Instagram-Star Nois7 im Interview "Die Kennzeichnung werblicher Inhalte wirkt sich schnell negativ auf die Reichweite aus"

Montag, 13. November 2017
Mit seinem Account Nois7 erreicht Robert Jahns über 1,1 Millionen Follower
Mit seinem Account Nois7 erreicht Robert Jahns über 1,1 Millionen Follower
© Robert Jahns
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Robert Jahn Instagram Influencer


Bevor Robert Jahns aka Nois7 zu einem der reichweitenstärksten Künstler bei Instagram wurde, arbeitete er als Art Director in Agenturen – eine Zeit, die den Hamburger geprägt hat. Im Interview mit HORIZONT Online erzählt Jahns, wieso er immer noch jeden Kommentar unter seinen Bildern als Push auf das Handy bekommt, unter welchen Voraussetzungen er mit Marken zusammenarbeitet und wieso er bei der Kennzeichnung werblicher Inhalte oft unschlüssig ist.

Robert, du bist mit 1,1 Millionen Followern bei Instagram einer der reichweitenstärksten Akteure weltweit – siehst dich aber selbst nicht als Influencer, weil du das Wort für herabstufend hältst. Welche Bezeichnung wäre dir lieber?
Robert Jahns: Ich sehe mich persönlich als Künstler. Die Bezeichnung Influencer besitzt inzwischen häufig eine negative Konnotation. Natürlich habe ich durch meine Reichweite die Möglichkeit, viele Leute anzusprechen und auch Produkte an sie heranzutragen. Aber ich stehe für meine Bilder, für die Emotionen und Geschichten, die ich damit erzähle. Und nicht für plumpe Produktplatzierungen.

Die surrealen Bilder bestehen aus verschiedenen Bildelementen
Die surrealen Bilder bestehen aus verschiedenen Bildelementen (Bild: instagram.com/nois7)
Deine Bilder sind sehr ungewöhnlich, fast surreal. Wie entstehen sie? Sie bestehen aus vielen Bildelementen von bis zu 30 verschiedenen echten Fotos – ich verwende meine eigenen Fotos, kooperiere auch gerne mit anderen Fotografen oder verwende Stockbilder. In Photoshop und anderen Bearbeitungsprogrammen arbeite ich dann oft mit hunderten Ebenen und die größte Herausforderung ist es immer, dass am Ende ein neues realistisch aussehendes Bild entsteht.

Damit hebst du dich von den allermeisten Instagramern ab. Meinst du, dass dich Marken deshalb auch mehr wahrnehmen? Das glaube ich schon. Meine Bilder bleiben im Kopf, weil ich umsetze, was ich selbst im Kopf habe. Meine Fans möchten von den Motiven und den damit transportierten Geschichten inspiriert werden. Dieser Ausgangspunkt ist für mich bei Anfragen von Marken und Agenturen ganz essentiell. Zahlen, Reichweite oder Preis dürfen nie der erste Schritt sein. Denn plumpe, nicht authentische Produktplatzierungen würden mir negative Kommentare einbringen, Follower kosten und damit letztlich auch einer Marke schaden.
Pascal Wabnitz ist Gründer und Geschäftsführer des Influencer-Magazins Le Buzz
Bild: Le Buzz

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Sind sich Kunden und Agenturen dieser Gefahr denn in der Regel bewusst? Der Erfahrung nach muss man ihnen das leider erst erzählen. Für die meisten sind zunächst einmal die Zahlen wichtig: Kosten, Reichweite, Likes, Kommentare. Meiner Meinung nach sollte aber der Mensch, bzw. seine Arbeiten immer im Vordergrund stehen, erst beim zweiten Step kommen dann die Zahlen.
Dabei geht der Trend ja dahin, Influencer Marketing als Gattung automatisierbar, besser planbar und berechenbar zu machen. Zumindest versuchen das einige Agenturen. Das ist meiner Meinung nach genau die falsche Herangehensweise. Es gibt mittlerweile abertausende Influencer und fast ebenso viele Agenturen – meist wird dabei eine bereits fertig gedachte Kampagne einfach nur platziert. Das ist für manche Talente in Ordnung, aber ich würde mich so nicht genügend wertgeschätzt fühlen. Im Idealfall möchte jemand mit mir arbeiten, weil er meine Arbeit geil findet und sich ein besonderes Kunstwerk für seine Kampagne wünscht. Ich muss in der Kreation immer frei sein, aber achte bei einer Zusammenarbeit natürlich immer darauf, dass auch der Kunde mehr als zufrieden ist.

