"Keine Homosexuellen in unserer Werbung" Barilla-Chef provoziert Boykottaufruf

Freitag, 27. September 2013
Guido Barilla entschuldigte sich auch auf der internationalen Facebook-Seite
Guido Barilla entschuldigte sich auch auf der internationalen Facebook-Seite


Guido Barilla, Chef des gleichnamigen Pastaherstellers, hat sich mit einem Radiointerview in Schwierigkeiten gebracht: Sein Konzern unterstütze die "traditionelle Familie", daher werde Barilla keine Werbung mit Homosexuellen schalten. Wenn diesen das nicht gefalle, könnten sie ja die Pasta eines anderen Herstellers essen. Der anschließende Aufschrei war so groß, dass der Unternehmer kurz danach zurückruderte und seine Aussagen via Firmenhomepage und Facebook relativierte.
Wenn ein Thema es erst einmal auf Buzzfeed geschafft hat, ist weltweite Aufmerksamkeit quasi garantiert. Insofern kann sich Guido Barilla sicher sein, dass seine Äußerungen über Homosexualität derzeit auf der ganzen Welt gelesen werden. Denn der populäre US-Aggregator berichtete gestern prominent über das Interview des Firmenchefs im italienischen Radio.

Darin sagte Barilla: "Wir werden keine Werbung mit Homosexuellen schalten, weil wir die traditionelle Familie unterstützen. Wenn den Homosexuellen das nicht gefällt, können sie Pasta eines anderen Herstellers essen. Jeder darf tun was er will, solange es niemandem schadet." Zwar respektiere er die gleichgeschlechtliche Ehe, deren Adoptionsrecht lehne er jedoch ab, so Barilla weiter.

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Der Aufschrei ließ nicht lange auf sich warten: "Wir akzeptieren die Einladung, seine Pasta nicht zu essen", sagte etwa Aurelio Mancuso, Vorsitzender der Organisation Equality Italia, gegenüber der Nachrichtenagentur Ansa. Alessandro Zan, Mitglied der im italienischen Parlament vertretenen linksgerichteten Partei SEL, erkannte ein Beispiel für "Homophobie auf italienische Art." Er werde Barilla boykottieren und lade andere Parlamentsmitglieder ein, dasselbe zu tun. Die Boykottaufforderung machte auch in sozialen Netzwerken die Runde. Auf Twitter machen zahlreiche Kritiker unter den Hashtags #boicottabarilla und #boycottbarilla ihrem Ärger Luft.

Barilla selbst erkannte schnell, was er angerichtet hatte und bemühte sich um Schadensbegrenzung. In einem auf der Firmenhomepage sowie auf Facebook veröffentlichten Statement heißt es: "Bezugnehmend auf meine gestrigen Äußerungen im italienischen Radio, möchte ich mich dafür entschuldigen, falls meine Worte für Kontroversen und Missverständnisse gesorgt oder jemanden verletzt haben." Im Folgenden drückt Barilla seinen unbedingten Respekt für Homosexuelle und gleichgeschlechtliche Ehen aus. Etwas schwammig klingt der letzte Satz des Statements: Sein Unternehmen repräsentiere in seiner Werbung die Familie, denn dies spreche jeden an. ire

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