Internet-Holding Unister-Werbung liegt schon seit Mai auf Eis / Erste Tochter insolvent

Dienstag, 19. Juli 2016
Unister sorgt weiter für Schlagzeilen
Unister sorgt weiter für Schlagzeilen
Foto: Unister

Unister gerät immer weiter in den Abwärtsstrudel. Nach dem Unfalltod von Geschäftsführer Thomas Wagner und Gesellschafter Oliver Schilling sowie dem am Montag eingereichten Insolvenzantrag ist inzwischen auch das erste Tochterunternehmen zahlungsunfähig. Wie klamm Unister offenbar ist, lässt sich auch an den Werbeaktivitäten des Leipziger Unternehmens ablesen. Ein Blick in die Datenbank des Werbe-Trackingdienstes XAD zeigt, dass Unister bereits Anfang Mai sämtliche TV-Kampagnen gestoppt hat.
Es ist nicht lange her, da gehörte Unister noch zum erlauchten Kreis jener Unternehmen, die im deutschen Werbemarkt für Wachstumsimpulse sorgten. In den ersten acht Monaten des vergangenen Jahres etwa sorgte Unister mit einer Steigerung der Werbespendings um satte 142 Prozent auf 118,1 Millionen Euro für Schagzeilen. Kein anderes Unternehmen hatte in diesem Zeitraum seine Werbeinvestitionen so sehr gesteigert wie die Leipziger Firma, die mit der Hamburger Werbeagentur Grabarz & Partner zusammenarbeitet.
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Doch die Werbelaune ist Unister offenbar spätestens im Mai dieses Jahres vergangen. Die Recherche von HORIZONT Online auf XAD.de ergab, dass Unister mit dem am 8. Mai um 23:41 Uhr bei RTL ausgestrahlten TV-Spot für Ab-in-den-Urlaub.de letztmalig im deutschen Werbefernsehen präsent war. Danach waren weder Michael Ballack als ewiges Testimonial von Ab-in-den-Urlaub.de noch Rainer Calmund als Botschafter der Marke Fluege.de im TV zu sehen. 

Unister hat den Werbedruck offenbar schon seit Beginn des Jahres reduziert - zumindest im TV. Eine auf Listenpreisen basierende XAD-Auswertung zeigt, dass sich die Brutto-Spendings in diesem Jahr auf 19,34 Millionen Euro summieren. Im Vergleichszeitraum des Vorjahres hatte Unister laut XAD noch 86 Millionen Euro investiert. 

Lucas Flöther schließt Dominoeffekt nicht aus
Lucas Flöther schließt Dominoeffekt nicht aus (Bild: Flöther & Wissing)
Über die Gründe der Geldnot kann nur spekuliert werden. Medienberichte, denen zufolge Unister einen Kredit von Hanse Merkur über 50 Millionen Euro nicht mehr bedienen konnte, wollte ein Sprecher des Insolvenzverwalters Lucas Flöther auf Anfrage von HORIZONT Online nicht kommentieren. 

Flöther hält unterdessen eine Insolvenz von Unister-Tochterfírmen für möglich. "Es ist zumindest nicht auszuschließen, dass es da einen Ansteckungseffekt oder einen Dominoeffekt gibt. Das muss man jetzt prüfen", sagte der Anwalt dem MDR.

Update, Mittwoch, 07:05 Uhr: Inzwischen hat mit Urlaubstours die erste Unister-Tochter Insolvenz angemeldetmas

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