Gedruckte Elektronik Bald auch für Verpackungen, Wearables und die Automobilindustrie

Dienstag, 24. Mai 2016
Industrie und Dienstleister entdecken die Vorteile der gedruckten Elektronik
Industrie und Dienstleister entdecken die Vorteile der gedruckten Elektronik
Foto: Poly IC

Der amerikanische Technologie-Konzern Xerox geht in die Vollen: Das Unternehmen plant, in den nächsten Wochen im US-Bundesstaat New York mit dem Druck von Etiketten zu beginnen, die vor allem Informationen über die Echtheit und den Zustand von Produkten speichern sollen. Ziel von Xerox ist es, jeden Monat Millionen Stück davon zu produzieren.

Die Münchner Agenturgruppe Serviceplan setzt im Gegensatz dazu auf Exklusivität: Zur Verleihung der World Press Photo Awards vergangenes Jahr in Amsterdam hat sie eine Spezialausgabe des Jahrbuchs hergestellt, deren Seiten mit unsichtbaren Lautsprechern bedruckt sind. Damit lassen sich Töne und Geräusche wiedergeben und zu jedem Bild Geschichten erzählen. Die Auflage beträgt gerade einmal 25 Exemplare.

Massenfabrikation hier, Einzelfertigung dort. Die beiden Beispiele zeigen: Das Interesse an gedruckter Elektronik nimmt zu – vonseiten der Industrie genauso wie bei Agenturen und Dienstleistern. "Noch vor drei Jahren galten die Entwickler und Promotoren eher als spleenig. Heute erhalten wir immer mehr konkrete Projekt- und Produktanfragen", sagt Arved Hübler, Leiter des Instituts für Print- und Medientechnik an der Technischen Universität Chemnitz, das sich auf gedruckte Elektronik spezialisiert hat. Von einem Durchbruch mag er zwar nicht sprechen, wohl aber von einem "positiven Trend".

In den Bereich der gedruckten Elektronik gehören insbesondere elektrische Schaltungen aus Kunststoffen, Batterien und Messfühler, Displays und Leuchtkörper. Der Automobilhersteller Audi beabsichtigt, sein Modell TT in diesem Jahr mit gedruckten Rückleuchten auszustatten. Mehrere Sportartikelhersteller wollen sogenannte Smartshirts anbieten, die gedruckte Sensoren enthalten und Aufschluss über die körperliche Aktivität geben. In der Medizintechnik werden gedruckte Elektroden beispielsweise für EKG-Untersuchungen erprobt. 

"Die Produkte haben den Vorteil, dass sie dünn, leicht und flexibel, aber trotzdem robust sind", erklärt Klaus Hecker, Geschäftsführer der Organic and Printed Electronics Association (OE-A) im Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau, Frankfurt. Der Interessenverband, in dem sich rund 230 Unternehmen und Forschungsinstitute aus vier Kontinenten – Asien, Australien, Europa und Nord-Amerika – vereinigt haben, beziffert den weltweiten Umsatz mit gedruckter Elektronik im vergangenen Jahr auf gut 24 Milliarden US-Dollar. Das ist dreimal so viel wie 2012 und immerhin rund eine Milliarde Euro mehr, als die Druckindustrie in Deutschland insgesamt erwirtschaftet.

Einer Umfrage zufolge erwarten die OE-A-Mitglieder im laufenden Jahr ein Umsatzwachstum von durchschnittlich 11 Prozent, im kommenden Jahr von 13 Prozent. Fast ein Drittel der befragten Unternehmen plant, die Investitionen in die Produktion zu erhöhen, zudem soll mehr Geld in Forschung und Entwicklung fließen. Als besonders vielversprechend betrachten sie Anwendungen in den Bereichen Automobil, smarte Gebäude, Verpackung und Wearables.

Zusammen mit 17 Mitgliedern ist die OE-A auf der Drupa vom 31. Mai bis 10. Juni in verschiedenen Hallen präsent, darunter im Innovation Park in Halle 7. Dort stellt auch Poly IC aus: gedruckte Sensoren für verschiedene Arten von Displays und metallische Oberflächen. "Preislich liegen unsere Produkte gleichauf mit den bisher üblichen Verfahren oder sogar darunter", versichert Wolfgang Clemens, Leiter Produktmanagement des Fürther Unternehmens.

Der Preis stellt nicht selten noch eine Hürde für den Einsatz der Drucksachen dar. "Es ist eine Legende, dass mit der gedruckten Elektronik alles billiger wird", sagt Hübler. In Wirklichkeit seien die Entwicklungs- und Materialkosten oft noch zu hoch und die Stückzahlen zu gering. Manche Ideen seien zudem praxisfremd. "Sie werden sich im Markt nicht durchsetzen."
Joachim Thommes

Meist gelesen
stats