Innovationstag 2013 Das Kommunikationszeitalter und die Dramentheorie

Mittwoch, 25. September 2013
Debra Bednar auf dem Innovationstag von Serviceplan
Debra Bednar auf dem Innovationstag von Serviceplan


Was hat "Romeo und Julia" mit der Art und Weise zu tun, wie wir heute kommunizieren? Eine ganze Menge, glaubt man Debra Bednar, Global Head of Strategy & Growth, Creative Solutions bei Facebook. Ihr Vortrag auf dem Innovationstag von Serviceplan war nicht nur eine Lehrstunde in Sachen Storytelling – sondern auch eine Nachhilfestunde in klassischer Dramentheorie. "Romeo und Julia" ist über 400 Jahre alt – und trotzdem hochaktuell. Das 1597 entstandene Stück des englischen Dramatikers Shakespeare gehorcht denselben Regeln, die auch heute noch die Zutaten für großartiges Storytelling sind: Konflikt, Spannungsaufbau, Katastrophe. Jedoch, so Bednar, habe die rasante technologische Entwicklung dafür gesorgt, dass die Kunst des Geschichtenerzählens heutzutage ein wenig verloren gegangen sei. Wer also wissen wolle, wie eine Geschichte funktioniere, müsse sich nur bei den Altmeistern umsehen – wie dem deutschen Schriftsteller Gustav Freytag, der einst das Aktschema des klassischen Dramas (Exposition, steigende Handlung, Höhe- und Wendepunkt, fallende Handlung, Lösung) definiert hatte. Auch "Romeo und Julia" ist nach diesen Prinzipien aufgebaut.

Freytags Dramentheorie bilde jedoch ebenso gut die Entwicklung ab, die unsere Art zu kommunizieren in den jüngeren Vergangenheit genommen habe. Die Exposition entspreche dem Zeitalter der traditionellen Medien, gefolgt von der Erfindung des Internets und dem Siegeszug der neuen Medien. Derzeit befänden wir uns am Wendepunkt des Kommunikationszeitalters, auf den eine neue Realität folge. Die Gegenwart wird bekanntlich geprägt von sozialen Plattformen wie Facebook oder Echtzeitmedien wie Twitter – deren Möglichkeiten auszuschöpfen, dem Konsumenten dort relevante Inhalte auszuliefern und ihm gleichzeitig eine eigene Stimme zu geben, sind für Bednar daher die entscheidenden Herausforderungen.

Was bedeutet das konkret? Guter Content müsse heute folgende Bedingungen erfüllen: Er findet im sozialen Kontext statt, ist einzigartig und vor allem „daumenfreundlich“, sodass er einfach auf mobilen Endgeräten konsumiert werden kann. Als ein Beispiel für eine gelungene Content-Strategie nannte Bednar den US-Kekshersteller Oreo, der sein hundertjähriges Jubiläum mit der Facebook-Aktion „Daily Twist“ beging. Dabei griff das Unternehmen aktuelle Ereignisse auf und setzte sie grafisch um – der Oreo-Keks stand dabei stets im Zentrum. Höhepunkt dieser Strategie war sicherlich der Tweet "You can still dunk in the dark" beim diesjährigen Super Bowl, als kurzzeitig der Strom im Stadion ausfiel.

Also alles neu durch Social Media? Mitnichten: "Der Mensch war immer ein soziales Wesen und wird es immer sein", so Bednar. Soziale Medien direkt änderten also nicht die Art, wie Menschen miteinander kommunizieren. "Aber sie helfen uns dabei." ire
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