"Kommunikativer Super-Gau" Wiesenhof-Spot mit Atze Schröder empört auch den GWA

Montag, 27. Juni 2016
Atze Schröder prahlt mit seiner langen Bratwurst
Atze Schröder prahlt mit seiner langen Bratwurst
Foto: Wiesenhof

Nach dem Eklat um den Wiesenhof-Werbespot mit Atze Schröder meldet sich nun auch der Gesamtverband Kommunikationsagenturen GWA zu Wort. „Wer solche Spots in Auftrag gibt und umsetzt, versteht nicht das geringste von Marke und ordentlicher Unternehmensführung. Das gilt für Auftraggeber und Agentur gleichermaßen“, kommentiert GWA-Präsident Wolf-Ingomar Faecks.

Stein des Anstoßes ist ein von der Agentur KD&P in Bremen entwickelter Werbespot, in dem der für seinen derben Humor bekannte Comedian Atze Schröder für die Brutzler-Grillwurst von Wiesenhof wirbt. In dem gut anderthalb Minuten langen Werbevideo hält Schröder eine lange Bratwurst in die Kamera und sagt unter anderem: "Danach müssen Gina und Lisa erstmal in die Traumatherapie." Abgesehen davon, dass der Spot ohnehin völlig daneben ist, sorgte insbesondere die Anspielung auf Gina-Lisa Lohfink für einen veritablen Shitstorm. Grund: Die frühere "Germany's Next Top Model"-Kandidatin Lohfink wehrt sich vor Gericht gegen den Vorwurf, zwei Männer zu Unrecht der Vergewaltigung bezichtigt zu haben. Der Prozess wird am heutigen Montag fortgesetzt, es sollen erste Zeugen gehört werden.

Aus Sicht des GWA hat Wiesenhof jedenfalls mit dem Werbespot alle Regeln der Kommunikation außer Kraft gesetzt. Ohne die Anspielung auf die Aussage von Gina-Lisa Lohfink, die derzeit an einem Verfahren wegen mutmaßlicher Vergewaltigung beziehungsweise falscher Verdächtigung beteiligt ist, sei der Spot schlicht geschmacklos. "So aber wird daraus ein kommunikativer Super-Gau“, sagt Faecks. Ungeachtet dessen glaubt Faecks nach wie vor, dass das von Justizminister Heiko Maas geplante Verbot sexistischer Werbung überflüssig ist: „Das Beispiel zeigt eindrucksvoll, dass die Selbstregulierung des Marktes und der Branche völlig ausreichen, um gegen solche Fälle vorzugehen“. Zum einen hätten die Online-Reaktionen und in der Presse dafür gesorgt, dass sich das Unternehmen entschuldigen musste und den Spot aus dem Netz genommen hat. Zudem werde sich auch der Werberat mit dem Thema beschäftigen. „Strengere Gesetze brauchen wir nicht“, betont Faecks.

Wiesenhof und Schröder hatten sich am Wochenende bereits öffentlich entschuldigt. Vor dem Hintergrund der Berichterstattung um Gina-Lisa Lohfink hätte der Spot so definitiv nicht veröffentlicht werden dürfen, teilte der Marketing-Geschäftsführer von Wiesenhof, Ingo Stryck, am Samstag auf dpa-Anfrage mit. "Dafür möchten wir uns in aller Form entschuldigen und haben das Video sofort aus dem Netz genommen." Auch Schröder schrieb auf seiner Facebook-Seite wenig später, er sei "absolut und ausnahmslos gegen jede Form sexueller Gewalt". Seit Jahren engagiere er sich für den Verein Roterkeil.net gegen Kinderprostitution. Auch er schreibt, dass der kritisierte Werbespot nie veröffentlicht hätte werden dürfen. "Schon gar nicht jetzt, wo er einen Bezug herstellt, der ekelhaft ist und so nie gedacht war." Das Video sei eine große Dummheit, die er bereue. Er kündigte an, 20.000 Euro an den Verein zu spenden und eine Benefizshow spielen. Der kurze Facebook-Eintrag endet mit: "Tut mir leid, dass ich so dämlich war." mas/dpa

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