Wirtschaftsprüfung Wie Pricewaterhouse Coopers für die Digitalberatung aufrüstet

Freitag, 21. April 2017
Die PwC-Manager Harald Kayser und Joachim Müller rüsten auf in Sachen digitaler Transformation
Die PwC-Manager Harald Kayser und Joachim Müller rüsten auf in Sachen digitaler Transformation
Foto: PwC

Sie gehören zu den Big Four der Wirtschaftsprüfung, dennoch drängt auch PricewaterhouseCoopers (PwC) wie sein Konkurrent Deloitte zunehmend in den Bereich Digitalberatung. Im Interview mit HORIZONT Online erklären Harald Kayser, Chief Operating Officer PwC Europe & Chief Digital Officer PwC Germany, und Joachim Müller, Director Experience Center & Business IT, wie PwC für diese Erweiterung seiner Geschäftsbereiche aufgestellt ist.

250 Millionen Euro will PwC in den kommenden fünf Jahren in die Digitalisierung stecken. Das Geld soll sowohl in den Ausbau der Beratungskompetenz bei Mandanten als auch in die eigene Digitalisierung fließen. 5 Millionen ließ sich die Digital-Unit sein neues Experience Center in Frankfurt kosten. Zahlreiche Zukäufe, wie die Strategieberatung Booz & Company (heute: Strategy &), die IT-Beratungen Outbox und Cundus sowie Persicon, ein Anbieter für Datensicherheit, machten den Prüfgiganten fit vor allen Dingen in Sachen Beratung und Technologie.

Die Marschrichtung ist klar: Es geht um das große Ganze. Die immer wieder aufkehrende Fragestellungen: Was bedeutet Digitalisierung für die Art wie ich meine Geschäfte betreiben? Welche Geschäftsfelder sind von der Digitalisierung betroffen? In welchem Bereich müssen Prozesse und Produkte umgestellt werden? "Unternehmen wollen gerade bei diesem Thema, das sehr viele Facetten hat und sich in alle Geschäftsbereiche erstrecken kann, eine Umsetzung aus einer Hand. Bei uns gibt es das", ist Kayser überzeugt.

Zumindest die Zahlen geben ihm Recht. Im Geschäftsjahr 2016 ist PwC um knapp 16 Prozent auf 1,9 Milliarden Euro gewachsen. Nach wie vor macht das klassische Wirtschaftsprüfungsgeschäft den größten Anteil am Umsatz von PwC aus, es ist um rund 7 Prozent (Vorjahr: 1,3 Prozent) auf 731 Millionen Euro gewachsen. Doch wo die Reise hingeht zeigen die Ergebnisse aus dem Beratungsgeschäft, das Wachstum dort betrug knapp 43 Prozent.
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Bild: PwC

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"Wir wissen wirklich, wie das funktioniert"

PwC ist als Big Four der Wirtschaftsprüfer gesetzt, wieso drängen sie jetzt auch zunehmend in den Bereich Digitalberatung?
Kayser:
Um eine Neuausrichtung handelt es sich nicht, natürlich waren wir immer schon beratend tätig. Neu hinzugekommen ist das Thema Strategieberatung, insbesondere durch die Akquisition von Booz & Company als Strategy&. Die Digitalisierung treibt alle großen Unternehmen am Markt um, nicht zuletzt unsere Mandanten. Wir sehen hier sehr großes Potenzial. Dahinter steht die Überlegung, dass die Unternehmen gerade bei diesem Thema, das sehr viele Facetten hat und sich in alle Geschäftsbereiche erstrecken kann, eine Umsetzung aus einer Hand wollen. Bei uns gibt es  Beratung von der Strategie bis zur Umsetzung  aus einer Hand. Wir sehen es als absolutes Alleinstellungsmerkmal am Markt, dass wir nicht nur umsetzen können, sondern auch den strategischen Part vorne wegnehmen können.

Warum glauben Sie dafür gut aufgestellt zu sein
Kayser: Wir bauen auf ein sehr starkes Fundament auf und haben auch eine entsprechende Glaubwürdigkeit im Markt. Dabei haben wir einen wesentlichen Vorteil, weil wir von der Businessseite kommen. Wir sind hervorragend vernetzt in der Deutschen Wirtschaft. Unsere jahrzehntelange Erfahrung als Wirtschaftsprüfer und Steuerberatungsgesellschaft hat uns tiefe Einblicke in Unternehmen gegeben. Es gibt eigentlich kein Problem, was nicht schon mal an uns herangetragen wurde. Wir verfügen über 185.000 Professionals, die interdisziplinär arbeiten und die über das PwC Netzwerk weltweit vernetzt. Dazu kommt: Es gibt kaum ein Geschäft, das so sehr von der digitalen Transformation betroffen ist wie eine klassischen Wirtschaftsprüfung und Steuerberatung, d.h. wir mussten und müssen uns immer noch ständig in einem völlig anderen Setup unserer traditionellen Dienstleistungen bewegen. Wir wissen wirklich, wie das funktioniert.

