Lidl Kampagne Deutsche Umwelthilfe wirft dem Discounter Greenwashing und Irreführung vor

Montag, 25. Januar 2016
Lidl wirbt für die Umwelt mit nackten Tatsachen
Lidl wirbt für die Umwelt mit nackten Tatsachen
Foto: Lidl

Man hat es ahnen können, jetzt ist es Fakt. Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) prangert die Lidl-Kampagne "Jede Flasche zählt" an. Die Botschaft, dass der Kauf von Einweg-Plastikflaschen der Umwelt nutze, sei schlicht falsch und irreführend. Die Umwelthilfe fordert daher die Konsumenten zu einem Boykott der Einwegflaschen auf und will auch weitere rechtliche Schritte nicht ausschließen.

Für die DUH ist der Fall ganz klar: "Einwegflaschen aus Plastik sind wiederbefüllbaren Mehrwegflaschen ökologisch deutlich unterlegen, weil sie ressourcenintensiver in der Herstellung sind, das Klima besonders stark belasten und unnötige Abfälle produzieren. Durch die bis zu fünfzigmalige Wiederbefüllung von Mehrwegflaschen müssen Verpackungen nicht millionenfach neu hergestellt werden." Damit handle es sich bei der Kampagne "Jede Flasche zählt" schlicht um Greenwashing. DUH-Bundesgeschäftsführer Jürgen Resch: "Lidl täuscht seine Kunden mit der Behauptung, durch den Kauf von Einweg-Plastikflaschen die Umwelt zu entlasten. Dabei ist Lidl mit seiner Weigerung, Getränke in umweltfreundlichen Mehrwegflaschen zu verkaufen, einer der Hauptverursacher für die klima- und umweltschädliche Plastikflaschen-Flut in Deutschland." Für den Neckarsulmer Discounter kommt die Kritik zur Unzeit, da die Kampagne eigentlich das Image der Unternehmensmarke stärken sollte. Wenn "Jede Flasche zählt" nun den Umweltverbänden eine Plattform liefert, sich mit den Packaging-Praktiken Lidls zu beschäftigen, wäre dieser Schuss eindeutig nach hinten losgegangen.
Diese leidvolle Erfahrung musste schon 2012 der Energiekonzern RWE machen, der in einer aufwendig von Jung von Matt kreierten Kampagne seine eigenen Umweltleistungen präsentierte. Greenpeace konterte prompt mit einer Parodie, in der der Ökoriese zum Umweltsünder wurde, und dominierte damit in den kommenden Wochen die Schlagzeilen.

Viel wird jetzt davon abhängen, ob die Deutsche Umwelthilfe mit ihrer Kritik tatsächlich auch eine größere Entrüstungswelle entfesseln kann. Denn formelle juristische Schritte gegen "Jede Flasche zählt" könnten sich als schwer bis nicht durchführbar erweisen. Schließlich behauptet Lidl in dem Werbefilm nicht, dass seine Einwegflaschen die ökologisch beste Lösung sind. Gezeigt wird nur, dass der Herstellungsprozess eine große Recycling-Komponente hat. Damit dürfte auf die Fakten bezogen keine Falschaussage nachweisbar sein. cam

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