Kampf mit harten Bandagen Nespressos neue Maschinen machen Kapsel-Klone kaputt

Mittwoch, 04. Dezember 2013
Der neue Mechanismus kommt bereits in einigen Modellen der U-Serie zum Einsatz
Der neue Mechanismus kommt bereits in einigen Modellen der U-Serie zum Einsatz


"Wenn wir hier schon nicht gewinnen, treten wir ihnen wenigstens den Rasen kaputt." An diesen Fußball-Spruch erinnern die aktuellen Nestlé-Schlagzeilen. Im Kampf um Marktanteile im lukrativen Geschäft mit Kaffeekapseln hat sich der Konzern für sein Nobelsystem Nespresso etwas einfallen lassen: bei den neuesten Maschinen wurde der Anstech-Mechanismus offenbar so verändert, dass zahlreiche Kapsel-Klone nicht mehr richtig funktionieren. Im schlimmsten Fall können sie sogar die Maschinen kaputt machen, wie Recherchen der Schweizer Zeitung "Sonntags Blick" gezeigt haben.
Was in der Sache nachvollziehbar ist - Nespresso will seine Marke und Einnahmen schützen -, lässt den Marktführer dennoch irgendwie als Unsympath da stehen: die neueste Generation der Modelle U, Pixie und Inissia arbeitet so, dass viele Kapseln der Konkurrenz nicht mehr funktionieren. Der Sonntagsableger des Schweizer Boulevardblattes "Blick" hat das Modell Inissia getestet, das kürzlich in Italien lanciert wurde und im Frühjahr 2014 auf den Schweizer Markt kommen soll. Die Beobachtung: Die Nadel ist so fein, dass sie die dünne Alu-Haut der Original-Nespresso-Kapseln präzise durchsticht, an den Kunststoffkapseln der Konkurrenz aber scheitert. Im Extremfall würde die Kapsel nur zerquetscht statt angestochen, das Ergebnis ist eine wässrige Brühe und im schlimmsten Fall ein Abstumpfen der Nadel.

Nespresso bestätigte auf Anfrage, dass seit Juli bei bei den entsprechenden Serien neue "Injektoren" im Einsatz seien, "um das Anstechen der Kapseln zu verbessern und so die perfekte Kaffee-Extraktion zu sichern" - heißt es offiziell. Die Inissia-Serie wird hierzulande bislang nicht verkauft. Inwiefern bereits aktuelle, in Deutschland erhältliche Maschinen der U- und Pixie-Serie mit dem neuen Mechanismus versehen sind, ist unklar. So oder so: Nespresso will die neue Technologie sukzessive auch auf die anderen Serien übertragen.

Nestlé setzt sich damit gegen die zunehmenden Konkurrenten zur Wehr, die ihre Kapseln offensiv als Nespresso-Maschinen geeignet anpreisen. Nach einem entsprechenden Gerichtsurteil im Frühjahr lancierten erstmals auch Markenhersteller wie Douwe Egberts (Senseo) und Mondelez (Jacobs) Nespresso-kompatible Kapseln. Beide begleiten die Markteinführung mit reichlich Werbepower. Nespresso hatte seinerseits den Werbeetat kräftig angehoben, wie die Nielsen-Zahlen zeigen. Mondelez kündigte gegenüber dem "Sonntags Blick" an, der Thematik intensiv nachzugehen. Das Thema dürfte nicht nur bei der Konkurrenz, sondern auch beim Handel für Vestimmungen sorgen. Viele Händler listen die Marken-Alternativen bereits. Spannend ist auch, wie sensibel Nespresso-Kunden auf den Vorstoß reagieren. mh
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