Internet of Things Mark Zuckerbergs überraschender Aufstieg zum Chef-Comedian von Facebook

Donnerstag, 05. Januar 2017
In Zuckerbergs Haus übernimmt die KI automatisch das Erkennen der Gäste an der Haustür
In Zuckerbergs Haus übernimmt die KI automatisch das Erkennen der Gäste an der Haustür
Foto: Facebook

Der Gründer des Social-Media-Marktführers ist notorisch schüchtern. Und trotzdem ist sich Mark Zuckerberg bei strategisch wichtigen Themen nicht zu schade, als Testimonial für sein Unternehmen aufzutreten – wie zum Jahreswechsel für Facebooks IoT-Kapazitäten. Zuckerberg wird dabei nicht nur zum Teil der Imageoffensive seines Unternehmens, sondern sendet unter den Gags des Videos versteckt auch ein klares Signal an die Wettbewerber: Im neuen Wachstumsmarkt der Künstlichen Intelligenz und des Internets der Dinge will Facebook ein großes Stück des zu verteilenden Kuchens.


Dass der Gründer der ultimativen globalen Kontaktplattform selbst so seine lieben Probleme bei der Interaktion mit Menschen hat, ist kein Geheimnis. So bewältigte Zuckerberg seine ersten großen Auftritte – inklusive aller „spontanen“ Scherze, indem er den geplanten Text zuvor auswendig lernte. Aber spätestens seit Zuckerberg im Februar 2016 auf dem Mobile World Congress in Barcelona als Gaststar auf dem Samsung-Unpacked-Event für Begeisterungsstürme sorgte, ist klar, dass der notorische T-Shirt-Fan als Testimonial zu wertvoll ist, um ihm das Rampenlicht zu ersparen. Dazu kommt, dass Facebook derzeit auch unverhüllt daran arbeitet, sein Image in der Öffentlichkeit zu verbessern. Seit Oktober läuft in Deutschland eine klassische Werbekampagne, mit der der Onlineriese die immer lauter gewordenen Sorgen zur Privatsphäre der Nutzer und der wachsenden Zahl von Hasskommentaren entkräften wollte. Die im Nachklang der US-Wahl aufgekommene Debatte über Fake-News hat Facebooks Imageproblematik sicher nicht kleiner werden lassen. Gesucht ist also eine Strategie, um das Unternehmen, das nicht zuletzt über seine Tochterfirmen Whatsapp und Instagram vielen als allgegenwärtige Datenkrake erscheint, wieder menschlicher zu machen. Die Lösung: Ein CEO, der sich auch für ein paar Scherze nicht zu schade ist.


So ist es zu erklären, dass Zuckerbergs Zwischenstandsbericht zur Entwicklung seines persönlichen, von der KI Jarvis gesteuerten Smart Homes nicht als nüchterne Unternehmenspräsentation, sondern in zwei launigen Videofilmen über den häuslichen Alltag der Familie Zuckerberg daherkommt. Schon der Comic-Serie Iron Man inspirierte KI-Name Jarvis und Morgan Freeman als Sprechstimme des Programms sind bewusstes Kalkül. Und dass Zuckerberg zuhause wirklich eine T-Shirt-Kanone hat, um das Anziehen zu erleichtern oder die Betreuung seiner Tochter dem Programm überlässt, mag man glauben oder nicht. Es sind zumindest unterhaltsame Details. Und Zuckerberg ist sichtlich um zusätzlichen Unterhaltungswert bemüht, indem er die Videos mit möglichst vielen Pointen anreichert.

Doch in dem Blogeintrag zu den Videoauftritten liefert Zuckerberg einige Einschätzungen, die klar signalisieren, dass sich der Facebook-CEO von der aktuellen KI-Konjunktur eine radikale Veränderung der User-Interaktion mit digitalen Angeboten erwartet: „Auf der psychologischen Ebene billigt man einem Computer mehr emotionale Tiefe bei einer Interaktion zu, sobald man mit ihm spricht und nicht einfach nur ein  textbasiertes oder graphisches Interface nutzt.“ Das suggeriert, dass Zuckerberg die sprachgetriebene Mensch-Maschine-Interaktion als einen wesentlichen Faktor für die Entwicklung des Internets sieht.


Aber es führt auch gleichzeitig nahtlos zu der Frage, welche Konsequenzen das für die künftige Entwicklung von Facebook hat, dessen wesentlicher USP die direkte Interaktion von Menschen mit Menschen ist. Zuckerberg macht in seinem Blog-Eintrag deutlich, dass das Unternehmen für die Antwort auf diese Frage noch ein bisschen Zeit hat. Schließlich gebe es derzeit noch Schwierigkeiten, eine Sprachsteuerung zu entwickeln, die sowohl über das Smartphone als auch über Raummikrofone wie Amazon Echo gleich gut funktionieren: „Diese Systeme sind spezialisierter als es den Anschein hat. Und das bedeutet, dass wir weiter von generell nutzbaren Systemen entfernt sind, als es möglicherweise scheint.“ Aber selbst wenn Zuckerberg mit dem großen KI-Big Bang nicht für 2017 rechnet, ist die Ansage seiner Familienvideos in Richtung Konkurrenz unmissverständlich. Facebook  will mit seinem Messenger nicht nur zum zentralen Kanal für Chatbots werden. Über seine KI-Forschung traut sich der Digitalriese auch beim Internet der Dinge eine Führungsrolle zu. cam

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