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Wie PwC sich in der Digtalberatung aufstellt, lesen Sie in HORIZONT-Ausgabe 17/2017 vom 20. April, die auch auf Tablets oder - nach einmaliger Registrierung - als E-Paper gelesen werden kann. Nicht-Abonnenten können hier ein HORIZONT-Abo abschließen.

Sie haben das PwC Experience Center ins Leben gerufen, wozu?
Müller: Digitalisierung ist so etwas wie Weltfrieden. Jeder findet es wichtig, aber keiner weiß, wie es geht. Wir haben bei PwC  festgestellt, dass unser Wissen zu sehr in Silos verschlossen war, und dass wir für die Fragen der Digitalisierung das Know-how all unserer Bereiche benötigen. Deswegen haben wir ein bereichsübergreifendes Kompetenzcenter  gebildet, das, unser Business Know-how um Technologie-Wissen anreichert und mit neuen agilen und nutzerzentrierten Methoden arbeitet, die man im Agenturgeschäft sicher kennt, die aber bei einem Riesenunternehmen wie PwC so bislang nicht eingesetzt worden sind. Dieser kombinierte methodische Ansatz ist etwas Neues. Wir haben keine Transferverluste, die früher dadurch entstanden sind, dass man eine Problemstellung von der einen in die andere Partnergruppe übertragen hat. Wir bringen alle Leute, die für eine Aufgabenstellung nötig sind, an einen Tisch, das macht uns schneller. "An einen Tisch" ist dabei durchaus wörtlich zu verstehen: Das Experience Center nutzt Räumlichkeiten, unter anderem mitten in unserem Headquarter in Frankfurt, die Methode und Kreativität fördern.

Agilität ist ja nun das, was man so großen Beratungsboliden am wenigsten zutraut...
Müller:
Unser Anspruch ist, dass wir im Extremfall auch innerhalb von 2 Tagen reagieren können. Das kommt natürlich auf das Problem an. Früher hat man 1 Jahr lang Strategieberatung gemacht, eine Lösung vorgeschlagen und dann war man aus dem Unternehmen raus, bevor es an die Umsetzung geht. Die Art und Weise wie wir Beratungsprojekte machen, hat sich nun völlig verändert. Das Wesentliche ist, dass wir sehr früh prototypisieren. Wir bringen alles, was wir tun immer in ein anfassbares Ergebnis, das auch getestet werden kann. Dadurch werden wir schneller. Das Thema Fehlertoleranz und der Umgang mit Fehlern ist ein weiterer Teil unseres kulturellen Wandels. Wenn ich bei einem Digitalisierungsprojekt erst eine einjährige Konzeptphase vorschalte, sind die Technologien, die wir dafür einplanen längst veraltet. Wir teilen die Aufgabenstellungen deshalb heute in kleinere Vorhaben auf, die 20.000 bis 30.000 Euro kosten statt große Millionenschwere Businesscases in einem abzuwickeln. Unser Anspruch ist nicht, ein fertiges Konzept zu basteln, wir arbeiten an einer schnellen Teillösung, erstellen einen Prototyp, Testen, wiederholen, bessern nach.
Plan.Net Chefs
Bild: Serviceplan

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Der Bereich Advisory ist bei PwC um 45 Prozent gewachsen, stärker als die Wirtschaftsberatung. Wie wichtig soll er werden?
Kayser: Unser Ziel ist, dass alle drei Bereiche Beratung, Wirtschaftsprüfung und Steuer gleich aufgestellt sind. In der Beratung sehen wir noch großes Potenzial.

Fürchten Sie dabei nicht die Konkurrenz von McKinsey & Co?
Kayser: Im Gegensatz zu den Strategieberatern, setzen wir unsere Beratungsergebnisse auch selbst um und haben dazu auch echtes Technologie-Know-how mit an Bord geholt. Und im Vergleich zu den anderen Big Four punkten wir mit echten Strategieberatern.

Sie haben in den letzten drei Jahren zahlreiche Unternehmensakquisitionen getätigt. Wollen Sie weiter zukaufen?
Kayser:
Wir halten nach weiteren Zukäufen Ausschau. Das muss aber auch passen. Wir holen uns Expertise deshalb auch über Kooperationen mit Start-ups, IT-Firmen oder Forschungsinstituten dazu. Dazu gehören auf der einen Seite Technologie- und Plattformpartner wie  Google, Salesforce, Microsoft und SAP. Für Data Analytics und Artificial Intelligence arbeiten wir mit dem Fraunhofer Institut zusammen.

Müller: Große Akquisitionen haben immer einen gewissen Aderlass. Aus meiner Perspektive ist es die schnellere Variante, das Know-how selber aufzubauen. Mittlerweile haben wir Präsenz, wir merken dass unser Arbeitsansatz, unsere Philosophie gut ankommt, gerade auch bei Mitarbeitern von klassischen Agenturen, von denen schon einige zu uns gewechselt haben.

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