Für 143 Milliarden Dollar Kraft Heinz will Unilever übernehmen

Freitag, 17. Februar 2017
Unilever weist die Avancen von Kraft Heinz zurück
Unilever weist die Avancen von Kraft Heinz zurück
Foto: Unilever

Entsteht im weltweiten Food- und Konsumgütermarkt ein neuer Mega-Konzern? Wenn es nach Kraft Heinz geht, dann definitiv ja. Der US-Lebensmittelkonzern hat Interesse an einer Übernahme von Unilever angemeldet und ist bereit, 143 Milliarden Dollar für den Konsumgüter-Riesen auf den Tisch zu legen. Der will von den Avancen nichts wissen. Doch das letzte Wort ist in der Angelegenheit offenbar noch nicht gesprochen.
Sollte es zu dem Merger kommen, würden einige der weltweit bedeutendsten Marken unter ein gemeinsames Dach schlüpfen: Kraft Heinz ist mit einem Umsatz von 27 Milliarden US-Dollar nicht nur der fünftgrößte Food- und Getränke-Konzern der Welt, sondern hat neben den Kernmarken Heinz und Kraft auch Brands wie Philadelphia und Capri Sun im Portfolio. Unilever, das im vergangenen Jahr knapp 53 Milliarden US-Dollar umsetzte, ist mit Marken wie Axe, Becel, Dove, Langnese, Knorr, Rexona und Omo wohl der Konzern, der mit die meisten Marken von globaler Relevanz unter seiner Obhut hat.
Auch auf den Werbemarkt hätte ein Zusammenschluss massive Auswirkungen: Mit Kraft Heinz und Unilever würden sich zwei Schwergewichte zusammentun. Unilever, das seinen Mediaetat an Mindshare vergeben hat, hat laut Nielsen im vergangenen Jahr allein in Deutschland 208 Millionen Euro brutto in Werbung investiert.

Ob Philadelphia und Becel künftig zu demselben Konzern gehören, ist aber noch unklar. Kraft Heinz hat am Freitag bestätigt, ein Angebot für Unilever abgegeben zu haben. Der Konzern habe dem britisch-niederländischen Konzern einen "umfassenden Vorschlag" gemacht, heißt es in einem Statement, das HORIZONT Online vorliegt. Ziel sei es, aus den beiden Unternehmen einen führenden Konsumgüterriesen zu schmieden - mit langfristigem und nachhaltigem Wachtumspotenzial. 

Der Haken an der Sache: Unilever hat das Angebot abgelehnt. Grund ist der angebotene Kaufpreis. Laut einer Mitteilung von Unilever hat Kraft Heinz rund 143 Milliarden Dollar vorgeschlagen. Das sei jedoch zu wenig, um ins Geschäft zu kommen. "Unilever sieht keine Basis für weitere Diskussionen", verkündete der Konzern. Allerdings will sich Kraft Heinz nicht geschlagen geben. Der Konzern wolle weiter daran arbeiten, die Transaktion zu realisieren. Es sei aber nicht sicher, ob letztlich ein verbindliches Angebot zustande komme. 

Kraft Heinz wird von der brasilianischen Private-Equity-Gesellschaft 3G Capital kontrolliert, die mit dem Philadelphia- und Capri-Sonne-Hersteller und der Ketchup-Ikone 2015 zwei US-Traditionsmarken zusammengeführt hatte. Die Fusion hatte auch der Starinvestor und Multimilliardär Warren Buffett mit seiner Firma Berkshire Hathaway maßgeblich mit eingefädelt. Zuletzt war an den Finanzmärkten verstärkt über weitere gemeinsame Deals spekuliert worden.

Im Dezember hatten bereits Gerüchte über eine Wiedervereinigung von Kraft Heinz mit dem Oreo- und Milka-Hersteller Mondelez kurzzeitig für Aufregung an der Börse gesorgt. 2012 hatte sich der damalige Kraft-Konzern unter dem Druck von Investoren aufgespalten. Das Snack- und Süßwarengeschäft sowie das Lebensmittel-Geschäft außerhalb Nordamerikas waren zu Mondelez ausgelagert worden. mas/dpa
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