Imageschaden nach #Dieselgate Volkswagen kommt mit blauem Auge davon

Dienstag, 20. Oktober 2015
Der VW-Konzern stellt sich strukturell und personell neu auf
Der VW-Konzern stellt sich strukturell und personell neu auf
Foto: Foto: Volkswagen Aktiengesellschaft
Themenseiten zu diesem Artikel:

Volkswagen VW Imageschaden Abgasskandal Felix Stöckle


Der Skandal um manipulierte Abgaswerte wird Volkswagen teuer zu stehen kommen. Allein die milliardenschweren Strafzahlungen werden den Konzern über Jahre belasten. Ob der Autobauer aber tatsächlich einen dauerhaften Vertrauensverlust erleiden wird und ob infolge dessen weniger Autos der Marke verkauft werden, ist dagegen alles andere als sicher. Das jedenfalls ist das Ergebnis einer repräsentativen Umfrage der Unternehmensberatung Prophet.

Das wird man bei Volkswagen gerne hören: Laut der repräsentativen Umfrage, die der Berliner Unternehmensberater Prophet Anfang Oktober unter 1000 Deutschen durchführten, bleibt die Marke VW trotz des jüngsten Skandals um manipulierte Abgaswerte in Deutschland für Kunden attraktiv. Laut Studie sind immerhin 65 Prozent der Befragten der Meinung, dass Volkswagen nach wie vor hervorragende Autos baut. Und 74 Prozent der Interviewten können sich sogar vorstellen, einen VW zu kaufen, wenn ihnen Auto und Angebot zusagen. Die Umfrage offenbart zudem, dass sich die Deutschen kein allzu gutes Langzeitgedächtnis zutrauen. Der Skandal sei bald vergessen, in einem Jahr rede niemand mehr über manipulierte Dieselmotoren, meinen rund zwei Drittel der Befragten.

„VW hat bei den Menschen über die Jahre ein hohes Markenguthaben aufgebaut. Dies wird durch den Abgas-Skandal nicht gleich auf einen Schlag aufgebraucht", sagt Prophet-Partner Felix Stöckle. Es finde zwar ein Vertrauensverlust statt, aber dieses Vertrauen lasse sich auch wieder zurückgewinnen, so Stöckle weiter. 

Befürchtungen, der Skandal könne über Volkswagen hinaus die Wirtschaft insgesamt treffen, werden von der Umfrage eher gestützt. Das trifft vor allem auf die Automobilbranche zu. Die große Mehrheit von 91 Prozent der Befragten glaubt, dass der Abgasskandal wahrscheinlich kein Einzelfall ist - und dass andere Autohersteller Verbrauchswerte ebenso manipulieren. VW sei nur der erste bekannt gewordene Fall, dem weitere folgen könnten.

Das Ansehen von Deutschland als Exportnation wird aus Sicht der Befragten ebenfalls unter #Dieselgate leiden. Allerdings glaubt die Mehrheit von 60 Prozent, dass der Schaden für die Marke "Made in Germany" nicht langfristig ausfallen wird. Nur 9 Prozent gehen fest davon aus, dass das Ansehen Deutschlands dauerhaft beschädigt bleibt.

Für Volkswagen bringt der Abgasskandal nicht nur Schlechtes mit sich. Aus Sicht von Prophet-Partner Stöckle sollte der Konzern d
ie aktuelle Krise nutzen, um einen glaubhaften Wandel der Unternehmenskultur einzuleiten: "VW hat jetzt die Chance ein wirklich kundenfokussierter Konzern zu werden und die hierarchischen Strukturen, die durch Unterwürfigkeit geprägt waren, zu überwinden." Als große Gefahr seien aber die möglichen Milliarden-Strafzahlungen einzuschätzen. "Das größte Problem der Rückrufkosten und Strafzahlungen ist, dass sie direkt auf das Forschungsbudget durchschlagen und VW somit Gefahr läuft, in einer Zeit, in der neue Kerntechnologien gefragt sind, gegenüber wichtigen Konkurrenten an Wettbewerbskraft einzubüßen." mas

Meist gelesen
stats