Lidl Wie der Discounter in Tschechien auf einen rechtspopulistischen Shitstorm antwortete

Donnerstag, 05. Januar 2017
Ein schwarzes Model im Lidl-Prospekt löste in Tschechien eine Rassismusdebatte aus
Ein schwarzes Model im Lidl-Prospekt löste in Tschechien eine Rassismusdebatte aus
© Lidl
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Dass Unternehmen auch ohne politische Ambitionen nicht darum herumkommen, Stellung in gesellschaftlichen Debatten zu beziehen, musste gerade Lidl in Tschechien erleben. Rechtpopulisten nahmen einen Prospekt des Discounters zum Anlass, um in den sozialen Netzwerken einen Shitstorm auszulösen. Mit einer selbstbewussten Antwort gelang es Lidl allerdings, die Tonalität der Debatte schnell zu drehen.

Der Stein des Anstoßes war so banal wie zufällig. Lidl Tschechien hatte für den ersten Prospekt des neuen Jahres ein schwarzes Model gecastet, um sein Aktionssortiment  aus der „Urban“-Modekollektion zu bewerben. Ein Funktionär der sich aktuell im 5-Prozent-Spektrum bewegenden rechtspopulistischen Partei SPD (Svoboda a Přímá Demokracie = Freiheit und direkte Demokratie) hatte einen Screenshot des schon online verfügbaren Prospekts gepostet und kritisiert, dass man in einem tschechischen Prospekt auch tschechische Models erwarten könne – nicht aber den Import von Mulitkulti.

In der Tschechischen Republik, wo der amtierende Präsident nicht müde wird, vor illegalen Ausländern zu warnen und sogar die allgemeine Volksbewaffnung als Gegenmittel fordert, ist das Label „Multikulti“ nicht ohne politische Brisanz. Trotzdem antwortete das Unternehmen sofort und eindeutig, wie ein Sprecher bestätigt: „Lidl Tschechien hat deutlich gemacht, dass wir als internationales, sozial verantwortliches Unternehmen kulturelle Vielfalt als Teil der Lebensrealität respektieren und begrüßen. Dies ist nicht nur in unseren Unternehmensgrundsätzen verankert, sondern spiegelt sich auch in der Vermarktung unserer Produkte wieder, die sich an alle Menschen, unabhängig ihres kulturellen Hintergrundes, ihrer persönlichen Orientierung oder ihres persönlichen Engagements, richtet.“

Was folgte, war eine Welle von Postings mit zunehmend absurderen Vorwürfen, wie dass sich Lidl an der „Auslöschung der weißen Rasse“ beteilige oder dass der Prospekt ein Versuch Merkel-Deutschlands sei, die Tschechen umzuerziehen. Mittlerweile melden sich auf der Lidl-Facebook-Seite zunehmend auch Fans zu Wort, die die Haltung des Discounters loben und sich über die rechtspopulistischen Kommentatoren lustig machen.

So kommentiert etwa ein Fan den Lidl-Facebook-Post zum Prospekt, der mit einem bügelnden Golden Retriever illustriert ist, scheinbar entrüstet: „Warum wirbt Lidl mit einem ausländischen Hund und nicht mit einer traditionellen tschechischen Promenadenmischung? Das geht gegen den gesunden Menschenverstand. Als tschechischer Patriot und Hundeliebhaber muss ich protestieren.“ Andere Unternehmen wie etwa die Cider-Marke Magnetic Apple stellen sich mit eigenen Facebook-Posts hinter Lidl. Mittlerweile überwiege die Zahl der positiven Kommentare die rechtspopulistischen Kritiker deutlich, teilt das Unternehmen mit. cam

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