Horizont Brand Ticker Deutsche Bank verliert im Oktober an Markenwert

Dienstag, 04. November 2014
Die Deutsche Bank ist der Verlierer der aktuellen Auswertung
Die Deutsche Bank ist der Verlierer der aktuellen Auswertung
Foto: Bild: Unternehmen

Die Skandale der Vergangenheit wirken sich auf den Markenwert der Deutschen Bank aus. Das Institut verliert im Oktober 18 Prozent. Stark performen dagegen A. Lange & Söhne, TUI, Schwarzkopf und VW. Das geht aus dem aktuellen HORIZONT Brand Ticker hervor.
Wie im vergangenen Monat hat The Brand Ticker  gemeinsam mit der Kölner Markenberatung Spirit for Brands die Marken ermittelt, die am stärksten an Wert gewinnen und verlieren.
 Lange & Söhne wird in den Medien ab der zweiten Hälfte des Monats stärker mit Begriffen wie „kultig“ und „reizvoll“ in Verbindung gebracht. Die Anziehungskraft der Marke steht weit über dem Durchschnitt der Wettbewerber (blaue Linie). (Bild: The Brand Ticker)
Lange & Söhne wird in den Medien ab der zweiten Hälfte des Monats stärker mit Begriffen wie „kultig“ und „reizvoll“ in Verbindung gebracht. Die Anziehungskraft der Marke steht weit über dem Durchschnitt der Wettbewerber (blaue Linie). (Bild: The Brand Ticker)
Im Jahr 25. des Mauerfalls feiert im Oktober eine Marke mit ostdeutschen Wurzeln den höchsten Wertzuwachs. A. Lange & Söhne mit Sitz in Glashütte legt um satte 24 Prozent zu. 320 Millionen Euro ist der Mittelständler derzeit wert. Das sind etwa 58 Prozent des Unternehmenswertes. Das ist für die Markenexperte von The Brand Ticker und Spirit for Brands eine herausragende Quote im direkten Vergleich mit anderen Uhrenmarken. Mit dem Modell Lange 1 begann vor 20 Jahren die jüngste Geschichte der mittelständischen Uhrenmanufaktur. Trotz einer stringenten Markenführung, ist der Wettbewerb in dem Markt, der von billigen Kopien und Produkten überschwemmt wird, allerdings alles andere als einfach. "Das Management ist gut beraten, den ikonischen Kultcharakter der Marke  neben sinnstiftenden Produktfeatures weiter in den Mittelpunkt der Markenführung zu stellen", heißt es daher auch in einer Analyse von Spirt for Brands.
TUI wird in den Medien derzeit als „einzigartig“, „innovativ“ oder gar „unkonventionell“ bezeichnet. Ein Zeichen dafür, dass sich die Marke durch Produktinnovation positiv vom Wettbewerb (blaue Linie) abhebt.
TUI wird in den Medien derzeit als „einzigartig“, „innovativ“ oder gar „unkonventionell“ bezeichnet. Ein Zeichen dafür, dass sich die Marke durch Produktinnovation positiv vom Wettbewerb (blaue Linie) abhebt. (Bild: The Brand Ticker)
Für TUI scheint sich eine strategische Entscheidung schon zu rechnen. Mit der im Oktober beschlossenen Fusion der TUI AG mit der TUI Travel plc erhält die Marke in der öffentlichen Wahrnehmung einen neuen Schub. Vor allem die Ansage, sich künftig auf die Kernmarke TUI zu konzentrieren sowie Produktneuheiten scheinen derzeit das Bild des Touristikriesens weiter zu schärfen. Effekt: Der Wert der Marke klettert um 21 Prozent auf 932 Millionen Euro. "Dies ist ein Hinweis für das Brand Management, die Wertschöpfungskraft einer gestärkten Dachmarke bei ihren Portfolio-Überlegungen zu berücksichtigen", sagen die Markenexperten.
Schwarzkopf ist eine populäre Marke. Mit der Nähe zu Stars wie Claudia Schiffer, unterstreicht die Henkel-Marke ihre Führungsrolle. Diese Rolle scheint Schwarzkopf im hart umkämpften Markt erfolgreich gegenüber den Wettbewerbern (blaue Linie) verteidigen zu können.
Schwarzkopf ist eine populäre Marke. Mit der Nähe zu Stars wie Claudia Schiffer, unterstreicht die Henkel-Marke ihre Führungsrolle. Diese Rolle scheint Schwarzkopf im hart umkämpften Markt erfolgreich gegenüber den Wettbewerbern (blaue Linie) verteidigen zu können. (Bild: The Brand Ticker)
Die Markenführung bei Schwarzkopf ist schon immer geprägt von Kontinuität. Die fällt allerdings im Oktober mit zwei Ereignissen zusammen. Dem Launch von Schwarzkopf Essence Ultime, der Premium-Haarkosmetikmarke für Damen, und dem Relaunch von Men Perfect. Beides wird von den Zielgruppen sehr deutlich wahrgenommen. Hinzu kommt Model-Ikone Claudia Schiffer als Testimonial. Die Folge: Die Henkel-Marke legt zehn Prozent zu und kommt aktuell auf einen Markenwert von rund 1,3 Milliarden Euro.
Die Marke VW holt beim Werttreiber „Leadership“ auf und erreicht Ende Oktober das Niveau der Wettbewerbsmarken (blaue Linie). Leadership fasst die Gespräche über die Popularität und den Führungsanspruch zusammen.
Die Marke VW holt beim Werttreiber „Leadership“ auf und erreicht Ende Oktober das Niveau der Wettbewerbsmarken (blaue Linie). Leadership fasst die Gespräche über die Popularität und den Führungsanspruch zusammen. (Bild: The Brand Ticker)
 Wenn VW im Monat Oktober an Wert verloren hätte, wäre es nicht erstaunlich gewesen: Kosteneinsparungen, das Einstellen des Konzerns auf schwierige Zeiten, die Probleme auf dem US-Markt sowie die Rückrufaktion in China - VW hatte schon positivere Schlagzeilen. Trotzdem steigert der Autobauer den Wert seiner Marke um 8 Prozent auf 13,8 Milliarden Euro. Das deutet auf zweierlei hin: Entweder werden die Probleme von den Zielgruppen nicht wahrgenommen oder die aktuellen Erfolgszahlen der gesamten Volkswagen-Gruppe kompensieren die negative Berichterstattung. Hinzu kommt: Mit dem VW Passat steht die achte Generation des Dauerläufers vor dem Marktstart. Und noch etwas zahl sich aus: Die Marke investiert in Zukunftstechnologien, etwa der E-Mobilität. Das unterstreicht den eigenen Führungsanspruch. 
In den Medien diskutierte Fehlleistungen der Deutschen Bank spiegeln sich in der negativ-Wahrnehmung insbesondere der schwachen Performance. Als „fehlerhaft“ und „unfähig“ wird die Bank sehr oft bezeichnet – ein Risikofaktor für die Reputation der Marke und ein Widerspruch zu dem, was sie im Kern verspricht.
In den Medien diskutierte Fehlleistungen der Deutschen Bank spiegeln sich in der negativ-Wahrnehmung insbesondere der schwachen Performance. Als „fehlerhaft“ und „unfähig“ wird die Bank sehr oft bezeichnet – ein Risikofaktor für die Reputation der Marke und ein Widerspruch zu dem, was sie im Kern verspricht. (Bild: The Brand Ticker)
Dagegen wird die
Deutsche Bank im Oktober gebeutelt.  Zwar liegt der Markenwert immer noch bei rund 2,3 Milliarden Euro. Aber im Vergleich zum Vormonat verliert das größte deutsche Kreditinstitut 18 Prozent beim Markenwert. Seit Jahrsbeginn summiert sich damit der Vertverlust auf etwa 500 Millionen Euro. Die Ursachen dafür sind schnell genannt. Der erneute Quartalsverlust, die vielen Rechtsstreitigkeiten mit Verstrickungen von Fühgrunsgkräften schädigen das Bild in der Öffentlichkeit. Trotzdem könnte es aus Sicht der Markenstrategen noch alles viel schlimmer sein. "Bemerkenswert ist allerdings, was die Marke bisher alles ausgehalten hat. Nach wie vor ist „Reliability“ im Branchenvergleich der stärkste Wertreiber für die Marke", heißt es in der Analyse. Dazu tragen vor allem zwei Entwicklungen bei: Der souverän gemeisterte Stresstest und der eingeläutete Kulturwandel bei der Bank. Das könnte man auch als Licht am Ende des Tunnels interpretieren. mir

