Jung von Matt Kampagne So buhlt 1&1 um Geschäftskunden von Telekom & Co

Donnerstag, 21. Juli 2016
1&1 buhlt um Firmenkunden
1&1 buhlt um Firmenkunden
Foto: 1&1

Im vergangenen Jahr zog 1&1 die Deutsche Telekom über Monate mit fiesen TV-Spots durch den Kakao. Auslöser des Werbekriegs war ein Netz-Test von "Connect", bei dem 1&1 in einer Kategorie vor dem Platzhirsch aus Bonn lag. Da der magenta Riese in der jüngsten "Connect"-Rangliste wieder an 1&1 vorbeigezogen ist, hat sich das Thema für die 1&1-Werbung freilich erst mal erledigt. Das heißt aber nicht, dass die United-Internet-Tochter der Telekom nicht weiter auf den Füßen steht. In seinem neuen TV-Spot wirbt 1&1 erstmals kräftig um Geschäftskunden - eine Klientel, die normalerweise auf der Kundenliste des ehemaligen Staatskonzerns steht.
Der von Jung von Matt/Elbe entwickelte und von Rabbicorn Films produzierte 30-Sekünder spielt wie der Netz-Spot aus dem vergangenen Jahr mit dem Überraschungseffekt. "Wer verbindet schon heute 250 deutsche Städte mit ultraschneller Glasfaser? Wer bietet in modernsten Rechenzentren tausenden Cloudservern ein sicheres Zuhause? Wer beschäftigt 8000 Mitarbeiter und macht Millionen Firmenkunden erfolgreich?", fragt ein Sprecher aus dem Off die Zuschauer, die angesichts der pompösen Bilder wohl eher an einen weltweiten Großkonzern als an eine Firma aus dem beschaulichen Montabaur denken dürften. Dass es sich bei dem Anbieter tatsächlich um 1&1 handelt, verrät das aus früheren Spots bekannte Testimonial der United-Internet-Tochter dann am Ende des Spots.  Für 1&1 ist die Kampagne etwas Besonderes. Bislang hatte die Firma lediglich im Hosting-Geschäft um Geschäftskunden geworben. Mit dem neuen Auftritt spricht die Marke nun auch erstmals im Festnetzgeschäft im großen Stil kleine und mittelständische Unternehmen an. Der Werbedruck kann sich sehen lassen. Nach Informationen von HORIZONT Online ist der Etat vergleichbar mit den Endkundenkampagnen des Unternehmens, etwa den Kampagnen für Mobilfunk-Allnet-Flats. Neben dem TV-Spot, der noch mehrere Wochen auf reichweitenstarken Privatsendern wie RTL, Pro Sieben, Sat 1 und Vox läuft, kommen Printanzeigen und Onlinewerbung zum Einsatz. 

1&1-Siegergala2015
Bild: Unternehmen

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1&1 ist optimistisch, mit dem Angebot bei der Zielgruppe der kleinen und mittelständischen Unternehmen punkten zu können. Ein Grund dafür ist, dass das Unternehmen mit "1&1 Glasfaser Direkt" nach eigenen Angaben das erste Standardprodukt einführt, das Unternehmen quasi von der Stange kaufen können. Dass 1&1 überhaupt ein solches Produkt anbieten kann, hat mit der 2014 erfolgten Übernahme von Versatel zu tun. Der auf Firmenkunden spezialisierte Telekommunikationsanbieter, der nach eigenen Angaben über das zweitgrößte Glasfasernetz Deutschlands mit einer Gesamtlänge von rund 50.000 Kilometern verfügt und damit in diesem Segment einer der wenigen Wettbewerber der Telekom ist, wurde gerade erst integriert und in 1&1 Versatel umbenannt. 

Ein weiterer Grund ist, dass 1&1 Geschäftskunden mit echten Kampfpreisen lockt. Ein Glasfaseranschluss mit einer garantierten Bandbreite von 1GBit pro Sekunde ist ab 199 Euro erhältlich. "Bei vergleichbaren Angeboten kann schon mal ein vierstelliger Eurobetrag fällig werden", erklärt ein 1&1-Sprecher gegenüber HORIZONT Online. Die Messlatte liegt jedenfalls hoch. Jürgen Hernichel, Vorsitzender der Geschäftsführung von 1&1 Versatel, will sein Unternehmen mit dem neuen Gigabit-Angebot für kleine und mittlere Unternehmen als "Treiber der Gigabit-Gesellschaft" positionieren. Der große Wettbewerber aus Bonn dürfte die nächsten Schritte von 1&1 genau beobachten. mas
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