„Plumpe, nicht authentische Produktplatzierungen würden mir negative Kommentare einbringen, Follower kosten und damit letztlich auch einer Marke schaden.“
Robert Jahns
Wenn du mit Marken kooperierst, wie handhabst du das mit der Kennzeichnung werblicher Inhalte? Jedes Werk, das in kommerzieller Kooperation entsteht und bei Instagram veröffentlicht wird, mache ich auch als solches kenntlich. Es ist so, dass jeder Kunde eine andere Kennzeichnung bevorzugt. Die neuen Tools von Instagram (Anm. d. Red.: "Paid partnership with") geben einer Marke die Möglichkeit, die Statistiken eines Posts einzusehen. Da das Thema aktuell immer wichtiger wird, muss ich mich damit nun auch auseinandersetzen.

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Einen deiner Beiträge hast du etwa mit "in coorporation with @sonyxperiade" gekennzeichnet, bei einem anderen mit Erwähnung von @tuideutschland gibt es keine weitere Kennzeichnung. Ich weiß, dass sich eine solche Kennzeichnung schnell negativ auf die Reichweite auswirkt. Sobald die Leute sehen, da fließt Geld, ist das meist etwas negativ behaftet. Ich habe hier herumprobiert, welche Schreibweise für die Kampagne aber auch für mich am besten funktioniert. Ich denke man sollte dies für jede Kooperation in Absprache mit dem Kunden definieren. Oftmals ist es aber auch so, dass speziell für eine Kampagne eine bestimmte Kennzeichnung vorgeschrieben ist.

Aber bist du dir der aktuellen Diskussion über die Kennzeichnung werblicher Inhalte bewusst? Mir ist bewusst, dass bei einer bezahlten Kampagne der Inhalt als werblich gekennzeichnet werden muss. Dies muss laut neuem EU-Recht offensichtlich in der Bildbeschreibung passieren. Bei dem Thema Kennzeichnung werblicher Inhalte passiert aktuell in Europa sehr viel und jeder, der für seine Postings bezahlt wird, sollte darauf achten, dass er eben korrekt kennzeichnet, da ansonsten eine Abmahnung oder eben auch ein Bußgeld erhoben werden kann.

Du liest immer noch jeden Bildkommentar selbst und antwortest sehr häufig – und das bei 1,1 Millionen Abonnenten. Spürst du eine gewisse Verantwortung für die Community? Das, was ich erreicht habe, verdanke ich zu großen Teilen meinen Fans. Daher versuche ich, so viel es geht mit Ihnen in Kontakt zu sein. Meine Instagram-Karriere habe ich damals gestartet, um Feedback auf meine Arbeit zu bekommen. Das ist mir immer noch sehr wichtig und dafür bin ich sehr dankbar.

„Im Idealfall möchte jemand mit mir arbeiten, weil er meine Arbeit geil findet und sich ein besonderes Kunstwerk für seine Kampagne wünscht. “
Robert Jahns
Inzwischen hast du einen zweiten Kanal, auf dem du persönlichere Fotos aus deinem Leben postest. Bist du bei diesem Channel auch offen für Markenkooperationen? Die Richtung der beiden Accounts ist grundverschieden: Auf Nois7 präsentiere ich meine Werke und keine normalen Bilder. Da ich aber sehr viel reise, dabei viele Fotos mache und diese auch zeigen möchte, gibt es den zweiten Account LifeofNois7. Hier kann ich kleinere Kooperationen mit Hotelketten oder Reiseunternehmen realisieren, um letztlich die vielen Reisen für meine Kunst auf Nois7 zu finanzieren. Für mich ist das aktuell eine große Chance. 

Interview: Fabian Müller

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