Formel E Fünf Gründe, warum die Rennserie als Marketingplattform immer wichtiger wird

Donnerstag, 14. April 2016
Der E-Renner des deutschen Teams Abt Schaeffler Audi
Der E-Renner des deutschen Teams Abt Schaeffler Audi
Foto: Schaeffler

Die Formel E befindet sich zwar erst in ihrer zweiten Saison und deshalb noch längst nicht in aller Munde - aber als Marketingplattform wird die erste rein elektrische Rennserie zusehends wichtiger. Nun startet die Formel E ihre Europatournee mit Stationen unter anderem in Paris, Berlin und London, live übertragen von Eurosport. HORIZONT Online nennt fünf Gründe, wieso Fahrzeughersteller wie Renault, Audi und DS wie auch hochkarätige Sponsoren die Serie so interessant finden.

1. Technologischer Faktor

Dröhnende Boliden, die mit großem Einsatz fossiler Brennstoffe ihre Runden drehen - das scheint anno 2016 aus der Zeit gefallen. Und passt angesichts von Trendthemen wie alternativen Antrieben und vernetzten Fahrzeugen auch nicht mehr in die Vermarktungskonzepte von Autobauen und Sponsoren. Die Hersteller entdecken die Formel E deshalb mehr und mehr als Möglichkeit, ihre Produkte unter Wettkampfbedingungen zu testen und weiterzuentwickeln. "Die übergeordnete Mission der Formel E ist es natürlich, die Elektromobilität voranzubringen", sagt Timo Pape, Gründer des Fachportals e-Formel.de. Als technologisches Testfeld für Motoren, Getriebelösungen oder Batterien sei die Rennserie ideal. Inzwischen haben acht von zehn Teams einen eigenen Motor gebaut, zwei fahren noch mit dem Einheitsmotor aus der Premierensaison.

Das ist die Formel E

Bei der weltweit ersten rein elektrischen Rennserie stehen Themen wie Umwelt, Nachhaltigkeit und Sparsamkeit im Zentrum des Konzepts. Aktuell befindet sich die Formel E in ihrer zweiten Saison, antizyklisch zu anderen Serien finden die elf Rennen von September bis Juli statt. An den Start gehen zehn Teams mit je zwei Fahrern, viele davon ehemalige Formel-1-Piloten. Gefahren wird auf Stadtkursen direkt in den Metropolen. Training, Qualifying und das eigentliche Rennen werden an einem einzigen Tag abgehalten.

2. Image-Gewinn

Nachhaltigkeit, Umweltschutz, Chancengleichheit - Aspekte, die bei anderen Motorsportevents kritisiert werden, rücken die Formel-E-Organisatoren um CEO Alejandro Agag bewusst in den Fokus. In Sachen PR können sowohl Autobauer als auch Sponsoren mit ihrem Engagement also nur gewinnen. Beispiel DS Automobiles: Die jüngste PSA-Marke kooperiert mit dem Team Virgin Racing. Das soll dazu beitragen, DS als Premium- und Avantgarde-Marke zu positionieren, erläutert Stephan Lützenkirchen, Kommunikationschef der Groupe PSA. Bei den Sponsoren sieht es ähnlich aus, erklärt Marco Parroni, Co-Head Marketing beim Global Partner Julius Bär. Er betont den Wertetransfer: "Innovation, das visionäre Denken, der Pioniergeist, der First-Mover-Charakter der Formel E - all das entspricht auch unserer Bank."

3. Globale Präsenz

Parroni sagt auch: "Wir suchten eine globale Plattform, mit der wir unsere Marke Julius Bär stärken konnten." Gesucht, gefunden. Gefahren wird auf Stadtkursen in den Metropolen der Welt, darunter Peking, Buenos Aires, London, Mexico City, Paris, Moskau und Berlin. "Die Serie ist eine der wenigen Plattformen, die quasi auf allen Kontinenten stattfindet", sagt Lars Stegelmann, Executive Vice President Commercial Operations bei der Sponsoringberatung Repucom und ehemaliger Vermarktungschef der Formel E. Damit stehe sie besonders globalen Brands als Marketingtool zur Verfügung, sei aber flexibel genug, auch national und regional eingesetzt werden zu können.

Diese Autobauer sind dabei

Renault und Abt Schaeffler Audi gehören zu den größten Teams, außerdem dabei: der indische Hersteller Mahindra, E-Geschwindigkeitsweltrekordler Venturi aus Monaco, das chinesische Elektromobilitäts-Start-up Next EV und die Citroen-Schwestermarke DS Automobiles. Und die nächsten Dickschiffe stehen schon in den Startlöchern: Kommende Saison ist Jaguar dabei, die Namen Ford und Nissan fallen immer wieder. Und dann ist da noch BMW: Mit ihrer Subbrand BMWi sind die Münchner einer der Partner der Serie, stellen mit i8 und i3 das Safety- und das Medical-Car. Mit dem Start eines eigenen Teams wird BMW aber wohl warten, bis 2018/19 der Fahrzeugwechsel wegfällt. Derzeit hält die Einheitsbatterie noch keine ganze Renndistanz.

4. Zielgruppen

Anstatt in der Peripherie auf Zuschauer zu warten, bringt die Formel E ihre Rennen direkt in die Städte. "Im urbanen Umfeld hat die Elektromobilität den größten Hebel, um sich durchzusetzen", sagt PSA-Mann Lützenkirchen. Dort erreicht die Serie auch andere Zielgruppen als "nur" Motorsportbegeisterte, darunter Nachhaltigkeitsinteressierte, Technikaffine und die digitale Generation. Und das Interesse steigt, zeigen Repucom-Daten: Im Mai 2014 wussten hierzulande 15 Prozent der Menschen etwas mit der Formel E anzufangen. Bis zum Beginn der zweiten Saison im November 2015 waren es fast doppelt so viele (28 Prozent).
BMWi ist einer der wichtigsten Sponsoren der Formel E - und stellt etwa das Safety und Medical Car
BMWi ist einer der wichtigsten Sponsoren der Formel E - und stellt etwa das Safety und Medical Car (Bild: BMW)

5. Digitalisierung

Die Formel E will nicht nur die E-Mobilität vorantreiben, sondern auch andere wichtige Branchenthemen. Etwa das autonome Fahren - in der nächsten Saison startet im Rahmen der Formel E die autonome Serie Roborace - und die Digitalisierung. Bestes Beispiel dafür ist der "Fan Boost": Via Social Media stimmen User für ihren Lieblingsfahrer ab, sogar noch in den ersten Minuten jedes Rennens. Die drei Piloten mit den meisten Stimmen können im Rennen einmalig Extra-Energie freischalten. "Das ist eines der ersten wirklich interaktiven Tools, das die Fans in den digitalen Medien abholt und sie in den sportlichen Wettbewerb integriert", sagt Repucom-Mann Stegelmann. fam
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