Kniefall vor Google Wie Microsoft auf Nokias Android-Offensive reagiert

Dienstag, 25. Februar 2014
Nokia-Manager Stephen Elop präsentiert die Geräte der X-Reihe
Nokia-Manager Stephen Elop präsentiert die Geräte der X-Reihe

Gerüchte gab es schon seit einigen Monaten. Jetzt ist es offiziell: Nokia baut künftig auch Smartphones, die mit dem Android-Betriebssystem von Google ausgestattet sind. Die ersten Geräte stellte Nokia-Boss Stephen Elop gestern auf dem Mobile World Congress in Barcelona vor. Vor dem Hintergrund, dass der Smartphonehersteller demnächst vom Google-Erzfeind Microsoft aufgekauft wird und Nokia sonst keine Gelegenheit auslässt, um dem Suchmaschinenriesen einen überzubraten, ist das schon ein starkes Stück. Doch bei Microsoft gibt man sich gelassen - notgedrungen. Von den Geräten der Nokia-X-Reihe, die Stephen Elop gestern der Weltöffentlichkeit präsentierte, schwärmte der Nokia-Boss in den höchsten Tönen. Die vor allem für Schwellenländer entwickelten Smartphones, die - wohlgemerkt ohne Steuern - lediglich zwischen 89 und 109 Euro kosten, seien nicht nur "wunderschön designt", für eine breite Masse "erschwinglich" und "mit einer Menge Services" ausgestattet. "Die Geräte Nokia X und X+ basieren auf der offenen Open-Source-Plattform von Android", ließ Elop die von Beobachtern schon länger erwartete Bombe platzen. Dies bedeutee, dass Nutzer "auf hunderttausende Applikationen zugreifen können", so Elop weiter.

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Dass Nokia Android-Geräte baut ist deshalb so heikel, weil die Smartphonemarke wie berichtet wahrscheinlich noch im 1. Quartal 2014 von Microsoft übernommen wird. Der Softwareriese versucht seit Jahren, sein eigenes Betriebssystem Windows Phone im Markt zu etablieren. Bislang mit überschaubarem Erfolg: Laut dem Marktforscher Gartner lag der weltweite Marktanteil im 3. Quartal 2013 gerade mal bei 3,6 Prozent (siehe Chart oben).

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Wie abgeschlagen die Microsoft-Plattform ist, zeigt auch die absolute Zahl der verkauften Windows-Phone-Geräte. Die lag Ende 2013 bei gerade einmal 46 Millionen. Zum Vergleich: Ende vergangenen Jahres waren knapp 1,1 Milliarden Android-Smartphones und 336 Millionen iPhones im Umlauf (siehe Chart 2).

Bei Microsoft wird es ausgerechnet der Job von Stephen Elop sein, Windows Phone nach vorn zu bringen. Der ehemalige Chef von Microsofts Geschäftskunden-Sparte, der als Nokia-Chef jetzt die Plattform des Wettbewerbers bedient, wird im Zuge der Übernahme als Chef der Endgerätesparte zu Microsoft zurückkehren und muss sich dann auf dem Smartphonemarkt vor allem gegen Google durchsetzen. Dass er als Noch-Nokia-Boss jetzt Billig-Smartphones für Android baut, lässt sich auch als Eingeständnis interpretieren, dass Nokia seine Wachstumsziele so ganz ohne Google eben doch nicht erreichen kann - jedenfalls noch nicht. Ganz nach dem Motto: Umarme den Feind, bevor er dich vollends erledigt.

Das neue Nokia XL Smartphone
Das neue Nokia XL Smartphone
Bei seinem künftigen Arbeitgeber reagiert man denn auch gelassen auf den Vorstoß von Nokia. Kommunikationschef Frank X. Shaw stellt zwar in einem Blog-Post klar, dass Windows Phone auch in Zukunft im Mittelpunkt der Smartphone-Strategie stehen werde. Gleichwohl erinnert er daran, dass die Übernahme noch nicht vollzogen ist. Solange dies nicht der Fall sei, agiere Nokia weiter als eigenständiges Unternehmen. Der Microsoft-Manager hat sogar ein Lob für Nokia übrig. So habe der Smartphonehersteller die Geräte der X-Serie mit wichtigen Microsoft-Diensten wie Skype, OneDrive and Outlook.com ausgestattet. "Das gibt uns die Möglichkeit, Millionen Menschen vor allem in Wachstumsmärkten zum Teil der Microsoft-Familie zu machen", so Shaw. mas
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