Klar ist das echt So elegant schießt Heineken einen Pseudo-Shitstorm ab

Mittwoch, 12. Februar 2014
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Heineken YouTube Werbungtreibende Kennedy Amsterdam


Wenige Werbungtreibende haben die Kunst, für das Internet geeignete Kampagnen zu produzieren, so perfektioniert wie Heineken. So ist es auch nicht verwunderlich, dass die TV-Spots der Marke auf Youtube in vielen Details kritisiert werden. Bei der letzten Kampagne bezweifelten viele User, dass in dem Spot tatsächlich normale Menschen zu sehen sind. Und Heineken reagierte auf den Pseudo-Shitstorm. Indem es mit einer gefakten Antwort seiner PR-Abteilung die Grenzen zwischen real und irreal noch weiter verschob. Der 2,10-Minüter, der wie die Original-Kampagne von der Leadagentur Wieden + Kennedy Amsterdam kreiert wurde, parodiert elegant die üblichen Standards der Krisen-PR: Die angebliche Unternehmens-Pressesprecherin Dymfke van Der Gaal richtet sich mit ernster Miene an die Youtube-Kommentatoren, die die Authentizität der Darsteller anzweifelten. Als Antwort präsentiert sie die Orignal Casting-Bänder der Agentur.



Wer allerdings bei ihrer Ansprache auf das Fenster in Van der Gaals Büro achtet, merkt schnell, dass es hier mit der Wahrheit nicht allzu weit her sein kann. So schwimmt in dem Kanal vor der Haustür ein Hai vorbei, wenig später ist im Hintergrund ein brennender Fahradfahrer zu sehen. Auch in den Castingvideos selbst nimmt es die Marke mit der Grenze zwischen Wahrheit und Phantasie nicht so genau. Alle Darsteller werden als wahre Meister des abstrusen Talents inszeniert, mit dem sie auch in dem Spot zu sehen sind. Alle Castingfilme sind auf Youtube auch einzeln zu sehen. Zu guter Letzt öffnet sich die Pressesprecherin ihr Feierabend-Heineken mit einer Banane.



Der ursprüngliche Spot "The Odyssey" hatte erstmals Laiendarsteller als Protagonist der Werbegeschichte eingesetzt. In dem Spot entert ein Schiffbrüchiger ein Kreuzfahrtschiff und absolviert eine Reihe immer absurderer Kunststücke, bei denen er stets sein Aussehen ändert. Erst als er zu seinem Floß zurückkehrt stellt sich heraus, dass hinter dem Auftritt gleich eine ganze Gruppe von Männern stehen getreu der Kampagnen-Botschaft "Everybody is special at something".

Dass Heinekens Anspruch, in diesem Spot mit normalen Durchschnittbürgern als Darsteller zu arbeiten, im Internet sofort angezweifelt werden würde, war abzusehen. Bemerkenswert an der Reaktion darauf ist allerdings, dass Heineken sich gar nicht erst bemüht, den Kritikern ernsthaft zu widersprechen. Statt auf das Risiko eines Shitstorms zu regieren, nutzt die Marke die Chance stattdessen, um de facto eine zweite Runde der Kampagne zu starten. Denn auch in den Castingvideos stehen letztlich die besonderen Talente im Mittelpunkt. cam
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