Lieferung per Luftgerät Kommt die Amazon-Drohne?

Montag, 02. Dezember 2013
Jeff Bezos stellt CBS-Mann Charlie Rose "Prime Air" vor (Bild: Screenshot cbsnews.com)
Jeff Bezos stellt CBS-Mann Charlie Rose "Prime Air" vor (Bild: Screenshot cbsnews.com)


PR-Gag, Science-Fiction - oder ein tatsächliches Vorhaben? Glaubt man Amazon-Gründer Jeff Bezos, könnte sein Unternehmen einen Teil der Lieferungen in Zukunft mit kleinen Drohnen an den Kunden bringen. Dies sagte Bezos in einem Interview mit der populären CBS-Sendung "60 Minutes". Dass es jemals so weit kommt, ist allerdings aus mehreren Gründen zweifelhaft. "Lassen Sie mich Ihnen etwas zeigen": Jeff Bezos führt seinen Besucher, CBS-Korrespondent Charlie Rose, in einen kleinen Raum. Und dort steht sie: Die Mini-Drohne, mit der Amazon Pakete per Luftpost an die Kunden ausliefern könnte. Es gebe keinen Grund, warum diese Drohnen nicht als Zustellmaschinen genutzt werden könnten, so Bezos. Einen Arbeitstitel für das System gibt es bereits: Amazon nennt es "Prime Air".

Bis zu fünf Pfund, also etwas mehr als zwei Kilogramm, können die Fluggeräte transportieren - laut Bezos würden diese Pakete 86 Prozent aller Lieferungen ausmachen. Operieren könnten die komplett autonomen Drohnen in einem Umkreis von 10 Meilen bzw. rund 16 Kilometern. Bis zum regulären Betrieb müssten allerdings noch zahlreiche Zulassungen von der US-Luftausichtsbehörde FAA eingeholt werden. Bezos zeigte sich jedoch optimistisch, dass die Drohnen in etwa vier bis fünf Jahren einsatzbereit sein könnten.

Wie viel an dem Vorhaben wirklich dran ist, ist unklar. "Spiegel Online" witterte bereits einen PR-Gag, Tech-Blogger Sascha Pallenberg die "Marketing-Luftnummer des Jahres": "16 Kilometer bedeutet nicht mehr und nicht weniger, als das der Kunde maximal 8 Kilometer vom Lager entfernt wohnen darf, was gerade in Ballungszentren dieses Konzept zu einem Dingen der Unmöglichkeit macht oder wird Amazon demnächst an jeder grösseren Kreuzung ein entsprechendes Warenhaus installieren?", schreibt Pallenberg in Bezug auf die Reichweite der Drohnen. Außerdem sei damit zu rechnen, dass "diese Flugmaschinen im Dutzend mit irgendwelchen Luftgewehren vom Himmel geholt" würden.



Für Amazon scheint das Projekt nach außen zunächst einmal sehr real zu sein. Das Unternehmen hat etwa eine eigene Microsite für "Prime Air" aufgesetzt, wo ein Erklärvideo die dahinter stehende Idee erläutert. Für Pallenberg liegt jedoch viel mehr die Vermutung nahe, dass Amazon sehr geschickt den heutigen Cyber-Monday für sich nutzen weiß. An diesem Tag starten Online-Händler ins Weihnachstgeschäft - natürlich mit zahlreichen Sonderangeboten. ire
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