#KeinGeldfürRechts BMW, Telekom, Rewe & Co ziehen Werbung auf US-Plattform Breitbart zurück

Freitag, 09. Dezember 2016
Viele Werbungtreibende setzten Breitbart auf die Blacklist
Viele Werbungtreibende setzten Breitbart auf die Blacklist
Foto: Screenshot http://www.breitbart.com

Wegen automatisierter Einbuchungen landen Banner von Werbungtreibenden nicht immer nur dort, wo diese davon wissen - etwa auf der populistischen US-Plattform Breitbart.com. Nach diversen Hinweisen ziehen viele deutsche Unternehmen ihre Werbemittel dort nun zurück, darunter die Deutsche Telekom, BMW und Rewe. Auslöser ist die private Twitter-Kampagne eines Scholz & Friends-Mitarbeiters unter dem Titel #KeinGeldfürRechts, die Nutzer dazu aufruft, Anzeigen in zweifelhaften Umfeldern per Screenshot zu sichern und an die Firmen zu schicken.
Viele Firmen reagieren auf die Tweets mit dem Versprechen, die Vorgänge zu prüfen und ihre Blacklist zu aktualisieren. Damit können Dienstleister, Werbungtreibende und Agenturen einschränken, auf welchen Seiten im Netz die Anzeigen ausgespielt werden sollen. Denn in der Regel ist den Unternehmen gerade bei der Restplatzvergabe von Werbeinventar nicht bewusst, wo ihre Banner zu sehen sind - etwa auf Seiten mit rechtspopulistischen, sexistischen oder pornografischen Inhalten.

Die Deutsche Telekom etwa stellte gegenüber der Nachrichtenagentur AP klar, sie toleriere diskriminierende Handlungen oder Aussagen "absolut nicht", die Anzeigen seien nicht bewusst bei Breitbart geschaltet worden. Ähnlich reagierten auch Rewe, Vapiano, Braun, Media-Markt und andere Werbungtreibende. Bereits vor gut einer Woche hatte der US-Lebensmittelhersteller Kellogg's bekanntgegeben, keine Banner mehr auf Breitbart zu schalten - woaraufhin die Plattform öffentlich zum Boykott der Marke aufrief, der Hashtag #DumpKelloggs machte die Runde.

Ins Leben gerufen hat die #KeinGeldfürRechts-Kampagne Gerald Hensel, Executive Strategy Consultant bei der Agentur Scholz & Friends in Berlin - privat und ohne Zutun seines Arbeitgebers. Die Aktion findet aber auch negatives Echo: Der Publizist Henryk M. Broder griff Hensel in einem Beitrag auf dem Meinungsblog "Die Achse des Guten" scharf an. Grund: Hensel hatte das Portal auf seinem persönlichen Blog "Davai Davai" in einem Atemzug mit Breitbart genannt. Dies seien zweifellos legale Medien, so Hensel. "Dennoch kann man Marken natürlich mal fragen, ob sie in der vollautomatisierten RTA-Mediabuchungswelt wissen, dass ihre Banner auf entsprechenden Seiten stehen und dort ihre Marke repräsentieren." Broder sieht darin einen "Boykottaufruf mit dem Ziel, Achgut.com zu schaden".

Die Auseinandersetzung zwischen Hensel und Broder erfasst inzwischen auch Scholz & Friends. Denn am Schluss seines Beitrags schreibt Broder: "'Scholz & Friends' ist eine renommierte Agentur. Sie arbeitet unter anderem für die Bundesregierung und die EU-Kommission. Gerald Hensel arbeitet für 'Scholz & Friends'. Das eine hat mit dem anderen nichts zu tun." Seitdem wird die Agentur auf Facebook mit wütenden Kommentaren bombardiert und mit hunderten negativen Bewertungen bedacht, Kunden der Agentur werden zudem augefordert, nicht mehr mit S&F zusammenzuarbeiten. Am 8. Dezember reagierte die Agentur und veröffentlichte auf ihrer Facebook-Seite eine erste Stellungnahme (siehe oben).

Allerdings erfahren Hensel und Scholz & Friends auch viel Unterstützung: Auf Facebook erklären sich dutzende Nutzer solidarisch mit der Agentur und Hensel, darunter zahlreiche Kollegen aus der Werbebranche. fam/ire
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