Google-Entwicklerkonferenz I/O Auf der Suche nach neuen "Ponytricks" beim Geldverdienen

Donnerstag, 28. Mai 2015
Google-Gründer und -Chef Larry Page lädt zur nächsten Entwicklerkonferenz
Google-Gründer und -Chef Larry Page lädt zur nächsten Entwicklerkonferenz
Foto: Google

Wenn Google die Entwickler nach San Francisco ruft, geht es nicht mehr so sehr um die "Moonshot"-Projekte, mit denen Larry Page und Sergey Brin die Welt verändern wollen. Auf der Konferenz Google I/O stehen praktische Hinweise für die Google-Partner im Vordergrund.

Bei den vielen Produkten und Projekten von Google kann man leicht den Überblick verlieren: AdMob, Android Pay, Android TV, Android Auto (nicht zu verwechseln mit dem fahrerlosen Google-Mobil), Google Fit, Project Loom, Google Glass, Android "M", Android Wear. Selbst Insider werden immer wieder überrascht, womit sich die Ingenieure und Software-Entwickler von Google so alles beschäftigen. Auf der Entwicklerkonferenz Google I/O, die am heutigen Donnerstag in San Francisco beginnt, könnte diese Liste noch ein wenig länger werden.

Die Tickets für die Konferenz waren bei den Entwicklern und Google-Partnern wieder so begehrt, dass eine Lotterie entscheiden musste, wer eine Karte für rund 800 Dollar kaufen durfte. Die Programmierer von Smartphone- und Tablet-Apps erwarten aber, dass sich dieses Investment schnell wieder bezahlt macht: Alle gehen davon aus, dass Google hier Details zur kommenden Version seines Mobilsystems Android vorstellen wird. Nachdem im vergangenen Jahr Android 5.0 "Lollipop" präsentiert wurde, ist nun der nächste Anfangsbuchstabe im Alphabet dran. Gerüchten zufolge könnte Google Android "M" unter anderem eine grundsätzliche Unterstützung für eine Authentifizierung per Fingerabdruck enthalten, die bislang nur wenigen Spitzenmodellen von Samsung und LG vorbehalten ist.

Eine Neuausrichtung wird für das Angebot Google Plus erwartet. Der Dienst war auf der Google I/O 2011 als eine Art Alternative zu Facebook gestartet worden, konnte diese Erwartungen aber nicht erfüllen. Vic Gundotra, der als Manager für Google Plus verantwortlich war, verließ im April 2014 das Unternehmen. Google Plus fungiert heute eher als "soziale Schicht" zwischen verschiedenen Diensten wie "Hangouts" (Videotelefonie). Gerüchten zufolge wird der in Google Plus integrierte Foto-Service künftig als eigenständige Plattform herausgelöst, um gegen Konkurrenzangebote wie Instagram von Facebook und Flickr von Yahoo anzutreten.

Im Netz wird außerdem spekuliert, ob der Konzern auf der Konferenz auch eine Neuauflage seiner Datenbrille Google Glass präsentieren wird. Google-Mitgründer Sergey Brin hatte vor drei Jahren die erste Version mit einer spektakulären Bühnenshow vorgestellt. Doch das Projekt scheiterte zunächst grandios.

Brin und andere Google-Manager hatten die mangelnde soziale Akzeptanz für eine Brille unterschätzt, mit der man von seinem Gegenüber ständig Fotos oder Videos machen konnte. Außerdem gelang es den Google-Ingenieuren überraschend auch nicht, die massiven technischen Unzulänglichkeiten wie die zu kurze Batterielaufzeit in den Griff zu bekommen. Im Januar wurde der ohnehin eingeschränkte Verkauf von Google Glass gestoppt und ein Neustart verordnet. Ob die Zeit schon reif ist, über die zweite Version zu sprechen, wird sich zeigen.

Keine großen Innovationssprünge - aber interessante Updates im Detail - erwarten die Entwickler zur Plattform Android Auto. Dabei geht es darum, eine Auswahl von Android-Apps auf den Bildschirm im Auto zu bringen. Bislang bieten einige Hersteller in den USA, Großbritannien und Australien diese Option an. Als erstes Auto, in dem Android ab Werk vorinstalliert ist, kam gerade der neue Hyundai Sonata auf den Markt. Die deutschen Branchenriesen wie Volkswagen und Daimler versuchen, die konkurrierenden Systeme von Apple (Carplay) und Google parallel in die Fahrzeuge zu integrieren.

Weniger Schlagzeilen werden die Konferenzsessions über Dienste wie AdMob machen. Dabei geht es aber um die für Entwickler äußerst wichtige Frage, wie man eine App bewerben und kommerziell erfolgreich machen kann. Gut zwei Drittel aller Android-Apps sind für die Nutzer kostenlos und werden letztlich mit der Aufmerksamkeit der Anwender für die eingeblendeten Werbeanzeigen bezahlt.

Google selbst ist noch stärker als die App-Entwickler auf die Werbung als Haupteinnahmequelle angewiesen. Rund 90 Prozent der Gesamteinnahmen von rund 66 Milliarden Dollar im Jahr 2014 stammten aus der Werbung. Zwei Drittel davon kamen aus hauseigenen Angeboten wie Suche, Maps und YouTube. Ein Drittel der Werbeumsätze werden auf Webseiten anderer Anbieter mit Diensten wie Adsense erzielt.

Die Erlöse aus der Umsatzbeteiligung im Google Play Store, über den die Android Apps verkauft werden, fallen dagegen deutlich geringer aus. Auch die Umsätze der kommerziellen Cloud-Angebote, mit denen Google den Wettbewerbern Amazon und Microsoft entgegentritt, haben sich in der Google-Bilanz noch keine eigenständige Rubrik erobert, sondern fallen unter die restlichen zehn Prozent jenseits der Werbeerlöse. Beim Geldverdienen ist Google im großen Internet-Zirkus ein Pony, das nur einen Trick auf Lager hat. Und auf der Google I/O 2015 wird vermutlich kein zweiter Trick präsentiert werden. dpa

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