Friedrich Joussen "Wir sind bei TUI für die Digitaliserung gut gerüstet"

Montag, 22. Mai 2017
Friedrich Joussen hat keine Angst vor der digitalen Transformation
Friedrich Joussen hat keine Angst vor der digitalen Transformation
© TUI Group
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Friedrich Joussen Tui


Bei TUI hat man keine Angst vor Google, Online-Plattformen und Start-ups: Das sagt Friedrich Joussen in einem Interview mit der Welt am Sonntag. Der Konzernchef erklärt, welche Strategien das weltweit führende Reiseunternehmen in Zeiten der Digitalisierung verfolgt, was sein Vorteil gegenüber vermeintlicher Konkurrenz wie Airbnb oder Booking ist und wie sich die Mutter von Robinson Club und Hapag Lloyd auf die Blockchain einstellt.
So entspannt wie TUI-Chef Joussen beschäftigen sich wohl nur wenige Unternehmensvorsitzende mit dem großen Thema der digitalen Transformation. Anbieter wie Airbnb oder Expedia sieht er nicht als Bedrohung für den Touristikkonzern, obwohl sie die Reisebranche umkrempeln und revolutionieren. Außerdem weiß Joussen ganz genau, wie er mit Google, Clouds und Blockchain umgehen will. Dass er sich damit auskennt, ist eigentlich wenig verwunderlich - schließlich ist der Manager durch seine Ausbildung zum Software-Ingenieur und seine Tätigkeit als Vodafone-Chef ein Experte im Tech-Bereich. Weil seine Ausführungen im Welt-Interview in Hinsicht auf die digitale Transformation bemerkenswert sind, bringen wir einige Zitate aus dem Interview. bre

Joussen über...

... das, was man von Google und Co. lernen kann:

"(...) Über Technik und Software-Entwicklung kann man im Silicon Valley eher wenig lernen. Schauen Sie alleine mal auf die Budgets. Diese sind für Software-Entwicklung bei vielen dieser Silicon-Valley-Start-ups eher bescheiden. (...) Im Silicon Valley können Sie alles über Reichweiten lernen, über Ambitionen, die Welt zu verändern, über totale Fokussierung auf das Produkt, über mörderische Schnelligkeit, Wettbewerb rund um die Uhr."

... den Unterschied zwischen Silicon-Valley-Unternehmen und TUI:

"Silicon-Valley-Unternehmen sind keine Technikspezialisten, sondern ihrem Wesen nach eher Medienunternehmen. Wer zahlt denn bei Google? Immer nur der Anzeigenkunde, nicht der Nutzer. Booking finanziert sich aus den Provisionen der Hotels, nicht durch den Kunden selbst. TUI hingegen ist ein Kundenunternehmen. Ich sage nicht, dass eine ist besser oder schlechter - es muss einem nur klar sein, dass die Internetunternehmen von ihren Nutzern nie Geld bekommen."

Digital Marketing Days

Wie sieht das Mediageschäft der Zukunft aus? Diese Frage ist auch Thema bei den Digital Marketing Days, die HORIZONT am 29. und 30. Juni 2017 in Berlin veranstaltet. Bei dem Pflicht-Termin für Digital-Entscheider diskutieren führende Branchenexperten wie Wolfgang Faisst (SAP XM) darüber, wie die Automatisierung die Zusammenarbeit von Mediaagenturen und Werbungtreibenden verändert. Jetzt hier anmelden! 

... die Ausrichtung von TUI:

"Wären wir noch ein reines Handelsunternehmen, das nur Hotelzimmer einkauft und weiterverkauft, hätten wir mit Onlineplattformen wie Booking ein Problem. Wir sind aber inzwischen ein vertikal integriertes Unternehmen. Das heißt, wir betreiben das Marketing und den Vertrieb zwar auch noch selbst, aber wir machen inzwischen mehr als 50 Prozent des Gewinns mit der eigentlichen Leistungserbringung, also mit unseren Hotels und unseren Kreuzfahrtschiffen."

... TUI und Start-up-Innovationen wie Airbnb:

"Das Start-up-Geschäft hat seine Besonderheiten. Von 100 Googles, Airbnbs oder Bookings, die an den Start gehen, überlebt nur eines. Dieses eine früh zu entdecken ist das Geschäft von Risikokapitalgebern. Konzerne wie TUI, aber auch Daimler oder Bosch haben andere Investoren, und die erwarten eine verlässliche Dividende und einen stetigen Cashflow. Die würden uns nicht erlauben, dieselben Risiken einzugehen wie ein Venture-Capital-Geber."

... die Blockchain-Technologie:

"Fast jedes große Unternehmen befasst sich derzeit mit dieser Technologie. Blockchain ist nicht im Internet, es wird das Internet sein. Das Netz wird dadurch nicht-hierarschisch. (...) Diese Revolution wird im Business-to-Business-Geschäft sehr schnell kommen. Irgendwann werden sich damit auch die Regeln im Business-to-Customer-Geschäft wandeln. Unternehmen, die mit der Hotelzimmervermittlung im Internet derzet noch monopolartige Gewinne machen, müssen sich an den Gedanken gewöhnen, dass in Zukunft potenziell jeder Teilnehmer an einer Blockchain die ganze Information über das verfügbare Bettenangebot bekommt."
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