Fußball-Bundesliga Schalke 04 in der Kritik für geplante Russlandreise

Donnerstag, 24. April 2014
Schalke 04 will einer Einladung in den Kreml folgen
Schalke 04 will einer Einladung in den Kreml folgen

Seit 2007 ist Gazprom bereits Hauptsponsor von Schalke 04. Doch nun, da sich die Krise in der Ukraine weiter zuspitzt, wird die Verbindung des Fußball-Bundesligisten zu dem russischen Staatskonzern besonders kritisch beäugt. Erst gestern rechtfertigte Schalke-Boss Clemens Tönnies im "Handelsblatt" das Gazprom-Sponsoring. Dass er auch Pläne bekräftigte, die Mannschaft auf Moskau-Besuch zu schicken, bringt Tönnies nun Kritik von hochrangigen Politikern ein. Sieben Jahre währt das Engagement von Gazprom bei Schalke bereits. Angeblich überweist der russische Energiekonzern jährlich 15 Millionen Euro nach Gelsenkirchen. Geld, das die mit Champions-League-Ambitionen ausgestatteten "Königsblauen" gut gebrauchen können. Im Gegenzug sollen die Schalker nun der Heimat des Unternehmens ihre Aufwartung machen. Zum "Handelsblatt" sagte Tönnies, dass die Mannschaft sicher nicht vor der Fußball-Weltmeisterschaft im Sommer nach Russland reisen werde. Auf die Frage, was man denn beim russischen Präsidenten Wladimir Putin wolle, antwortete der Schalke-Chef: "Was heißt bei Putin? Es geht doch nicht alleine um den Präsidenten. Die Mannschaft würde gerne einmal den Kreml sehen und interessiert sich für Moskau. Und der russische Präsident ist an Schalke interessiert und hat uns eingeladen."

Die Krim-Krise habe darauf keinen Einfluss: "Wir bleiben da ruhig. Wir sind Sportsleute und keine Weltpolitiker", so Tönnies. Das Gazprom-Sponsoring verteidigte er mit den Worten: "Generell gilt: Verträge sind einzuhalten und Verbindungen dürfen nicht abbrechen. Das Unternehmen hat sich Schalke gegenüber immer hervorragend verhalten, deshalb steht die Zusammenrabeit nicht infrage." Zwar sei ihm nicht egal, "was Russland macht". Aber es werde eine Zeit nach der Krise geben. "Wir dürfen nicht alle Bande zerreißen", so Tönnies

Diese Haltung provoziert nun Widerspruch bei Politikern. CDU-Generalsekretär Peter Tauber sagte der "Bild": "In der momentanen Lage eine Einladung in den Kreml anzunehmen und sich so instrumentalisieren zu lassen, zeugt nicht wirklich von Fingerspitzengefühl." Und Gunther Krichbaum, Vorsitzender des Ausschusses für die Angelegenheiten der Europäischen Union des Deutschen Bundestages, vermutet gar, dass Tönnies Schalke 04 "wahrscheinlich für seine eigenen Interessen" missbrauche.

Hintergrund dieser Bemerkung: Tönnies, der im nordrhein-westfälischen Rheda-Wiedenbrück eine Fleischfabrik besitzt, will bis zu 600 Millionen Euro in Schweinemastanlagen in Russland investieren. Einen Zusammenhang zum Gazprom-Sponsoring seines Vereins gebe es da nicht, so Tönnies zum "Handelsblatt": Wenn man unterstelle, Gas und Schweine würden gut zusammenpassen, "bekomme ich den Bogen nicht hin". ire
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