Gleichberechtigung SPD will sexistische Werbung verbieten

Montag, 18. Januar 2016
Für dieses Motiv wurde der Handwerksbetrieb Uwe Meiners 2015 vom Werberat gerügt
Für dieses Motiv wurde der Handwerksbetrieb Uwe Meiners 2015 vom Werberat gerügt
Foto: Deutscher Werberat

Die SPD will Werbung verbieten, die Frauen oder Männer herabwürdigt. Mit dieser und weiteren Maßnahmen rufen die Sozialdemokraten für 2016 das "Jahr der Frauen" aus und wollen auf diese Weise für "Respekt im Alltag" und ein modernes Geschlechterbild sorgen.
Aus einer Beschlussvorlage für die Klausur des SPD-Parteivorstands geht hervor, dass die Partei ein "Verbot geschlechterdiskriminierender Werbung" plant. Darüber, welche Darstellungen und Slogans konkret verboten werden sollen, liefert das Papier aber keine konkreten Angaben. Hintergrund für die jüngsten Pläne ist nach Angaben der SPD die "Diskussion über das Geschlechterverhältnis in unserer Gesellschaft" nach Übergriffen auf Frauen in der Silvesternacht. Das Papier betont zudem, dass es sexuelle Gewalt nicht nur von Ausländern gebe, "sondern in allen Teilen unserer Gesellschaft und unter Deutschen". Der Vorstand soll es heute oder morgen in Brandenburg beschließen. An der zweitägigen Klausur dort nehmen auch die SPD-Bundesminister und die SPD-Ministerpräsidenten teil.

2014 fasste bereits der Berliner Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg einen Beschluss zum Verbot "sexistischer Außenwerbung auf bezirkseigenen Flächen", der etwas konkreter wird. Dem Dokument zufolge seien Plakate verboten, wenn darauf "die Gleichwertigkeit der Geschlechter in Frage gestellt wird" oder wenn "die Person in rein sexualisierter Funktion als Blickfang dargestellt wird".

Das Thema Sexismus hatte im vergangenen Jahr auch zum wiederholten Mal den Deutschen Werberat beschäftigt, der im November vier Unternehmen öffentlich rügte, weil sie mit Werbemaßnahmen Frauen herabgewürdigt oder auf ihre Sexualität reduziert hätten. Wie die Sozialdemokraten die Arbeit des Kontrollgremiums bewerten und ob die von ihm ausgesprochenen Sanktionen ungenügend seien, darüber hat sich die Partei auf Nachfrage von HORIZONT Online noch nicht geäußert.

Vor wenigen Tagen hatten zudem Netzaktivistinnen eine Kampagne gegen sexualisierte Gewalt gestartet. Die Aktion #ausnahmslos von Initiatorin Anne Wizorek (die auch die #Aufschrei-Bewegung anführte) verbreitete sich daraufhin rasant im Web. Eine der Unterstützerinnen: Frauenministerin Manuela Schwesig, SPD. ron

Update:
Mittlerweile hat sich der ZAW zu diesem Thema geäußert. In einer Mitteilung schreibt der Zentralverband der deutschen Werbewirtschaft, dass Werbeverbote kein probates Mittel gegen frauenfeindliche Übergriffe seien. "
Rechtswidriges Verhalten wie in Köln hat nichts mit Werbung zu tun", betont Manfred Parteina, Hauptgeschäftsführer des ZAW. "Neue gesetzliche Regelungen zur Werbung wären eine Scheinlösung im Rahmen einer großen gesellschaftlichen Herausforderung." Außerdem wirke der Deutsche Werberat geschlechterdiskriminierender Werbung erfolgreich entgegen, heißt es.
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