Lieferheld-Kampagne Hamburger Parteien bleiben cool

Freitag, 06. Februar 2015
Lieferheld kapert Wahlkampf in Hamburg
Lieferheld kapert Wahlkampf in Hamburg
Foto: Unternehmen
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In Hamburg reitet Lieferheld derzeit auf der Wahlkampf-Welle mit. Auffällig ist, dass der Essens-Lieferdienst dabei recht unerschrocken mit den Logos der großen Parteien hantiert. Und mit Markenrechten ist bekanntlich nicht zu spaßen. Doch CDU, SPD und Co nehmen die Sache gelassen.
Wer die Motive nur flüchtig oder aus der Ferne betrachtet, könnte schnell den Eindruck bekommen, dass es sich dabei um echte Wahlwerbung der großen Hamburger Parteien handelt - immerhin ist am 15. Februar Bürgerschaftswahl in der Hansestadt. Stimmt aber nicht: "Christliche Döner Union" oder "Sozialdemokratische Pizzerien Deutschlands" sind natürlich fiktive Parteien. Hinter der Kampagne steckt der Essens-Bringdienst Lieferheld, der den Wahlkampf ein wenig aufmischen will.
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    (Bild: Lieferheld)
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    (Bild: Lieferheld)
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    (Bild: Lieferheld)
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    (Bild: Lieferheld)
Was für die einen eine ausgefuchste Guerilla-Kampagne ist, ist für die anderen dreister Logo-Klau. Denn in der Tat sind die Partei-Embleme in ihrem Erscheinungsbild nur leicht verändert. Manche Unternehmen haben schon für wesentlich weniger die Anwälte losgeschickt - man denke nur an Apple und den Fall des Bonner Cafés Apfelkind.

In diesem Falle jedoch hat Lieferheld wohl nichts zu befürchten. Die Piratenpartei hatte via Twitter bereits sehr gelassen auf das Motiv reagiert. Die CDU lässt auf Nachfrage von HORIZONT Online ausrichten, dass man keine Schritte gegen das Unternehmen plane. "Wir befinden uns im Wahlkampf, darauf konzentrieren wir all unsere Kapazitäten", so ein Sprecher der Partei, die auf Twitter bereits Gelassenheit demonstriert hatte (siehe Tweet). Auch die Hamburger SPD zeigt sich versöhnlich. "Wir haben nichts gegen satte Mehrheiten" lässt die Partei über einen Sprecher ausrichten und nimmt damit Bezug auf das SPD-Motiv von Lieferheld.

"Gnade vor Recht" heißt es von der Alternative für Deutschland, die in der Kampagne als "Alternative für Dosensuppen" auftaucht. Der Karneval stehe vor der Tür, außerdem würde die AfD ja nicht alleine verunglimpft. Deswegen werde man die Sache nicht weiter verfolgen, so Schriftführer Detlef Ehlebracht. Gleichzeitig dämpft er jedoch die Ambitionen möglicher Trittbrettfahrer: "Die Gefahr besteht dann sicherlich darin, dass andere daraus einen Freibrief ableiten und meinen mit unserem Logo machen zu können, wonach ihnen der Sinn steht. Das wäre eine falsche Schlussfolgerung, die wir umgehend unterbinden würden."
Lieferheld CDU
Bild: Lieferheld

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Ein tatsächliches Problem könnte sich für Lieferheld daraus ergeben, dass das Unternehmen auf den Motiven nicht direkt als Absender sichtbar ist. Um dahinter zu kommen, muss der Betrachter schon die auf den Plakaten angegebenen Webadressen eingeben. Diese führen letztendlich auf die Website wahl-held.de, wo dann auch das Lieferheld-Logo sowie Bestellmöglichkeiten sichtbar werden. Wer das nicht tut, dem wird sich die Kampagne nicht erschließen. Lieferheld ist also von der viralen Verbreitung und der Eigendynamik der Kampagne abhängig.

Ob sich das auf die Geschäftsentwicklung -unklar. Geld kommt bei Lieferheld so oder so rein: Delivery Hero, die Muttergesellschaft von Lieferheld, hat soeben den Einstieg von Rocket Internet bekannt gebeben. Die Start-up-Schmiede der Samwer-Brüder hat im Rahmen einer Finanzierungsrunde 287 Millionen Euro in das Unternehmen investiert. Die Gesamtinvestition von Rocket Internet soll bei 496 Millionen liegen. Außerdem seien "Kooperationen auf unterschiedlichen Ebenen" vorgesehen. ire
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