Golfloch, Spiegel, Bratwurstpappe Dieses Potenzial steckt in ungewöhnlichen Ambient-Medien

Dienstag, 22. August 2017
Ambient-Werbung erreicht die Zielgruppe manchmal auch dann, wenn sie es nicht erwartet
Ambient-Werbung erreicht die Zielgruppe manchmal auch dann, wenn sie es nicht erwartet
© Alvern Media

Ambient-Medien werden im direkten Lebensumfeld der Zielgruppe platziert und versprechen aus diesem Grund geringe Streuverluste. Zu den Klassikern zählen Freecards, Aufsteller und Poster. Doch unterwegs kommen Konsumenten oft mit überraschenderen Werbeträgern in Kontakt. HORIZONT Online stellt vier ungewöhnliche Out-of-Home-Werbeträger vor. Ambient-Medien-Experte Steffen Ansorge, Head of Adcity, analysiert ihr Potenzial.

1. Golflocheinsätze

Werbung im Golflocheinsatz
Werbung im Golflocheinsatz (Bild: Crossvertise)
Werbeplatzierungen in Golflocheinsätzen eignen sich gut als B2B-Werbemittel, da in diesem Umfeld viele Entscheider anzutreffen sind, so die Werbe- und Mediaplanungs-Plattform Crossvertise. Um den klassischen Golfspieler zu erreichen, bietet sich das Ambient-Medium besonders für das Bewerben hochpreisiger, edler und hochwertiger Konsumgüter oder für die gehobene Automobilbranche an. Kunden können über Crossvertise in 200 bis 300 Golfanlagen bundesweit werben. Pro Club müssen dabei mindestens 18 Golflöcher für mindestens vier Wochen gebucht werden. Die Mediakosten für das Ambient-Medium liegen in einem Anwendungsbeispiel bei circa 80 bis 100 Euro pro Fläche. Darin sind die Produktionskosten inbegriffen.

"Golflocheinsätze sind eine durchaus ungewöhnliche Werbeform", urteilt der Ambient-Medien-Experte Ansorge. "Hier ist es definitiv die Idee, eine hochwertige Zielgruppe anzusprechen. Dementsprechend groß ist auch das Interesse von Premium-Marken." Ein Nachteil an der Golfloch-Werbung sei jedoch, dass der Überraschungseffekt beim Golfer nur beim ersten Loch auftrete. "Bei den nächsten 17 Löchern wundert er sich eher nicht mehr darüber." Alles in allem beurteilt der Ansorge den Werbeträger Golflocheinsatz als außergewöhnlich, aber nur begrenzt nachgefragt.

Der Experte

Steffen Ansorge ist Head of Adcity Deutschland. Die von ihm verantwortete Out-of-Home-Unit der französischen Havas Group koordiniert alle Formen der klassischen und digitalen Außenwerbung.

2. Digitale Spiegelflächen in Raststätten-Waschräumen

In 330 Sanifair-Anlagen können Werbungtreibende ihre Produkte in Spiegelflächen präsentieren
In 330 Sanifair-Anlagen können Werbungtreibende ihre Produkte in Spiegelflächen präsentieren (Bild: Tank & Rast)
Die Tank-&-Rast-Autobahnraststätten bieten bundesweit in 330 Sanifair-Anlagen an, Werbung in circa 900 digitalen Spiegelflächen im Bereich der Damen- und Herrenwaschbecken zu schalten. Die Mediakosten für die Spiegelflächen betragen je Screen 90 Cent für eine Sekunde pro Tag. Ein Kostenbeispiel für eine bundesweite Belegung: Für 904 Flächen, die für zehn Sekunden an sieben Tagen bespielt werden, muss der Kunde etwa 57000 Euro bezahlen. Das könnte sich lohnen: Wie eine GfK-Studie von April 2015 ergab, können sich zwei Drittel der Besucher an die Bildschirme in den digitalen Spiegelflächen erinnern. Im Durchschnitt verbringen Sanifair-Besucher 35 Sekunden im Waschraum. Auf dieser Basis verspricht Tank & Rast bei einer Loop-Anzeige von 30 Sekunden eine hundertprozentige Kontaktchance.

