Karstadt-Ausverkauf geht in die nächste Runde Die lange To-do-Liste eines neuen Eigentümers

Freitag, 11. Juli 2014
Die Zukunft von Karstadt ist weiter ungewiss (Bild: Unternehmen)
Die Zukunft von Karstadt ist weiter ungewiss (Bild: Unternehmen)


Der Kaufhaus-Konzern Karstadt kommt nicht zur Ruhe. Gerade erst verließ Geschäftsführerin Eva-Lotta Sjöstedt ihren Posten, jetzt meldet die "Bild"-Zeitung, dass Karstadt ein weiteres Mal verkauft werden soll. Käufer soll die Signa Holding des österreichischen Investors René Benko sein, der schon die Mehrheit an Karstadt Sports und den Karstadt Luxushäusern übernahm. Für die Zukunft der Marke und die Mitarbeiter des Unternehmens sind das keine gute Nachrichten.
Man könnte es schon fast als kleinen Trost sehen. Sollte der Deal tatsächlich wie von "Bild" gemeldet zustande kommen, würde zumindest der nominelle Wert der verbleibenden Warenhäuser steigen. Der Preis soll erneut bei einem symbolischen Euro liegen. Soviel hatte der damals als "Karstadt-Retter" gefeierte Nicolas Berggruen schon 2009 gezahlt - damals beinhaltete das Paket allerdings noch das profitable Karstadt Sports und die Luxus-Kaufhäuser.

Eva-Lotta Sjöstedt warf bei Karstadt das Handtuch (Bild: Stephan Pick)
Eva-Lotta Sjöstedt warf bei Karstadt das Handtuch (Bild: Stephan Pick)
Berggruen fand allerdings keine geschäftliche Strategie, um die regulären Kaufhäuser wieder in die schwarzen Zahlen zurückzuführen. Den Kurs der im Februar angetretenen ehemaligen Ikea-Managerin Sjöstedt, der unter anderem weitere Investitionen zum Ausbau der Onlinepräsenz bedingt hätte, wollte Berggruen offensichtlich nicht mehr finanzieren.

In jedem Fall hätte Karstadt auch seine Werbeinvestitionen wieder steigern müssen, um in der Öffentlichkeit das Image des Krisenkonzerns abzuschütteln und Neukunden anzulocken. Laut Nielsen hatte das Unternehmen 2013 seine Werbeausgaben mit 18,8 Millionen Euro fast verdoppelt. Grund dafür war vor allem die erste größere TV-Kampagne seit Jahren und eine Ausweitung der Printwerbung. Damit liegt der Werbeetat allerdings immer noch bei der Hälfte der Werbeausgaben von 2008, bevor Karstadt offiziell zum Sanierungsfall wurde. Die kommunikative Magerkost bleibt nicht ohne Folgen für die Stärke der Marke. Im Ranking der Handelsmarken von Batten & Company verliert Karstadt 17 Plätze und landet auf Rang 25.

Die To-do-Liste des potenziellen neuen Mehrheitsgesellschafters wäre also lang. Eine Zusammenführung der einzelnen Karstadt-Bereiche unter dem Dach der Signa-Holding würde zumindest theoretisch Synergien für die Gesamt-Marke versprechen. Allerdings basiert das Geschäftsmodell der Signa Holding vor allem darin, attraktive Immobilien in Spitzenlagen zu akquirieren. Bei den Karstadt-Kaufhäusern hat sich allerdings schon gezeigt, dass die unternehmerischen Probleme, sich nicht durch eine Renovierung lösen lassen. Berggruen selbst hatte eingeräumt, dass die renovierten Häuser nicht profitabler laufen als die unveränderten Standorte. Ob Signa aber die Geduld für eine langfristige Unternehmensrettung im margenschwachen Einzelhandel hat, scheint zumindest zweifelhaft. cam
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