Lieferdienste Amazon Fresh startet in Hamburg mit Rekordsortiment

Mittwoch, 19. Juli 2017
Bestellungen bei Amazon Fresh werden bis an die Haustür geliefert
Bestellungen bei Amazon Fresh werden bis an die Haustür geliefert
© Amazon

Es ist gleich in zweifacher Hinsicht eine Ansage: Schon zwei Monate nach der Premiere in Berlin expandiert Amazon Fresh nach Hamburg und baut gleichzeitig noch einmal das Sortiment dramatisch aus. Knapp 300.000 Artikel können Fresh-Kunden nun bestellen – davon allerdings rund 200.000 aus dem Nonfood-Bereich. Im Sortiment sind viele Hamburger Traditionsmarken wie J.J. Darboven Kaffee, Fritz-Limonaden und Astra.

Wer hoffte, dass sich Amazon Fresh nach seiner Berliner Premiere schnell in den zahlreichen Details des wettbewerbsintensiven deutschen  Lebensmittel-Handels aufreiben würde, sieht sich gründlich enttäuscht. Der Herausforderer legt nach seinem Start in Berlin Anfang Mai jetzt in Rekordzeit den nächsten Expansionsschritt hin und demonstriert den klaren Anspruch, für Güter des täglichen Bedarfs das größte Online-Kaufhaus Deutschlands zu werden. Florian Baumgartner, Director Amazon Fresh Deutschland: „Das positive Feedback der Kunden in Berlin und Potsdam zeigt uns, dass sie die Kombination aus einer riesigen Produktauswahl, flexiblen Lieferoptionen und guten Preisen sehr schätzen. Wir wollen das Angebot weiter vergrößern.“

Amazon Fresh
Bild: Amazon

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Aktuell umfasst das Angebot von Amazon Fresh insgesamt über 300.000 Artikel. Neben frischen Lebensmitteln und FMCG-Konsumgüter bietet Amazon Fresh nun eine breite Auswahl aus den Bereichen Küche, Sport sowie Spiel- und Schreibwaren. Mit Nonfood-Artikeln erzielen auch klassische Lebensmittelhändler erhebliche Umsätze, wobei ein Teil des Sortiments oft nur als Aktionsprodukt zu haben ist. Amazon bietet dagegen sein komplettes Sortiment an, dürfte aber über saisonale Anlässe und die individuellen Bestellprofile zielgerichtet Preisaktionen für die einzelnen Produkte ausspielen.

Es stellt sich allerdings die Frage, inwieweit das riesige Sortiment speziell von Lebensmittelkunden tatsächlich als Wettbewerbsvorteil empfunden wird. Denn bei Lebensmitteln dominieren im Alltag die Routineeinkäufe. Saisonale Sonderanlässe wie Ostern, Weihnachten und Silvester decken stationäre Händler über zeitlich begrenzte Sortimentsaktionen ab. Ein großes Sortiment könnte allerdings zum speziellen Profil des Onlinehandels passen, wonach vor allem Kunden bestellen, die weniger ein Kosten-, sondern eher ein Zeitproblem haben. Für derartige einkommensstarke Kunden wäre eine breite Auswahl mit exotischen Lebensmitteln sicher ein zusätzliches Argument für Amazon Fresh.

Robert Rausch
Bild: Rausch

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Und die Entwicklung in den USA zeigt, dass Amazon beim Thema Lebensmittel seine Kernkompetenz nicht bei der Preisführerschaft sieht. Nach einer aktuellen Preisvergleichsstudie ist Amazon Fresh in den USA zum Teil sogar deutlich teurer als das Online-Angebot von Walmart.

Dazu passt, dass Amazon auch an der Qualität seines Sortiments feilt. Das Bio-Sortiment umfasst von frischem Obst und Gemüse über Fleisch, Fisch sowie Milch- und Kühlprodukte bis hin zu frischen Backwaren rund 6000 Bio-Produkte. Dazu kommt eine große Auswahl an glutenfreien, laktosefreien oder veganen Artikeln. Sorgen machen muss die LEH-Konkurrenz, dass Amazon Fresh auch in Hamburg mit 25 lokalen Partnern startet, darunter auch bundesweit aktive Unternehmen wie Basic und Kochhaus. Bei kleineren deutschen Unternehmen kommt offenbar zunehmend die Botschaft an, dass Amazon Fresh das Potenzial hat, sich zum ernstzunehmenden Distributionspartner für Lebensmittel zu entwickeln. Dieser Trend bedroht die Kernkompetenz des stationären LEH als Partner der Markenproduzenten und könnte bei kommenden Listungsgesprächen als Verhandlungsargument eine Rolle spielen. cam

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