KKR vor Einstieg bei GfK "Es ist genügend Wachstumsphantasie da"

Freitag, 09. Dezember 2016
Gerhard Hausruckinger, Sprecher des Vorstands der GfK
Gerhard Hausruckinger, Sprecher des Vorstands der GfK
Foto: GfK
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Mit einem Kurssprung um rund 30 Prozent reagierte die Börse auf die Information, dass die Beteiligungsgesellschaft KKR sich am Marktforscher GfK beteiligen will. KKR geht von einer Mindestannahmequote von 18,54 Prozent aus, das würde eine Investitionssumme von mindestens 294 Millionen Euro bedeuten. 
In einer Telefonkonferenz teilte Gerhard Hausruckinger, Sprecher des Vorstands der GfK, mit, die Erfahrungen, die KKR mit Investitionen in Unternehmen der Branche sammeln konnte, habe den Ausschlag für die Wahl von KKR als Investor gegeben. So habe KKR zwischen den Jahren 2006 bis zum April 2015 eine Beteiligung an Nielsen gehalten und das Fortkommen des Unternehmens unterstützt. Auch die Beteiligung am TV-Konzern Pro Sieben Sat 1 nennt Hausruckinger als gelungenes Beispiel. Laut "Der Spiegel" hat KKR/Permira eine halbe Milliarde Euro an dem Deal verdient.  Offen ließ Hausruckinger, ob KKR sich zu einer Investition in das Unternehmen bereit erklärt habe oder ob eine Kapitalerhöhung geplant sei. Er verwies dabei auf die Vereinbarung zwischen dem Haupteigner, dem GfK-Verein (56,46 Prozent) und KKR. Es gäbe noch keine konkreten Pläne. Das Unternehmen habe eine sehr gute Kapitalisierung und geringe Verschuldung sowie Zugang zu einer Kreditfazilität von knapp 200 Millionen Euro, die noch nicht ausgenutzt sei. "Es gibt über eine Kapitalerhöhung hinaus, eine Menge Möglichkeiten Wachstum zu generieren", sagt Hausruckinger. 

Ob nach erfolgreicher Übernahme der öffentlich gehandelten Aktien ein Squeeze Out, also eine Zwangsübernahme der Aktien verbliebener Aktionäre, und ein Delisting von der Börse geplant sei, wollte er nicht beantworten. Der Vorstandssprecher der GfK verspricht sich eventuelle strategische Partnerschaften mit anderen Beteiligungen von KKR sowie möglicherweise Zugang zu neuen Partnern aus den „Hotspots für Digitalisierung“ dieser Welt.

Besonderes Potenzial der GfK sieht er in dem Bereich Consumer Choices und dem Retail Panel. Der Zugang zu den Daten soll vereinfacht und deutlich beschleunigt werden. Gemeinsam mit KKR sollen solche Tools besser weltweit ausgerollt werden. Das betrifft auch den Bereich Media Measurement mit dem GfK-Crossmedialink, das derzeit in neun Ländern angeboten wird. Dieses Engagement soll auf 20 bis 25 Länder ausgeweitet werden. 

Hausruckingers Hoffnung liegt auch auf Panel, die passive Verhaltensdaten enthalten. So erwähnt er den Kauf von Netquest Anfang des Jahres, einem Online Panel, das Medienkonsum und Online-Einkauf miteinander verbindet. Konsumenten-Panel sollen von derzeit 20 Ländern mit Unterstützung von KKR weltweit ausgerollt werden. "Bei der GfK ist genügend Wachstumsphantasie da", so der Vorstandssprecher. 

Wann der interimistische Vorstandssprecher Hausruckinger von einem neuen Vorstandsvorsitzenden ersetzt wird, sei ebenfalls noch offen. Die Suche und das Auswahlverfahren seien noch im Gange. Im August wurde bekannt, dass Vorstand Matthias Hartmann und Aufsichtsratsvorsitzender Arno Mahlert das Unternehmen verlassen. Es musste die vierte Gewinnwarnung in Folge ausgesprochen werden. Damals gab es bereits Spekulationen um einen Verkauf des Unternehmens, die der GfK-Verein jedoch vehement negierte. Auch der Geschäftsbericht nach neun Monaten zeigte wieder einen Umsatzrückgang, allerdings eine Verbesserung des Cashflow. hed


Dieser Artikel erschien zuerst bei planung&analyse
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