Ikea Wie der schwedische Möbelhersteller ein Lebensgefühl im Katalog verkauft

Freitag, 19. August 2016
In dem neuen Katalog geht es um mehr Freiheit in der Küche
In dem neuen Katalog geht es um mehr Freiheit in der Küche
Foto: Ikea

Alle Jahre wieder liefert Ikea mit seinem Katalog ein Brett, dass Skeptiker der Printmedien zum Staunen bringt. Und mit dem Band für 2017 zeigt die Marke erneut, welche Macht das gedruckte Wort auch heute noch haben kann. Denn der in Deutschland mit einer Auflage von 30 Millionen Exemplaren verbreitete Katalog ist längst mehr als nur eine Zusammenfassung des Ikea-Sortiments, sondern vor allem eine Kommunikationsplattform, mit der die Marke vielversprechende Wohntrends gesellschaftsfähig machen will.
Diese Doppelstrategie war nirgends so offensichtlich sichtbar, wie auf der Katalog-Premiere in Hamburg, wo Ikea in einem eigenen Pop-Up-Store zunächst den eigenen Mitarbeitern und dann ausgewählten Mitgliedern des Ikea-Family-Kundenprogramms die Philosophie hinter dem Katalog präsentierte. Die zentrale Botschaft dabei: In der Küche soll man künftig Regeln und Rezepte über Bord werfen und stattdessen den eigenen Weg gehen. Und niemand verkörpert diese Haltung so gut wie Deutschland-Geschäftsführer Peter Betzel der selbst von sich sagt: "Ich bin nicht der perfekte Koch". Trotzdem probiere er sich gerne als Grillmeister aus: "Auch wenn wir manchmal am Ende dann doch Pizza bestellen mussten."
In Hamburg feierte Ikea die Premiere des Katalogs
In Hamburg feierte Ikea die Premiere des Katalogs (Bild: Ikea)
Dieser Grundgedanke prägt schon den globalen Auftaktspot "Let's Relax", der den weltweiten Trend der Food-Selfies parodiert, und er zieht sich auch thematisch durch den Ikea Katalog 2017. Auf 332 Seiten versucht Ikea Inspirationen zu liefern, wie man sich von den Erwartungen lösen und neue Ideen rund um den Küchenalltag und den Essplatz erproben kann. Dabei geht es nicht um das perfekt angerichtete Essen oder den festlich gedeckten Tisch. Dazu gibt es 13 Reportagen, wie etwa die Geschichte des als WG-Koch bekannt gewordenen New Yorkers Jonah Reider, der seine Gerichte ohne Regeln und Rezepte zubereitet.
Ikeas Kommunikationsidee dahinter ist letztlich, den Abverkaufseffekt über Bande zu spielen. Indem das Unternehmen die Küche als raumgewordenes Lebensgefühl der Konsumenten inszeniert, liefert es seinen Kunden neue Gründe, um in die optimale Gestaltung zu investieren. Dabei wird der gedruckte Katalog auch in Zukunft unverzichtbar sein, sagt Geschäftsführer Betzel: "Es gibt ja viele, die heute fragen, ob man wirklich noch ein Buch, eine Zeitschrift oder einen Ikea-Katalog braucht. Aber ich bin überzeugt, das unser Katalog ideal ist, weil man sich mit ihm ganz entspannt hinsetzen und die Inhalte genießen kann."

Das heißt allerdings nicht, dass Ikea auf die digitale Vernetzung des Printprodukts verzichten würde. Neben der Print- und Online-Version gibt es dieses Jahr eine neu designte Ikea Katalog App, die auch auf dem Apple TV der vierten Generation läuft. Dank der 360-Grad-Ansichten von Räumen in Virtual Reality und der Augmented-Reality-Funktion kann man Ikea Produkte in seinem Zuhause interaktiv ausprobieren. Darüber hinaus bietet der Katalog weiteres Bild- und Videomaterial. Der Ikea Katalog wird ab dem 22. August 2016 an die Haushalte verteilt, die App ist vier Tage später verfügbar. cam
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