Halbjahresbilanz Wiesenhof und Atze Schröder bescheren dem Deutschen Werberat viel Mehrarbeit

Montag, 15. August 2016
Ein Fall für den Werberat: Atze Schröder prahlt mit seiner langen Bratwurst
Ein Fall für den Werberat: Atze Schröder prahlt mit seiner langen Bratwurst
Foto: Wiesenhof

Atze Schröder und Wiesenhof haben dem Deutschen Werberat im ersten Halbjahr viel Arbeit bereitet. Zum kontrovers diskutierten Onlinefilm des Wurstherstellers gingen bei dem Gremium rund 1000 Proteste ein - fast zwei Drittel aller Beschwerden insgesamt. Neben Wiesenhof rügte der Werberat zudem 14 weitere Unternehmen. Zahlreiche Beschwerden gegen Motive der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BzgA) zum Thema "Liebesleben" liefen dagegen ins Leere.
Für die aktuelle Aufklärungskampagne der BzgA im Comic-Stil (Kreation: Das Hochhaus, Köln) ist der Deutsche Werberat nicht zuständig, weil es sich nicht um Wirtschaftswerbung handelt - insgesamt stieg aber die Zahl der Beschwerden über sexistische Werbung gerade im 2. Quartal massiv an. Der Werberat führt dies auch auf die Debatte um ein von der SPD gefordertes gesetzliches Verbot von Sexismus in der Werbung und die breite Berichterstattung über die Arbeit des Kontrollgremiums zurück. Folge: Die Zahl der Fälle stieg im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 39 Prozent auf 147.
NIcht im Zuständigkeitsbereich des Werberats: Die Aufklärungskampagne der BzgA
NIcht im Zuständigkeitsbereich des Werberats: Die Aufklärungskampagne der BzgA (Bild: BzgA)
Der Werberat beanstandete 48 Werbemaßnahmen (1. Halbjahr 2015: 41). Davon wurden 37 geändert oder gestoppt und elf öffentlich gerügt. Vier weitere Rügen gab es zu den Themen Gewaltverherrlichung, Altersdiskriminierung, Ethik und Moral sowie zur Diskriminierung von Flüchtlingen. "Für die übergroße Mehrheit der Unternehmen sind die Verhaltensregeln des Werberats und seine Spruchpraxis die zentrale Richtschnur. Die Rügen bleiben eine Ausnahme und gehen an die zunächst Uneinsichtigen, die sich mit ihrer Werbung außerhalb der Branchenethik bewegen", bilanziert Werberats-Chefin Julia Busse.
Das gerügte Motiv des Augenoptikers Berger Brillen aus Altenburg
Bild: Deutscher Werberat

Mehr zum Thema

Sechs Rügen Werberat kritisiert Missbrauch der Flüchtlingsdebatte sowie Sexismus

Eine Rüge kassierte etwa der das Unternehmen Herrmann Fenster-Türen-Bodenbeläge aus Franken für die Verwendung des Slogans "Wir sanieren Ihre Alte" auf den Firmenfahrzeugen. Verstärkt wurde diese Aussage durch die Abbildung einer jungen, unbekleideten Frau als Gegenüberstellung zum Slogan. Als sexistisch stufte der Werberat unter anderem auch die Fahrzeugwerbung der Firma Lohse aus Nürnberg ein - der Slogan "Balkonsanierung" in Kombination mit der Abbildung eines tiefausgeschnittenen Dekolletés brachte dem Unternehmen ebenfalls eine öffentliche Rüge ein. fam
Meist gelesen
stats