Krisenexperte Andreas Bachmeier "Autobauer müssen offensiv nach vorne gehen"

Donnerstag, 03. August 2017
Andreas Bachmeier ist seit 2014 Vorstand bei Engel & Zimmermann in Gauting bei München
Andreas Bachmeier ist seit 2014 Vorstand bei Engel & Zimmermann in Gauting bei München
Foto: Engel & Zimmermann

Zum Kartellverdacht halten sich die Hersteller eher bedeckt. Das mag nicht jeder verstehen, Andreas Bachmeier schon. Der Krisenexperte weiß: Wer sich jetzt vorwagt, wird mit dem Thema auf Jahre in Verbindung gebracht.

Andreas Bachmeier ist Vorstand bei der Kommunikationsagentur Engel & Zimmermann und kennt sich mit Krisen aus. Er berät Unternehmen aus unterschiedlichen Branchen in schwierigen Situationen und strategischen Fragestellungen. Gegenüber HORIZONT äußert er sich im Interview über Schweigen in der Krise und Möglichkeiten, trotzdem positive Akzente zu setzen.

„Wer sich als erster äußert, der wird in den Medien zitiert und mit dem Thema in Verbindung gebracht und das auf Jahre.“
Andreas Bachmeier
Herr Bachmeier, was wiegt eigentlich in der aktuellen Krise schwerer: der Kartellvorwurf oder das Schweigen der Automanager? Beides ist nicht gut. Ich verstehe aber, dass jetzt keiner der betroffenen Unternehmen vorprescht, um sich zu erklären. Das ist bei jedem Kartellverdacht so. Warum? Wer sich als erster äußert, der wird in den Medien zitiert und mit dem Thema in Verbindung gebracht und das auf Jahre. Die Verurteilung in der Öffentlichkeit erfolgt sofort, selbst wenn sich in drei Jahren herausstellt, dass an den Vorwürfen nichts dran war. Das interessiert dann keinen mehr, allenfalls die Randspalten in den Wirtschaftsblättern.

Der Vorwurf geheimer, illegaler Absprachen steht jetzt seit gut zehn Tagen im Raum. Und nach wie vor gibt es den Dieselskandal, der auch nach dem gestrigen Gipfel nicht beendet ist. Ist Schweigen trotzdem die bessere Lösung? Die Vorgehensweise muss jedes Unternehmen für sich entscheiden. Jedes kämpft jetzt für sich. Aber besser wäre es, offensiv nach vorne zu gehen, in dem die Branche oder einzelne Hersteller ein Thema finden, das auf einer gesellschaftlichen Metaebene relevant ist.

Haben Sie ein Beispiel, um es konkreter zu machen? Nehmen Sie in der Lebensmittelwirtschaft die Rügenwalder Mühle. Der Wursthersteller hat aus seiner Kompetenz heraus neue Produkte entwickelt, die die Kompetenzen seiner alten Welt auf einen neuen gesellschaftlichen Trend zu veganer Ernährung übertragen haben. Das herauszufinden hat viel mit Kommunikation und Zuhören zu tun.

Werfen Sie den Herstellern vor, nicht genug zugehört zu haben? Solche Situationen, wie wir sie jetzt in der Automobilindustrie erleben, entstehen immer, wenn eine Branche und die Gesellschaft auseinanderdriften. Das wissen wir aus der Energiebranche, der Chemie- und der Lebensmittelbranche sowieso. Trends werden nicht mehr wahrgenommen, also etwa Nachhaltigkeit und Elektromobilität.

Die Kunden wollen keine Elektromobilität. Aber die Politik und Verbraucherschützer. Und die Jugendlichen, die heute Führerschein machen, werden diesen Trend aufnehmen und weitertreiben. Den Dieselkatalysator wollten die deutschen Hersteller übrigens einst auch nicht, heute ist er Standard. mir

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