Das sagt Ambient-Medien-Experte Ansorge: "Sanitärwerbung ist ein Klassiker der Ambient-Werbung. Ein Vorteil in den Waschräumen ist die lange Kontaktzeit. Es gibt aber trotzdem durchaus Kunden, die Werbung im Umfeld von Toiletten ausschließen."

Sommerstudie des Fachverband Ambient Medien

Glaubt man den Ergebnissen der Sommerstudie des Fachverbands Ambient Media (FAM), bietet die Werbung über Ambient-Medien großes Potenzial. Laut der Online-Befragung haben 75 Prozent der 1016 Teilnehmer Ambient-Werbung schon einmal bewusst wahrgenommen. Ganze 87,5 Prozent kommen mindestens einmal wöchentlich in Kontakt mit Ambient-Medien: am häufigsten in Geschäften und Supermärkten. Knapp 58 Prozent der Befragten suchen im Internet nach mehr Informationen über das beworbene Produkt, ein Fünftel der Befragten kauft es sogar direkt.

3. Bratwurstpappen

In Zukunft sollen auch QR-Codes oder Losnummern auf den Pappen platziert werden
In Zukunft sollen auch QR-Codes oder Losnummern auf den Pappen platziert werden (Bild: Werbepappe.de)
Wer seine Bratwurst vor jedem Biss in den Senf auf der Pappe eintunkt, sieht sie immer wieder: die Werbung auf der Unterlage. Seit 2011 bietet Werbepappe.de Bratwurstpappen als Ambient-Medium an. Ursprünglich konnte der Kunde sein Logo auf das Produkt drucken lassen. Bald soll er vielfältigere Optionen haben, an denen Gründer Sascha Eckhoff seit sechs Jahren tüftelt. Dazu zählt die Platzierung von QR-Codes oder Losnummern auf den Pappen. Zusätzlich bietet Werbepappe.de Online-Module wie Gewinnspiele zur Vermietung an, die nach den Vorgaben der Kunden gestaltet und programmiert werden. Der Preis für 1000 bedruckte Bratwurstpappen liegt bei 349 Euro. Wie viel die zugehörigen Online-Module kosten, wird derzeit kalkuliert.

"Ein Werbeträger in der Hand des Konsumenten verspricht eine hohe Kontaktintensität", meint der Experte. "Ich habe die Pappe noch nicht in den Händen gehalten, könnte mir aber durchaus einen Einsatz für einen regionalen Werbungtreibenden vorstellen."

4. Zapfpistolen

Bei der Zielgruppe Autofahrer gehen die Streuverluste bei Zapfpistolenwerbung gegen null
Bei der Zielgruppe Autofahrer gehen die Streuverluste bei Zapfpistolenwerbung gegen null (Bild: Alvern Media / Planus Media)
Autofahrer kommen an einigen Tankstellen mit Werbung in Berührung, wenn sie zur Zapfpistole greifen. Bei dem Anbieter Alvern Media heißen die Zapfpistolen-Werbeträger Fillboards. Derzeit sind laut dessen OoH-Spezialagentur Planus Media 9750 Tankstellen unterschiedlicher Marken mit den Werbeträgern ausgerüstet. Kunden haben auf Fillboards unter anderem Kampagnen für Reifen und Automobilzubehör, Recruiting oder Filme umgesetzt. 650 Kontakte kosten pro Tag und Tankstelle beispielsweise 4,40 Euro.

Ansorge beurteilt die Abdeckung der Zapfpistolen-Werbeträger in Deutschland als sehr gut. Außerdem sieht er großes Potenzial in ihnen: "Durch die Wartesituation beim Tanken entsteht ein intensiver Kontakt mit dem Konsumenten. Bei der Zielgruppe Autofahrer gehen die Streuverluste gegen null", urteilt der Experte. Die Zapfpistolenwerbung eigne sich auch für Kunden aus dem FMCG-Bereich, deren Artikel im Tankstellenshop gelistet sind. Sie können noch kurz vor dem Betreten der Tankstelle einen Kaufimpuls setzen. bre 

Meist gelesen
stats