Hunde willkommen Ein Media-Markt-Aufsteller wird viral - und sorgt für Unmut

Dienstag, 07. Juli 2015
Der Media-Markt-Aufsteller und der Tasso-Vordruck haben exakt den gleichen Text
Der Media-Markt-Aufsteller und der Tasso-Vordruck haben exakt den gleichen Text
Foto: Screenshot Facebook.com / Lutz Thümmel
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Media-Markt Facebook Anne Wünsche Vier Pfoten


Juli 2015. Deutschland wird von einer beispiellosen Hitzewelle überrollt, die mancherorts sogar den Rekordsommer von 2003 in den Schatten stellt. Auch für Hunde eine Qual - vor allem, wenn die Besitzer einkaufen und den Fiffi im Auto zurücklassen. Eine Media-Markt-Filiale forderte Hundebesitzer daher explizit auf, ihre Vierbeiner mit in den Laden zu bringen - und wird dafür im Netz gefeiert. Beim Tierschutzverein Tasso sind sie darüber allerdings gar nicht so glücklich.
Großen Anteil daran hat die Laienschauspielerin Anne Wünsche. Die Darstellerin der RTL2-Soap "Berlin Tag & Nacht" postete am 2. Juli auf ihrer Facebook-Seite ein Foto, auf dem ein Aufsteller vor einer Media-Markt-Filiale zu sehen ist. "Liebe Kunden", heißt es darauf, "gerade bei den derzeitigen Temperaturen ist es für Hunde im heißen Auto, auch bei teilweise geöffnetem Fenster, unerträglich, sogar lebensgefährlich. Daher sind Hunde bei uns bei heißen Temperaturen willkommen."

Mega geile Aktion!!!

Posted by Anne Wünsche on Donnerstag, 2. Juli 2015
Wünsches Post verfehlte seine Wirkung nicht: Der Beitrag erhielt bis heute über 285.000 Likes und wurde fast 60.000 Mal geteilt. Einen Tag später teilte auch die Tierschutzorganisation Vier Pfoten das Bild des Aufstellers. Auch hier war die Resonanz enorm: 8.000 Likes und 1.000 Shares stehen bislang zubuche. Durch Wünsches Post wurde auch das Frauenportal Wunderweib auf die Sache aufmerksam - und stellte einen begeisterten Text dazu ins Netz. Am 4. Juli schließlich zog das Thema durch einen Video-Beitrag auf Focus Online noch weitere Kreise. Darin sieht man noch einen zweiten, wesentlich professioneller gestalteten Aufsteller vor einer Media-Markt-Filiale.

Media-Markt kommt in den Kommentaren der Nutzer selbstredend außerordentlich gut weg: Wer kann schon etwas gegen gute Behandlung von Tieren haben? So würde man es gerne auch beim Tierschutzverein Tasso sehen. Dort ist man allerdings irritiert, dass die Eletronikkette die Lorbeeren einstreicht. Immerhin bietet man seit gut einem Jahr einen Vordruck für Unternehmen an, die Hunde bei heißen Temperaturen in ihren Läden erlauben wollen - mit exakt dem gleichen Text wie auf dem Media-Markt-Aufsteller. Die Kampagne wurde seinerzeit von der Bad Homburger Agentur Face2Face konzipiert.
Der Tasso-Vordruck aus dem Jahr 2014
Der Tasso-Vordruck aus dem Jahr 2014 (Bild: Tasso)


Ob der Text wirklich von Tasso übernommen wurde, lässt sich wahrscheinlich nur schwer nachweisen - zumal es sich nach Aussage einer Media-Markt-Sprecherin nicht um eine von Ingolstadt aus konzertierte Kampagne, sondern um die Eigeninitaitive einzelner Filialen handelt. Wo genau, will sie nicht verraten. Auch wolle man den Hype im Netz nicht kommunikativ nutzen. Was aber, wenn die Filialbetreiber die Quelle kannten? "Wir hätten uns natürlich gefreut, wenn Media-Markt in der Angelegenheit mit uns zusammengearbeitet hätte", so Tasso-Pressesprecherin gegenüber Silke Steinsdörfer gegenüber HORIZONT Online. "Letztendlich jedoch steht für uns das Wohl der Tiere im Vordergrund. Und wenn durch diese Aktion weniger Hunde in überhitzten Autos bleiben müssen, umso besser."

Obwohl seine Agentur inzwischen nicht mehr auf dem Tasso-Etat tätig ist, hat Face2Face-Geschäftsführer Lutz Thümmel die Hoffnung noch nicht aufgegeben, dass Media-Markt die Sache größer aufzieht. "Wir sind froh, Euch inspiriert zu haben. Und freuen uns, daß Euch Hunde, die bei den derzeitigen Temperaturen im Auto leiden müssen, nicht egal sind. Gern geschehen...", so Thümmel auf seiner Facebook-Seite.

In der Tat kann man aus der Geschichte zwei Lehren ziehen. Erstens: Gute Ideen können sich im Social-Media-Zeitalter schnell verselbstständigen. Für die Kreativbranche, die mit Ideen ihr Geld erwirtschaftet, kann das schnell zum Problem werden. Zweitens: Das Ganze wieder einzufangen, ist unmöglich. Das Internet vergisst nichts. Und deshalb sollte man wohl einfach das Beste draus machen - und den positiven Effekt für die Tiere sehen. ire
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