Lufthansa Billigmarken Germanwings fällt Eurowings zum Opfer

Donnerstag, 04. Dezember 2014
Eurowings soll Ryanair das Wasser abgraben
Eurowings soll Ryanair das Wasser abgraben
Foto: Lufthansa
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Mitte 2013 erst wurde der Werbeauftritt von Germanwings runderneuert. Jetzt steht fest, dass die Marke bald auf dem Abstellgleis landet. Die Lufthansa will sich künftig im Billigsegment auf Eurowings konzentrieren.
Während die streikenden Lufthansa-Piloten noch über das Schlichtungsangebot des Konzerns beraten, hat der Konzern den Umbau seines Billigangebots auf den Weg gebracht. Unter der Marke Eurowings will die Airline im harten Preiskampf anderen europäischen Billigfliegern wie Ryanair und Easyjet die Stirn bieten und auch auf der Langstrecke Billigflüge etablieren. Der Aufsichtsrat hat inzwischen ein Konzept von Lufthansa-Chef Carsten Spohr abgesegnet.
„Wir wollen in ganz Europa erfolgreich sein, und da bietet sich der Markenname Eurowings besser an als Germanwings.“
Carsten Spohr
Lufthansa-Chef Carsten Spohr
Lufthansa-Chef Carsten Spohr (Bild: Lufthansa)
Die Marke Germanwings spielt in der Vision Spohrs keine große Rolle mehr. Die Lufthansa setzt künftig im Billigsegment fast komplett auf die Marke Eurowings. "Wir wollen in ganz Europa erfolgreich sein, und da bietet sich der Markenname Eurowings besser an als Germanwings, wenn die Maschine künftig von Österreich nach Spanien fliegt", wird Spohr von der dpa zitiert. Damit ist die Billigmarke Germanwings, für die die Grey-Designtochter KW 43 erst 2013 ein neues Corporate Design entwickelt hat, der große Verlierer. Zwar soll auf den Flugzeugen der Name Germanwings noch zu sehen sein. In der Kommunikation wird Germanwings allerdings bald keine Rolle mehr spielen. Wie ein Germanwings-Sprecher gegenüber HORIZONT Online ankündigt, wird die gesamte Markenkommunikation spätestens Ende 2015, wenn die Umstellung der Vermarktung auf Eurowings abgeschlossen ist, auf Eurowings umgestellt. Kampagnen für die Marke Germanwings, die aktuell von Stammbetreuer Lukas Lindemann Rosinski in Hamburg entwickelt werden, wird es dann keine mehr geben.

Agenturchef Bent Rosinski glaubt indes nicht, dass die strategische Weichenstellung des Lufthansa-Konzerns das Geschäft der Kreativschmiede kurzfristig belasten könnte. "Germanwings hält uns ganz schön auf Trab", sagt Rosinski. Da die Vermarktung auch 2015 noch über Germanwings läuft, rechnet er auch nicht damit, dass sich das so schnell ändert.

Zumal auch die neue Marke Eurowings erst einmal aufgebaut und bekannt gemacht werden muss. Nach HORIZONT-Informationen soll es eine große Einführungskampagne für die neue Billigmarke geben. Auch wenn die Details noch nicht feststehen ist nicht ausgeschlossen, dass Lukas Lindemann Rosinski an Bord bleiben darf. Immerhin hatte die Agentur erst vor einem Jahr in einem Pitch den Germanwings-Etat verteidigt. Den Markenauftritt von Eurowings hat das Germanwings-Marketing in Zusammenarbeit mit der Agentur Aerobrand entwickelt.

Die Kommunikation ist natürlich nur ein Nebenkriegsschauplatz. Die Umstellung auf Eurowings zieht einen ganzen Rattenschwanz an Umbauarbeiten und Investitionen nach sich. Zu den rund 60 Maschinen von Germanwings und 23 von Eurowings sollen ab Herbst 2015 bis zu sieben Langstreckenjets hinzukommen, die wie die Germanwings-Flugzeuge am Flughafen Köln/Bonn stationiert werden. In deren Cockpits der Langstreckenjets im Eurowings-Design sollen Piloten der Fluglinie SunExpress sitzen.

Die günstigere Kostenstruktur will Lufthansa-Chef Spohr durch geringere Personalkosten bei Piloten und Kabinen-Crew sowie für Wartung und Flugbetrieb erreichen. Die Piloten bei Eurowings verdienen deutlich weniger als ihre Kollegen bei der Lufthansa, die unter den Konzerntarifvertrag fallen. Ähnliches gilt für SunExpress, die Fluglinie ist ebenfalls ein Billigableger. Die Germanwings-Piloten will Spohr trotz dieser Pläne im Konzerntarifvertrag halten. Sie müssten nicht gegen ihren Willen zu Eurowings wechseln, versprach er. In den Flugzeugen des Lufthansa-Konzerns arbeiten derzeit insgesamt knapp 9100 Piloten, von denen aber nur rund 5400 nach Konzerntarifvertrag bezahlt werden. Im aktuellen Tarifkonflikt geht es um die Übergangsrenten dieser 5400 Piloten, aber zumindest im Hintergrund auch um den künftigen Kurs des Dax-Konzerns mit dem Ausbau des Billigangebots. Die Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC) äußerte zwar scharfe Kritik am Billig-Konzept, will es aber nach den Worten ihres Sprechers Jörg Handwerg "nicht wegstreiken". mas/dpa
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