Christian Muche und Frank Schneider Wie sich Unternehmen auf die Digiconomy einstellen müssen

Mittwoch, 24. September 2014
Christian Muche und Frank Schneider
Christian Muche und Frank Schneider
Foto: Foto: dmexco

Die dmexco war auch in diesem Jahr wieder eine Messe der Rekorde. Ob Medienhäuser, Vermarkter, Agenturen oder Werbungtreibende - alle kamen sie nach Köln, um Antworten auf die eine große Frage zu finden: Wie muss man sich aufstellen, um dem digitalen Wandel gewachsen zu sein? Hier setzt die sogenannte „SHIFT“-Formel an, die sich Christian Muche und Frank Schneider ausgedacht haben. In ihrem Gastbeitrag für HORIZONT Online erklären die beiden dmexco-Macher, was sich dahinter verbirgt.

Aufbruch in die neue digitale Ära der „Digiconomy“

Die digitalen Kräfte und Einflüsse, die aktuell auf die Ökonomie wirken, sind mächtig, interaktiv und komplex. Die Digitalisierung der gesamten Lebenswelt und der enorme technologische Fortschritt bringen nicht nur neue Businessmodelle hervor, sondern verändern bislang vorherrschende wirtschaftliche Strukturen und Gesetze – oft fundamental. Erfolgreich sind längst nicht mehr allein jene Unternehmen, die über das größte physische Kapital verfügen. Die Wertschöpfung der digitalen Ökonomie beruht auf anderen, disruptiven Denkmustern, auf die sich in der Konsequenz natürlich vor allem die Marketing-, Media- und Werbewirtschaft einzustellen versucht, um in neue Dimensionen vorzudringen. Die dmexco ist der zentrale Ort, an dem diese neue Wirtschaft – die „Digiconomy“ – sichtbar zutage tritt und Trends greifbar werden. Bei vielen Reisen und in zahllosen Gesprächen mit internationalen Köpfen der digitalen Industrie haben wir die DNA der neuen Digiconomy vermessen. Unser Ziel ist es, als Infobroker und zentrale Networking-Plattform Unternehmen und Partner bestmöglich auf dem Weg in neue Dimensionen zu unterstützen und erfolgreich in die neue Digiconomy durchzustarten.
Tina Beuchler
Bild: dfv

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Dmexco Rückblick Das war die Dmexco 2014

Hierzu haben wir in diesem Jahr erstmals eine eigene Formel – die „SHIFT“-Formel – entwickelt, die zentrale Erfolgsmerkmale der Digiconomy charakterisiert und auf der dmexco 2014 erstmalig präsentiert wurde. „SHIFT“ steht dabei für den nötigen Change, den Unternehmen angehen müssen, um auch in Zukunft erfolgreich zu sein. Zusammengesetzt aus den Anfangsbuchstaben einiger wichtiger Charakterzüge der Digiconomy beschreibt die „SHIFT“-Formel bereits in ihrem Namen, welche Herausforderungen in der nächsten Zeit auf unsere Industrie warten.

„S“ für „short-term“: Avantgarde meets Real Business

Die Entwicklungszyklen der Digiconomy sind brutal schnell. Marketing, Media, Kreation und Technologie müssen sich in Echtzeit mit Trends, Theorien und Zukunftsszenarien auseinandersetzen und darauf reagieren. Avantgarde und Real Business laufen bei uns zeitgleich ab. Wandel ist eine konstante Herausforderung. Mit der dmexco haben wir einen Ort geschaffen, an dem Avantgarde auf reale Wirtschaft trifft. Es geht natürlich um Inspiration und Prognosen für die Zukunft, aber auch um handfeste Businessmodelle und -abschlüsse für die Gegenwart.