The Brand Ticker

Die Methode: The Brand Ticker misst in Sozialen Medien, Online- und Printmedien wie tatsächlich über Unternehmen und Marken gesprochen wird. Derzeit analysiert das Tool etwa 500 globale und 50 deutsche Marken. Das Programm arbeitet dabei mit sechs Suchsprachen (Deutsch, English, Spanisch, Französisch, Italienisch und Niederländisch). Knapp zwei Millionen Medienbeiträge werden täglich für die Marken im Standardsortiment ausgewertet. Der Mix liegt bei den vorliegenden Resultaten bei etwa 50 Prozent Online-News, 20 Prozent Printmedien und 30 Prozent Social Media. Die Ergebnisse verbindet ein Rechnenprogramm mit aktuellen Finanzmarktdaten, um so einen direkten Zusammenhang zwischen Image und Wertschöpfung der Marken zu ermitteln. Geschäftsführer von The Brand Ticker ist Nik Stucky. Er ist einer der profiliertesten Markenexperten der Schweiz und war jahrelang für das Markenrating von Interbrand verantwortlich. Deutscher Partner des Markenbewertungstool ist Spirit for Brands. Die junge Kölner Markenberatung wird geführt von Walter Brecht, einem Spezialisten für Markenstrategie und -führung.
Meist gelesen
stats