Free Your Data Protonet mobilisiert die Crowd für mehr Daten-Transparenz

Montag, 16. März 2015
Protonet geht für mehr Transparenz auf die Barrikaden
Protonet geht für mehr Transparenz auf die Barrikaden
Foto: Protonet

Big Data ist heutzutage Normalität: Viele Internetkonzerne verdienen gutes Geld damit, die Daten ihrer Kunden zu sammeln und anschließend gewinnbringend zu verwerten. Die Nutzer jedoch haben in den seltensten Fällen Kenntnisse darüber, was mit ihren Daten eigentlich passiert. Protonet möchte das ändern: Das Hamburger Start-up hat eine Kampagne gestartet, die für mehr Transparenz bei der Datennutzung wirbt - und ein neues EU-Gesetz auf den Weg bringen soll.
Mit "Free Your Data", so der Name der Kampagne, geht Protonet einen anderen Weg als so mancher Datenschützer zuvor: Ziel sei nicht, mehr Regeln für Datenschutz zu fordern oder digitale Enthaltsamkeit zu predigen, wie das Unternehmen mitteilt. Vielmehr soll es darum gehen, die Menschen für den Umgang mit ihren Daten zu sensibilieren und selbstbestimmte Entscheidungen bei der Verwendung zu ermöglichen. Daher hat Protonet in der vergangenen Woche zunächst die zentrale Kampagnen-Website freeyourdata.org freigeschaltet, auf der sich die Nutzer über die Zielsetzung der Kampagne informieren können. Dabei gehen die Macher mit gutem Beispiel voran: über die Verwendung von Cookies etwa werden Besucher der Seite deutlich informiert.

In einem zweiten Schritt will Protonet die Masse mobilisieren und hat eine Petition auf change.org gestartet, deren Unterstützer sich für die Einführung eines neue Gesetzes auf EU-Ebene stark machen: Der "European Data Sovereignity Act" sieht vor, dass jedes Unternehmen, das mehr als eine Million wiederkehrende User hat, auf Anfrage eines Nutzers alle mit ihm verbundenen Daten kostenlos, ohne Verzögerung und in einem maschinenlesbaren Format zur Verfügung stellt. Bislang haben gut 7.000 Menschen unterzeichnet.

Nun hat die Initiative auch ein Kampagnen-Video veröffentlicht (siehe oben). Dieses arrangiert Versatzstücke aus Reden von CEOs wie Mark Zuckerberg (Facebook), Tim Cook (Apple) oder Jeff Bezos (Amazon) so, dass die Firmenbosse quasi unverblümt ihre Datensammelwut preisgeben.

"Wer sich der Kampagne Free Your Data anschließt, nutzt die demokratischen Möglichkeiten um unsere digitale Zukunft zu gestalten. Denn wenn wir Bürger sie nicht gestalten, tun es andere", sagt Ali Jelveh, der Protonet 2012 gemeinsam mit Christopher Blum ins Leben gerufen hat. Groß geworden ist der Unternehmen seitdem mit der Herstellung von Servern, die mit dem eigenen Betriebssystem Protonet Soul ausgestattet sind. In den kommenden Wochen steht für das Unternehmen allerdings das Campaigning für "Free Your Data" auf dem Programm. Das Kampagnenkonzept sieht eine Aussteuerung in mehreren Stufen vor. Auf diese Weise soll die Zahl der Unterstützer nicht nur vergrößert, sondern auch langfristig mobilisiert werden.

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Dazu bedient man sich nicht nur der Online-Petion auf change.org, sondern auch des Online-Supporting-Tools Thunderclap und aufmerksamkeitsstarken Online-Motiven (siehe Galerie). Außerdem haben sich bereits prominente Netzpolitiker wie Konstantin von Notz (Bündnis 90/Grüne), Jimmy Schulz (FDP) und Lars Klingbeil (SPD) sowie Digital-Experte Nico Lumma hinter die Kampagne gestellt. Und weitere Schritte werden bereits geplant: Derzeit befindet sich ein "Free Your Data"-Verein in Gründung, der mit prominenter Unterstützung das Thema am Köcheln halten soll. ire
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