Gelbe Seiten Marketing "Location-based Marketing ist kein Privileg der großen Unternehmen"

Freitag, 22. April 2016
Stephan Theiß, Geschäftsführer der Gelbe Seiten Marketing Gesellschaft
Stephan Theiß, Geschäftsführer der Gelbe Seiten Marketing Gesellschaft
Foto: Gelbe Seiten Marketing Gesellschaft
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Gelbe Seiten Stephan Theiß eBay Hochschule der Medien


Man identifiziert die Gelbe Seiten Marketing Gesellschaft normalerweise nur mit den gelben Wälzern voller lokaler Geschäftsadressen. Doch dieses Wochenende will die Dachgesellschaft der regionalen Gelbe-Seiten-Verlage kräftig an der digitalen Zukunft bauen. Im Karlsruher Stadtteil Durlach will Gelbe Seiten beweisen, dass Location based Services mehr sein können als eine visionäre Powerpoint-Präsentation hipper Digitalagenturen.
Geschäftsführer Stephan Theiß ist überzeugt, dass Technologien wie Geo-Fencing oder Beacons gerade kleinen, lokal verankerten Geschäften bei der Kundengewinnung helfen können. Seine Mission: Aus digitalen Beratungs-Know-how für lokales Marketing soll ein neues Geschäftsfeld der örtlichen Verlage werden. Location-based Services ist bisher eher ein Nischenthema. Warum glauben Sie, dass Gelbe Seiten, daran etwas ändern kann?
Wir wollen den lokalen Handel in allen Medienkanälen unterstützen, ihre Botschaft kundengerecht auszusteuern. Dabei stehen wir natürlich auch vor der Herausforderung, die digitale Brücke zum PoS zu schlagen. Und da soll unser Pilotprojekt in Durlach ein klares Signal setzen.

Es hat schon viele Pilotprojekte rund um die Digitalisierung des stationären Handels gegeben. Was ist bei Ihrem anders?

Unser Feldversuch funktioniert andersrum als beispielsweise die digitalen Marktplätze von eBay & Co. Die Einzelhändler müssen ihre Produkte gar nicht online einstellen oder einen Shop betreiben. Reale Anbieter sprechen über die App von Gelbe Seiten reale Nutzer mit einer Push-Nachricht in ihrem unmittelbaren Umkreis an, um sie in ihren Laden zu führen. Durlach soll zeigen, dass diese Technologie, also digitales ist, sondern auch einem mittelständischen Händler mit wenig Aufwand neue Kunden bringen kann.

Klingt gut. Aber warum werden Location-based Services nicht heute schon auf breiter Basis genutzt, wenn es so einfach ist?
Das Problem ist oft, dass man sich zuerst mit diesem neuen Kommunikationskanal und seine Möglichkeiten auseinandersetzen muss. Dazu haben gerade die Kleinunternehmer oft einfach nicht die Zeit. Und hier stehen wir als Dienstleister vor Ort unser Know-how zur Verfügung.

Wenn das alles schon funktioniert, was wollen Sie denn in Durlach an neuen Erkenntnissen gewinnen?
Ganz so simpel ist das Spiel mittlerweile nicht mehr. Wir haben schon einige Test-Kampagnen – allerdings für größere Kunden – umgesetzt. Mit diesem Vorwissen gehen wir nun in Durlach in einen relativ großen Feldversuch. Zum Einsatz kommen Geofencing sowie einige Beacons, um weitere relevante Erkenntnisse sammeln zu können. Auf der Kundenseite interessiert uns, welche Angebote am stärksten konvertieren. Auf der Unternehmensseite wollen wir sehen, welche Bedürfnisse die Geschäfte in ihrer lokalen Kommunikation konkret haben. Deshalb begleiten wir das ganze ja auch über eine Forschungspartnerschaft mit der Hochschule der Medien.

Wagen Sie doch mal zum Abschluss einen Blick in die Zukunft: Könnte ihr Pilotprojekt den Durchbruch für Location-based Services in Deutschland bringen?
Stephan Theiß: Ich bin zumindest optimistisch, dass es unser Verständnis noch weiter verbessern wird. Aber es ist ein Kommunikationskanal, mit dem sich Werbungtreibende insgesamt noch schwer tun. Denn hier geht es nicht nur um eine einfache Kampagnenbotschaft. Es ist auch immer der örtliche und zeitliche Kontext zu berücksichtigen. cam

 

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