Hasso Mansfeld "Die FDP muss ihren Markenkern neu aufladen"

Mittwoch, 09. Oktober 2013
Hasso Mansfeld ist freier Unternehmensberater in Bingen (Bild: Privat)
Hasso Mansfeld ist freier Unternehmensberater in Bingen (Bild: Privat)

Vor gut zwei Jahren rief der PR-Berater Hasso Mansfeld die Internet-Bewegung FDP Liberté ins Leben, um den Liberalen neues Leben einzuhauchen. Ganz aufgegangen ist die Rechnung nicht: Bei der zurückliegenden Bundestagswahl verpasste die FDP den Sprung ins Parlament. Warum Liberté dennoch nicht nutzlos war und was die FDP als Marke nun braucht, darüber spricht Mansfeld im Interview mit HORIZONT.NET. Sie sind vor fast zwei Jahren mit FDP Liberté angetreten, um der Partei ein wenig auf die Sprünge zu helfen. Wie fällt Ihre Bilanz aus?
Man lernt immer dazu. Wir hatten uns schon vorgenommen, im Online-Wahlkampf mitzumischen. Diesen zu führen und eine entsprechende Breitenwirkung zu erzielen, ist ohne Sponsoring, beispielweise durch die Partei, aber nun mal sehr schwer. Außerdem braucht es eine direkte Anbindung an die offiziellen Parteiorgane und die Direktkandidaten. Und hier muss man ganz klar sagen: Das ist uns bei den Direktkandidaten nicht gelungen. Was allerdings sehr gut geklappt hat, war die Mobilisierung der eigenen Leute und die Aufrechterhaltung der Moral an der Basis. Viele Menschen haben uns signalisiert, dass sie aufgrund unserer Aktivitäten zum ersten Mal seit Langem wieder stolz auf die FDP sind.

Wo sehen Sie die Probleme der Marke FDP?
Die FDP ist mit einem Traditionsunternehmen vergleichbar, dem die Kunden weglaufen. Der große Erfolg der Bundestagswahl 2009 war daran sicher nicht unschuldig: Danach hatten viele Mandatsträger panische Angst davor, ihr Mandat wieder zu verlieren, sodass sie sich in entscheidenden Fragen lieber weggeduckt und gar nichts gemacht haben. Mit einer solchen Umfallermentalität können sie aber keine Schlacht gewinnen. Das Wichtigste ist, auch in schwierigen Zeiten zu seinem Markenkern zu stehen. Im Falle der FDP heißt das, sich als Bürgerrechtspartei zu positionieren, an die Eigenverantwortung des Menschen zu appellieren und ihm gleichzeitig die Instrumentarien an die Hand zu geben, dem auch gerecht zu werden. Wer dann auf den NSA-Skandal aber lediglich mit einem Schulterzucken reagiert, wird natürlich zu Recht abgestraft.

Was wäre jetzt zu tun?
Zunächst einmal: Die Stimmung in der Partei ist meiner Wahrnehmung nach gar nicht so schlecht. In vielen Ortsverbänden gibt es mehr Ein- als Austritte. Die FDP muss nun eine inhaltliche Rückbesinnung vornehmen und den Markenkern neu aufladen. Also sich etwa eine bildungspolitische Strategie zurechtlegen. Und natürlich braucht eine liberale Partei auch eine Agenda für Umweltthemen und Soziales. Mir ist klar, dass das noch ein schmerzhafter Prozess werden wird.

Aber ist die FDP als Marke überhaupt noch zu retten?
Auf jeden Fall, aber das Zeitfenster ist klein! Das Entscheidende wird sein, bei der nächsten Bundestagswahl die Rückkehr ins Parlament zu schaffen. Sonst sehe ich schwarz. Denn ohne die entsprechende Infrastruktur im Hintergrund kann keine Partei auf Dauer erfolgreich sein. Damit das gelingt, muss die Partei jedoch, anders als in den vergangenen vier Jahren, öfter ins kontrollierte Risiko gehen.

Wie wollen Sie sich weiterhin einbringen?
Ich sehe meine Rolle in erster Linie darin, gemeinsam mit meinen Mitstreitern bei FDP Liberté Ideen zu entwickeln und öffentlich liberale Grundwerte zu vertreten.
Wie es mit Liberté weiter geht, wird derzeit noch diskutiert. Zunächst müssen wir dabei unser Verhältnis zur FDP klären: Ich sehe uns idealerweise als offizielle Vorfeldorganisation der FDP, andere wollen uns am liebsten von der Partei unabhängig sehen. Worauf es am Ende hinausläuft, wird auch von den Personen abhängen, die künftig in der FDP das Sagen haben werden. An mir soll es jedenfalls nicht liegen! Interview: Ingo Rentz
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