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Dienstag, 17. März 2015
Der erste Google-Shop hat in London seine Pforten geöffnet
Der erste Google-Shop hat in London seine Pforten geöffnet
Foto: Google
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"Google eröffnet eigenen Laden" - vor ein paar Jahren hätte man diese Schlagzeile wohl noch für einen Aprilscherz gehalten. In London hat nun tatsächlich ein Google-Shop seine Pforten geöffnet. Auch wenn man sich bei Google intern offenbar darüber uneins ist, ob es sich nun um den "weltweit ersten" stationären Shop (Google UK) handelt, oder ob nicht doch Google Deutschland mit seinem Store-in-Store-Konzept in einer Hamburger Saturn-Filiale der Vorreiter war (siehe Update unten): Die Initiative zeigt, wie sehr sich das Unternehmen verändert hat. Und welche Bedeutung stationäre Läden auch für digitale Marken haben.
Der Google-Shop ist in der Londoner Tottenham Court Road 145-149 zu finden. Wer schon von weitem den Google-Schriftzug an einer Häuserfassade sucht, wird allerdings enttäuscht. Grund: Der Suchmaschinenriese hat sich für eine Shop-in-Shop-Lösung entschieden. Seine erste stationäre Anlaufstelle in der britischen Hauptstadt hat Google bei der Elektronikkette Currys PC World untergebracht. Wer Google noch immer als reinen Suchanbieter begreift, der mit physischen Produkten so gar nichts am Hut hat, wird anfangs sicherlich überrascht. Im Google-Shop gibt es jede Menge Smartphones, Tablets und Chromebook-Laptops zu sehen. Allerdings sollte man sich von diesem ersten Eindruck nicht in die Irre führen lassen. Denn für Google selbst sind all die schicken, in der Regel von Fremdherstellern produzierten Endgeräte zweitrangig. Was der Konzern den Shop-Besuchern vor allem schmackhaft machen will, sind die eigenen digitalen Dienste und Services. Die mit den Google-Betriebssystemen Android und Chrome OS ausgestatteten Endgeräte sind nur Mittel zum Zweck.
Im Google-Shop gibt es auch zahlreiche Endgeräte - mit Google-Betriebssystemen
Im Google-Shop gibt es auch zahlreiche Endgeräte - mit Google-Betriebssystemen (Bild: Google)
Was die Shop-Besucher auf den Smartphones, Tablets und Laptops zu sehen bekommen, ist in der Tat eine Art Best-of-Google. Die digitalen Dienste des Konzerns werden offline erlebbar gemacht. So sollen Besucher mit der Anwendung Google Earth auf einer riesigen Leinwand über den Planeten fliegen können. Wer den Chromecast-TV-Stick testet, erfährt, wie aus einem normalen Fernseher ein Smart-TV mit direkter Anbindung zu Youtube wird. Zudem können jede Menge Software-Tools und Apps getestet werden. Dabei zeigt sich Google sehr offen. Das geht so weit, dass Graffiti-Künstler auf einer sogenannten Doodle-Wall mit dem Google-Logo experimentieren können - und dazu aufgerufen werden, die Ergebnisse über soziale Netzwerke zu teilen.
Besucher können auf einer Leinwand Google World ausprobieren
Besucher können auf einer Leinwand Google World ausprobieren (Bild: Google)
"Die Innovationsgeschwindigkeit ist bei den Endgeräten inzwischen unglaublich hoch, die Art und Weise, wie wir sie kaufen, hat sich dagegen in den vergangenen Jahren kaum verändert", erklärt James Elias, Googles Marketingchef in Großbritannien, die Idee hinter dem ersten stationären Laden. Der Google-Shop solle ein Ort sein, an dem Verbraucher mit der gesamten Bandbreite der Google-Angebote experimentieren können.
Auf der Doodle-Wall können Besucher mit einem Digital-Spray ihre eigene Version des Google-Logos kreieren
Auf der Doodle-Wall können Besucher mit einem Digital-Spray ihre eigene Version des Google-Logos kreieren (Bild: Google)
Was auffällt, sind die Parallelen zu Wettbewerbern. Auch Amazon hat kürzlich einen stationären Shop eröffnet. Vor allem erinnern die Google-Pläne aber an Apple. Genau wie der Wettbewerber aus dem kalifornischen Mountain View will Google in seinen Shops Kurse anbieten. So will Google Verbrauchern etwa beim sicheren Surfen oder bei der Bedienung und Vernetzung der Geräte unter die Arme greifen. Offenbar soll das PoS-Experiment auch dabei helfen, das aufgrund der Datenschutzproblematik zum Teil angekratzte Image von Google zu verbessern. Als wichtige Multiplikatoren hat Google dabei Lehrer ausgemacht. Die sollen sich auf sogenannten "Open House"-Events über die kostenlosen Bildungs-Angebote des Konzerns informieren können. Für Schüler gibt es ebenfalls eigene Angebote.

Mit dem Shop auf der Londoner Tottenham Court Road ist das PoS-Experiment von Google voraussichtlich noch lange nicht beendet. Allein in Großbritannien will der Internetkonzern noch in diesem Jahr zwei weitere Läden eröffnen. In Hamburg gibt es ebenfalls bereits einen Google-Shop (siehe Update unten). Uwe Munzinger, Geschäftsführer der Markenberatung Sasserath Munzinger Plus, würde sich nicht wundern, wenn das Unternehmen seine PoS-Offensive auch auf andere Länder ausdehnen würde. "Eigene Shops heben Marken auf ein ganz anderes Level. Wenn Verbraucher eine Marke anfassen und sinnlich erleben können, stärkt das die Kundenbeziehung ungemein", weiß Munzinger. Die Eröffnung weiterer Shops wäre aus Sicht von Munzinger daher mehr als sinnvoll. mas

Update

Google Deutschland hat sich inzwischen zu der offiziellen Pressemitteilung von Google Großbritannien zu Wort gemeldet und darauf hingewiesen, dass es bereits seit 2013 ein Store-in-Store-Konzept im Hamburger Saturn-Markt gibt. Allerdings gebe es "Detailunterschiede in der Ausgestaltung der beiden Flächen". Der Shop in London sei damit nicht der erste weltweit, sondern der "erste seiner Art".
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