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Mediakix ging mit "calibeachgirl310" auf Kundenfang
Screenshot instagram.com/calibeachgirl310

Influencer Marketing So einfach bekommen Fake-Accounts Werbeverträge

Mediakix ging mit "calibeachgirl310" auf Kundenfang
Influencer Marketing ist auf dem Weg vom Trend zum festen Instrument im Marketing-Mix. Allein in Deutschland haben einer Umfrage von Territory zufolge 68 Prozent der Marketingentscheider ein Budget für Influencer Marketing eingeplant. Doch wie das oft so ist mit Hypes: Die Hoffnung auf schnellen Erfolg öffnet dem Missbrauch Tür und Tor. Wie leicht es zum Beispiel ist, mit Fake-Accounts echte Abschlüsse zu erzielen, hat nun eine US-Agentur getestet.
von Ingo Rentz, Montag, 14. August 2017
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Screenshot Instagram.com/bonniestrange
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Mit Influencern zur Best-Case-Kampagne

    Reisen und Mode: Diese beiden Felder hat die ihrerseits auf Influencer Marketing spezialisierte Agentur Mediakix gewählt, um ihr Experiment durchzuführen. Zunächst setzte sie zwei Instagram-Accounts für fiktive Influencerinnen auf. "calibeachgirl310" ist ein typisches kalifornisches Mädchen, das sich cool, modisch und sportlich zeigt - und gerne auch mal leicht bekleidet. "wanderinggirl" hingegen ist Naturliebhaberin und glänzt mit atemberaubenden Aufnahmen von Städten und Landschaften.  Beide Profile wirken auf diese Weise wie die von typischen aufstrebenden Social-Media-Persönlichkeiten: Jung, gut aussehend, mit Blick fürs Motiv und einem Hang zur (Selbst)Darstellung. Befüllt wurden die Accounts übrigens mit gestellten Fotos im ersten Fall sowie allein mit lizenfreiem Agenturmaterial für das Wandermädchen.
    (Bild: Screenshot instagram.com/calibeachgirl310)
    Nur Content allein macht solche Profile aber noch nicht interessant für Werbepartner. Deswegen baute Mediakix die Reichweite für die beiden Fakes künstlich auf: Um sich nicht verdächtig zu machen, kaufte die Agentur nur rund 1.000 Follower am Tag für einen Preis von bis zu acht Dollar. Der Reise-Account kam auf diese Weise schnell auf 30.000 Follower, das Beachgirl brachte es sogar auf 50.000. Anschließend kaufte Mediakix auch noch Interaktionen ein - 12 Cent wurden je Kommentar fällig, 1.000 Likes kosteten zwischen vier und neun Dollar.

    Derart aufgehübscht, gingen die beiden "Influencerinnen" auf diversen Plattformen für Influencer Marketing auf Kundenfang. Das Ergebnis: Vier bezahlte Deals, je zwei pro Account. "calibeachgirl310" köderte einen Hersteller von Schwimmmode und eine einheimische Getränkefirma. "wanderinggirl" ergatterte Deals mit einem Hersteller alkoholischer Getränke - und mit dem gleichen Getränkehersteller wie auch ihre Fake-Kollegin. Die vereinbarte Entlohung umfasste Geld und Produkte bzw. beides gleichzeitig.
    (Bild: Screenshot instagram.com/wanderingggirl/)

    Was lernen wir daraus?

    Erstens, dass es einigen Firmen offensichtlich nur darum zu gehen scheint, beim Mega-Hype Influencer Marketing den Anschluss nicht zu verlieren. Da werden dann offenbar per Knopfdruck Werbebotschafterinnen eingekauft, von denen man nicht einmal weiß, ob es sie wirklich gibt. Hier entgegenzuwirken und beispielsweise Standards zu schaffen, die derartigem Missbrauch einen Riegel vorschieben, ist sicher eine große Aufgabe für die Branche.

    Zweitens: Wenn wir von Adfraud sprechen, ist in der Regel der maschinelle Traffic auf Display-Ads gemeint. Das Experiment von Mediakix zeigt, dass auch mit einer für Betrug vermeintlich weniger anfälligen Disziplin wie Influencer Marketing Schindluder betrieben werden kann. Schleichwerbung ist also offenbar noch lange nicht das einzige Problem beim Influencer Marketing.
    Christiane Schulz, CEO Weber Shandwick Deutschland
    Bild: Weber Shandwick Deutschland

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    Drittens: Das Experiment ist natürlich auch ein guter Case in Sachen Eigenwerbung. Mediakix ist selbst ein Dienstleister für Influencer Marketing und zeigt potenziellen Kunden: Seht her, wir wissen, worauf es zu achten gilt. ire
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