Größter Tech-Deal der Geschichte Dell will Speicher-Firma EMC für 67 Milliarden Dollar kaufen

Dienstag, 13. Oktober 2015
Dell kauft die Speicher-Firma EMC für 67 Milliarden US-Dollar
Dell kauft die Speicher-Firma EMC für 67 Milliarden US-Dollar
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Michael Dell EMC Hewlett-Packard


Es ist die bisher teuerste Übernahme in der Tech-Branche: Dell will sein PC-Geschäft mit dem Kauf der Speicher-Firma EMC ergänzen. Der Kaufpreis von 67 Milliarden Dollar wird größtenteils auf Pump finanziert.
Der PC-Hersteller Dell will in der bisher größten Übernahme der Technologie-Industrie den Speicher-Spezialisten EMC kaufen. Der Deal sei insgesamt rund 67 Milliarden Dollar schwer, teilte Dell am Montag mit. Dell will mit EMC sein Geschäft um Speicherdienste erweitern und damit besser mit Rivalen wie Hewlett-Packard konkurrieren. Die EMC-Aktionäre sollen 24,05 Dollar in bar bekommen plus ein Papier, das den Wert der zu EMC gehörenden Software-Firma VMware widerspiegeln soll. Insgesamt liege der Wert pro EMC-Anteil damit bei 33,15 Dollar, hieß es. Es ist ein Aufschlag von fast einem Fünftel auf den EMC-Schlusskurs von Freitag. Über den Deal war bereits seit Tagen spekuliert worden.

Gründer Michael Dell hatte seine Firma vor zwei Jahren mit Hilfe von Finanzinvestoren in einem 25 Milliarden Dollar schweren Deal von der Börse genommen. Jetzt werden Dell und der auch diesmal beteiligte Partner Silver Lake laut Medienberichten weitere 40 Milliarden Dollar von Banken brauchen. Dell verteidigte den Plan in einer Telefonkonferenz: Es sei keine übermäßige Belastung, die angesichts robuster Einnahmen in den kommenden beiden Jahren deutlich abgebaut werden solle. Zum Geschäft von Dell in den vergangenen zwei Jahren sagte der Gründer nur, es laufe gut.

Dell und seine Partner sollen nach Abschluss der Übernahme 70 Prozent an EMC halten. Michael Dell werde das gemeinsame Unternehmen führen. Das Server-Geschäft von Dell werde bei EMC angedockt und werde die Zentrale des Speicher-Riesen in der kleinen Stadt Hopkinton im Bundesstaat Massachusetts stärken.

Der ungewöhnliche Aufbau des Deals mit dem zusätzlichen Wertpapier für Aktionäre ist notwendig, weil die Beteiligung von 80 Prozent an VMware mehr als die Hälfte des EMC-Werts ausmacht. VMware sorgt dafür, dass Rechenzentren dank virtueller Computer effizienter laufen.

EMC als Spezialist für Daten-Speicherung in Unternehmen muss gegen eine Vielzahl neuer Wettbewerber aus dem internetbasierten Cloud-Geschäft antreten, VMware gilt bei Experten als das wachstumsträchtigere Geschäft. Die bisherige EMC-Tochter wird weiterhin an der Börse in New York notiert bleiben.

Der Deall soll Mitte kommenden Jahres abgeschlossen werden, Regulierer und Anteilseigner müssten ihm noch zustimmen. Außerdem könnte es noch weitere Hürden geben: Wie die "Financial Times" berichtete, forderte EMC das Recht, sich noch konkurrierende Angebote einholen zu dürfen. Damit solle der Finanzinvestor Elliott Management, der 2,2 Prozent an EMC hält, milde gestimmt werden. Elliott forderte bereits seit einiger Zeit eine Abspaltung von VMware. Die Finanzfirma erklärte am Montag nun, sie unterstütze die Übernahme durch Dell.

Bisher hatte keiner Interesse an einem Kauf von EMC gezeigt, obwohl es laut Medienberichten unter anderem Gespräche mit Hewlett-Packard gegeben haben soll. Jetzt solle aber unter anderem bei Microsoft und dem Netzwerk-Spezialisten Cisco vorgefühlt werden, schrieb die "Financial Times". EMC als Spezialist für Daten-Speicherung muss gegen eine Vielzahl neuer Wettbewerber antreten.

Michael Dell hatte schon beim Rückkauf seiner eigenen Firma Ärger mit einem aggressiven Investor. Der Milliardär Carl Icahn legte sich in einem auch öffentlich geführten Schlagabtausch monatelang quer, bis der Preis etwas angehoben wurde.

Für EMC löst der Kauf durch Dell zusätzlich ein Nachfolgeproblem: Der seit 2001 amtierende Chef Joe Tucci, inzwischen 68 Jahre alt, plant schon seit einiger Zeit seinen Rückzug.

Die bisherige Rekord-Übernahme in der Tech-Branche war der im Mai angekündigte Kauf des Chip-Spezialisten Broadcom durch den Konkurrenten Avago. dpa
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