Friedrich Liechtenstein im Interview "Pornografische Übertreibungen finde ich in der Werbung sehr gut"

Donnerstag, 07. Juli 2016
Friedrich Liechtenstein beim HORIZONT-Interview während des Furore-Festivals von Markenfilm
Friedrich Liechtenstein beim HORIZONT-Interview während des Furore-Festivals von Markenfilm
Foto: Sebastian Muth/www.sebastian-muth.de

Zweieinhalb Jahre ist es her, dass Friedrich Liechtenstein mit "Supergeil" von Edeka und Jung von Matt bundesweit bekannt geworden ist - und auch über die Grenzen Deutschlands hinaus hat der Film für Aufsehen gesorgt. Beim Interview am Rande des Markenfilm-Festivals Furore verrät der Musiker, dass er bei Fragen nach "Supergeil" manchmal wütend wird, warum er Pornografisches in der Werbung toll findet und wieso er sich von Facebook unter Druck gesetzt fühlt.

Friedrich Liechtenstein ...

... über die ständigen Fragen nach Edeka:

Es ist mir unter Umständen egal. Es gibt auch Momente, in denen ich ein bisschen wütend werde, wenn ich merke, dass ich zu sehr darauf reduziert werde. Aber wenn in der Frage eine gewisse Naivität mitschwingt, ist das okay. Aber das war einfach Werbung. Nicht für mich, sondern für Edeka.

... über Emotionen in der Werbung:

Ich komme aus Ostdeutschland und bin noch nicht so erschöpft, was die Warenwelt betrifft. Von guter Werbung bin ich immer noch fasziniert, auch von kleinsten Dingen und von der Emotionalität des Kaufens und Verkaufens. [...] Manchmal finde ich es aber auch ganz schön, im Hotelzimmer zu sitzen und richtig dumm und plump beworben zu werden.
Liechtenstein (l.) beim Roundtable mit Oliver Hack (Markenfilm, 2. v.l.), HORIZONT-Redakteur Fabian Müller und Dan Germain (Innocent, rechts)
Liechtenstein (l.) beim Roundtable mit Oliver Hack (Markenfilm, 2. v.l.), HORIZONT-Redakteur Fabian Müller und Dan Germain (Innocent, rechts) (Bild: Sebastian Muth/www.sebastian-muth.de)

... über Übertreibungen in der Werbung:

Pornografisches, ja, das finde ich in der Werbung auch sehr gut. Alles größer, leckerer, härter, länger, saftiger, glänzender als im echten Leben. Aber ich finde, dass man bei der Erschöpfung des Verkaufens, auch der Preise, einen Schritt zu weit gegangen ist. Dieses ironische Werbemilieu ist oft eine Parodie auf die Warenwelt. Irgendwann sollte auch mal Schluss damit sein. Aber klar, es muss natürlich immer weitergehen.

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Die Auszüge stammen aus einem Roundtable, an dem neben Liechtenstein auch Oliver Hack, Geschäftsführer der Werbefilmproduktion Markenfilm, und Dan Germain, Mitgründer des britischen Saftherstellers Innocent, teilnahmen. Erschienen ist das Gespräch über Emotionen und Gefühle in der Werbung in der HORIZONT-Ausgabe 27/2016, die auch auf Tablets oder - nach einmaliger Registrierung - als E-Paper gelesen werden kann. Nicht-Abonnenten können hier ein HORIZONT-Abo abschließen.

... über Social Media:

Ich habe seit 2006 kein Handy, daher benutze ich Facebook als Telefon. Ich schreibe dort, vernetze mich und poste auch selbst. Das ist gute Unterhaltung und spart auch Papier, ich muss keine Postkarten schreiben. [...] Allerdings fühle ich mich bei Facebook etwas unter Druck und glaube, dass ich einmal am Tag etwas veröffentlichen muss, damit die Menschen bei mir bleiben. Man will den Leuten ja gefallen und sie unterhalten. fam
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