„H“ für „holistic“: Creative Analytics

Big Data ist keine Rocket Science mehr! Schon heute ermöglicht die smarte Nutzung vielfältigster Daten sowohl effizientere Werbeoptionen als auch kreativere Strategien und Konzepte. Doch nun steht die nächste Zäsur bevor: “Creative Analytics“. Bislang sprechen Kreativwirtschaft und Datenanalysten oft noch nicht dieselbe Sprache. Es gilt, weiter zusammen zu wachsen: Entweder finden beide Akteure eine Gesprächsebene oder es entwickelt sich ein neues Berufsbild, das beide Skills miteinander vereint. Unternehmen sind jetzt aufgefordert, dafür die richtigen Rahmenbedingungen zu schaffen. 

„I“ für „innovative“: Mut und kompromisslose Innovationsbereitschaft

Unser tägliches Business hält zunehmend Einzug in die „ambient Intelligence“, einem zukunftsweisenden Sektor mit gigantischen Marktpotenzialen.Dieser Innovationsbereich ist mehr als das Internet der Dinge und bildet im wahrsten Sinne des Wortes eine neue Dimension, die unseren individuellen Handlungsspielraum erweitert, die Prozesse automatisiert und optimiert. Digital gesteuerte Geräte verbessern zunehmend unsere Einblicke und die Kontrolle über die echte Welt. Unser Business erhält damit Echtzeit-Verbindungen in die physische Welt, um schneller und vor allem smarter zu agieren und zu reagieren. Die neuen Businessmodelle, die dieser Dimension zugrunde liegen, konnten die Besucher der diesjährigen dmexco bereits in der „World of Experience“ hautnah erleben. Hier wurden erste digitale Konzepte und Visionen anschaulich, die der Digitalwirtschaft nicht erst in ferner Zukunft, sondern schon heute neue Potenziale für erfolgreiches Business eröffnen. Nutzen wir sie! 

„F“ für „flexible“: Große Konzerne agieren wie Start-Ups

Etablierte Brands schaffen derzeit gezielt Strukturen, um trotz ihrer Größe und Erfahrung so schnell und flexibel wie ein Start-Up agieren zu können. Zur Start-Up Mentalität gehört es, Fehler zuzulassen und daraus zu lernen. Konkret heißt dies: Innovationskultur wird wieder stärker gefördert. Es hat sich die Einsicht durchgesetzt, dass nur Unternehmen zukunftsfähig sind, die sich selbst kontinuierlich weiterentwickeln. Hierfür ist eine komplett neue Form des Arbeitens gefragt. Hierarchiefreies Arbeiten, virtuelle Projektteams und Social Collaboration Tools beginnen sich auf allen Ebenen durchzusetzen. Das ist nicht nur ein Produktivitätsthema, sondern hat massiven Einfluss auf Prozesse und Unternehmenskultur.

„T“ für „transposing“: Grenzenlose Kollaboration und Cross-Category-Denken

Der Mensch denkt gern in Schubladen, denn es vereinfacht das Denken. Lumascapes unternehmen den Versuch, Ordnung in ein dynamisches Business zu bringen – bergen aber auch das Risiko, feste Kategorien zu schaffen. Diese statische Segment-Logik müssen wir aufbrechen und neue Allianzen erschaffen. Unternehmen lösen sich aus dem starren Korsett ihrer Branchenzugehörigkeit und entwickeln selbständig neue Businesspotenziale. Wir sind davon überzeugt, dass Schubladendenken in eine Sackgasse führt. Die Grenzen reiner Technologieentwicklung und Vermarktungsstrategie verschmelzen immer mehr, Sales und Marketing wachsen mehr als je zuvor zusammen und auch die Kreation kann und will sich nicht länger den technologischen Optionen verschließen. Kollaboration über Grenzen hinweg ist der Schlüssel.

In vielen Bereichen der globalen Wirtschaft ist die „Digiconomy“ bereits gelebte Realität. Weitere werden sukzessive folgen. Verschließen kann sich vor dieser Entwicklung kaum ein Unternehmen, wenn es auch in Zukunft erfolgreich am Markt agieren will – das gilt nicht ausschließlich für das Digital Business! Die Zeit ist gekommen, den „SHIFT“ zu wagen und die Herausforderungen einer neuen Digiconomy anzugehen.

Die Autoren Christian Muche und Frank Schneider gehören dem Board of Directors der dmexco an.
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