Interview Stromberg-Macher Ralf Husmann: "Wir wollten Unabhängigkeit"

Freitag, 16. Januar 2015
Ralf Husmann erfand einst die Serien-Figur Bernd Stromberg fürs TV.
Ralf Husmann erfand einst die Serien-Figur Bernd Stromberg fürs TV.
Foto: Brainpool TV

Ralf Husmann, Autor und Produzent der Serien-Figur Stromberg, ist nun auch der Sprung in den Kinomarkt geglückt. Sein Film war hierzulande der erste Erfolgsbeleg für die Chancen von Crowdfunding im Filmgeschäft. Innerhalb von nur einer Woche sammelten die Macher von "Stromberg - Der Film" eine Million Euro über das Internet ein. Im HORIZONT-Interview spricht Husmann über seine Erfahrungen mit Crowdfunding.
Warum haben Sie sich bei "Stromberg - Der Film" für eine Teilfinanzierung durch Crowdfunding entschieden? Wenn sich große Verleiher an großen Kinofilmen beteiligen, wollen alle möglichen Menschen mitreden. Dann heißt es etwa, dass unbedingt Elyas M’Barek oder Til Schweiger mitspielen müssen. Wir waren aber mit unserer Lizenzproduktion im Fernsehen in der privilegierten Situation, dass wir relativ frei entscheiden konnten, wie wir den Stoff umsetzen möchten. Und genau diese Unabhängigkeit wollten wir auch in den Kinomarkt retten. Crowdfunding war dafür die richtige Entscheidung, weil die Menschen, die das Format schon seit zehn Jahren kennen, bereit sind, Geld dafür zu geben und mehr Vertrauen in uns haben als der klassische Verleih, der mit etwas anderen Kriterien an einen solchen Film herangeht. Waren Sie überrascht, dass das Finanzierungsziel von 1 Million Euro nach nur einer Woche schon erreicht wurde? Ja, total. Damit hatte absolut niemand gerechnet. Das war nicht einmal im optimistischsten Sinne so eingeplant. Wir hatten gedacht, dass wir das Projekt etwa zwei bis drei Monate laufen lassen und dann marketingtechnisch sicherlich nachlegen müssen.
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Wie sah dieser langfristige Marketingplan für den "Stromberg"-Film aus? Wir hatten uns eine grobe Marschrichtung überlegt, mit welchen Mitteln man das Projekt streuen kann. Dabei haben wir uns hauptsächlich auf Online fokussiert, indem wir etwa in der Anfangsphase einen viral gehenden Video-Aufruf mit Christoph Maria Herbst auf Facebook geladen haben. Das diente dazu, das Projekt erst mal in die Welt zu setzen. Christoph hat später auch noch bei TV Total auf den Film aufmerksam gemacht. So konnten wir den "Stromberg"-Sender Pro Sieben noch mit ins Spiel bringen. Dann folgten weitere kleine Filmchen mit Christoph und mir auf Facebook. Das hat schon gereicht, um das Crowdfunding-Projekt in Fahrt zu bringen.
„Stromberg war eine Marke mit Ausstrahlungskraft, die wesentlich zum Erfolg des Filmes und der Finanzierung beigetragen hat.“
Ralf Husmann
Sie selbst haben 1000 Euro investiert, also den Maximalbetrag. Sie schienen also von Beginn an überzeugt zu sein von Ihrem Projekt. Man geht ja nicht mit dem Hut herum und bettelt um Geld, sondern bietet den Menschen eine Investition an, die Gewinn abwerfen kann. Außerdem war ich von Beginn an überzeugt davon, dass man das Publikum auch mit einem Wechsel ins Kino aktiviert. Das beste Beispiel sind "Die Simpsons". Die Serie läuft ebenso wie "Stromberg" auf Pro Sieben, spricht eine relativ männliche und junge Zielgruppe an und verbucht täglich 1 Million Zuschauer. Der "Simpsons"-Kinofilm hat dann aber 4 Millionen erreicht. Es kann also durchaus klappen, Fernsehformate, die man schon lange kennt, ins Kino zu bringen und dabei mehr Menschen zu aktivieren als in der täglichen Ausstrahlung.
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Dennoch hätten Sie Ihren Film wohl auch ohne die Fans finanzieren können. Ist Crowdfunding also doch eher cleveres Marketing? Natürlich hätten wir den Film auch ohne die Crowd finanzieren können. Ich glaube allerdings, dass man den Marketingeffekt von Crowdfunding nicht überschätzen darf. Für mich war es vor allem ein wichtiges Einstiegskriterium. Wenn nämlich nach zwei Monaten nur 50.000 Euro eingegangen wären, wüsste ich, dass ich den Film gar nicht erst drehen brauche. Crowdfunding hat uns also gezeigt, dass Interesse vorhanden ist und die Leute das sehen wollen.

Was muss ein Projekt denn haben, damit es sich für Crowdfunding eignet?  Es muss vor allem eine sehr klare Botschaft haben. Dazu braucht man entweder einen bekannten Schauspieler oder ein bekanntes Buch beziehungsweise ein Format, auf dem der Film basiert. Die Zuschauer können damit sofort etwas anfangen, ohne sich langwierig in etwas vertiefen zu müssen. Das Projekt muss also sehr einfach und sehr klar in die Öffentlichkeit transportierbar sein. Denn wenn man erst mal drei Seiten lesen muss, um zu verstehen, um was es da geht, dann wird die Finanzierung relativ schwierig. Die Figur Stromberg hatte etwa eine langjährige und treue Zielgruppe. Sie war eine Marke mit Ausstrahlungskraft, die wesentlich zum Erfolg des Filmes und der Finanzierung beigetragen hat.

Interview: Giuseppe Rondinella
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