken den größten Anteil in der Multi-Kulti-Gesellschaft der Stadt. Der Hintergedanke war somit keineswegs ein diskriminierender, sondern ein integrativer, betont Kersken. 

Reagieren wollen die Wirtschaftsbetriebe auf den Trubel und die Rassismus-Vorwürfe nicht. Die komplette Kampagne soll erst Ende des Jahres durch eine neue ersetzt werden. Neben der Papierkorb-Beklebung kommen auch großflächige Plakate sowie "Gum Walls" an Bahnhöfen zum Einsatz, an die Passanten ihre Kaugummis kleben können, anstatt sie auf den Boden zu spucken.  bre

So reagiert das Netz auf #machsrein:

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