Gleichberechtigung im Job Angela Merkel nimmt Medien, Wirtschaft und Politik in die Pflicht

Dienstag, 14. Juli 2015
11 Initiatoren stellen "Chefsache" gemeinsam mit der Schirmherrin Angela Merkel in Berlin vor
11 Initiatoren stellen "Chefsache" gemeinsam mit der Schirmherrin Angela Merkel in Berlin vor
Foto: Initiative Chefsache

„Wir stehen gut da, weil wir viele Frauen in Führungspositionen haben. Gemischte Teams sind erfolgreicher – deshalb geht es unserem Unternehmen gut“, sagt Rainer Esser, Geschäftsführer des Zeit Verlags. Er bringt damit auf den Punkt, was die Politik- und Wirtschaftsgrößen, die am Montagnachmittag in Berlin zur Auftaktveranstaltung der Initiative „Chefsache“ zusammengekommen sind, erreichen wollen: Getrieben von fehlenden Fachkräften und der demografischen Entwicklung wollen sie Frauen fördern und Männer mit ins Boot holen, damit das mit dem vielfach angekündigten Wandel nun endlich klappt.

„Fünf Prozent Frauen in den Vorständen deutscher Unternehmen – das geht nicht, da stimmt etwas nicht“, moniert Bundeskanzlerin Angela Merkel, die es sich trotz am Verhandlungstisch in Brüssel durchgemachter Nacht nicht hat nehmen lassen, ihre Aufgabe als Schirmherrin der Initiative wahrzunehmen. 

Bundeskanzlerin Angela Merkel unterstützt die Initiative als Schirmherrin
Bundeskanzlerin Angela Merkel unterstützt die Initiative als Schirmherrin (Bild: HORIZONT)
„Was müssen wir mit den Männern machen, damit sie offen für Diversifizierung werden, damit sie Aufgaben übernehmen, die klassischerweise Frauen übernehmen?“, fragt sie. Schließlich sei es bislang so, dass Frauen, die arbeiten, hierzulande alles machen müssten – Job, Haushalt und Kinder, während der Mann sich weiterhin nur seiner Arbeit widmen könne. „Das klappt natürlich nicht“, schließt die Kanzlerin. Die  11 Initiatoren von „Chefsache“ wollen es künftig bei sich im Unternehmen anders machen und hoffen, dass ihr Beispiel Schule machen und von weiteren Unternehmen nachgeahmt wird. 
„Fünf Prozent Frauen in den Vorständen deutscher Unternehmen – das geht nicht, da stimmt etwas nicht.“
Angela Merkel
Damit das gelingt und möglichst viele, unterschiedliche Beispiele gelebt werden,  sind bei „Chefsache“ ganz verschiedene Initiatoren dabei: Neben Konzernen wie Allianz, Bosch, Bayer, IBM und Siemens gehört der Mittelständler Warema genauso dazu wie das Bundesministerium der Verteidigung als öffentliche Institution, Fraunhofer als Vertreter der Wissenschaft, die Caritas aus dem Sektor Sozialwirtschaft und die „Zeit“ als Medienvertreter. „Diese Vielfalt ermöglicht einen Austausch, den es bislang so einfach nicht gab“, betont McKinsey-Chef Baur, der zudem betont wie wichtig es sei, dass die Initiative tatsächlich ganz oben in den Unternehmen angesiedelt, also wirklich Chefsache sei: „Wir dürfen keine Zeit mehr verlieren. Deshalb muss das Thema Chefsache sein.“ Allerdings sei die Initiative nicht eine weitere ausschließlich zur Frauenförderung, sondern adressiere auch die Männer. „Wir wollen praktische Beispiele liefern, die den Wandel von oben vorantreiben“, so Baur. 
„Die Zahl der Bewerbungen von Frauen steigt. Aber wir verlieren sie an bestimmten Punkten wieder. Das wollen wir ändern.“
Ursula von der Leyen
Um das zu erreichen, müssten sich die Arbeitsbedingungen allerdings noch deutlich ändern. „Das ist meine Forderung an die Politik“, richtet sich "Zeit"-Chef Esser an die Bundeskanzlerin. Eine Ministerin hat er dabei ganz sicher an der Seite: Bundesverteidigungsministerin von der Leyen, die es sich zur Aufgabe gemacht hat, auch in der Bundeswehr den Anteil von Frauen in Führungspositionen zu erhöhen. „Wir brauchen pro Jahr 60.000 Bewerbungen, um 20.000 auszuwählen“, beziffert die Ministerin den Personalbedarf der Truppe. Sie habe allerdings nicht nur das Problem, neue Kandidaten zu gewinnen, sondern auch, die Frauen in der Bundeswehr zu halten. „Die Zahl der Bewerbungen von Frauen steigt. Aber wir verlieren sie an bestimmten Punkten wieder. Das wollen wir ändern“, sagt von der Leyen. Entscheidend sei dabei das Verhalten von Führungskräften, die bei der Beurteilung von Untergebenen offensichtlich von Stereotypen beeinflusst würden, die es zu ändern gelte. Das weit verbreitete System „Schmitt sucht Schmittchen“ solle es künftig nicht mehr geben, so von der Leyen. Dagegen kämpft auch Bayer, unter anderem mit strategischen Debatten mit Führungskräften zu Themen wie den Verhalten von Mitarbeitern und dessen Beurteilung durch die Vorgesetzten. „Wir müssen beispielsweise die Beobachter bei Assessment Centern schulen“, sagt Bayer-Vorstand Michael König. Damit die Führungskräfte wirklich anerkennen, dass Vielfalt stark macht, müsse noch viel in Weiterbildung investiert werden. „In Deutschland gelingt Diversität nicht wie in anderen Ländern wie China oder Spanien“, kritisiert Siemens-Vorständin Janina Kugel. Deshalb müsse bereist in der Schule angesetzt, mehr Rollenvorbilder geschaffen und von Führungskräften umgedacht werden. Sie habe allerdings Hoffnung, dass sich wirklich etwas bewegt, das zeige nicht nur der Blick über Deutschland hinaus, sondern eine ganz private Erfahrung mit ihrer Nichte: „Sie hat mich gefragt, was ein Mann tun muss, um Bundeskanzlerin zu werden. Das sei doch ein Job für eine Frau. Sie kennt nur Frau Merkel in diesem Job“. ems

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