Ford-Marketingchef "Wir unterschätzen alle immer noch die Chancen der Digitalisierung"

Dienstag, 02. August 2016
Wolfgang Kopplin, Geschäftsführer Marketing und Vertrieb Ford Deutschland, freut sich über gute Verkaufszahlen
Wolfgang Kopplin, Geschäftsführer Marketing und Vertrieb Ford Deutschland, freut sich über gute Verkaufszahlen
Foto: Ford Deutschland
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Selbst auf einer steilen Serpentine überholt ein Ford spielend. Die Szene aus dem neuen Spot für den Eco Sport steht ein bisschen auch für die Marke. In Deutschland legt Ford derzeit zu. Doch Marketing- und Vertriebschef Wolfgang Kopplin denkt schon weiter.

Fast elf Prozent hat Ford im ersten Halbjahr nach den Zahlen des Kraftfahrt-Bundesamt im Vergleich zum Vorjahr zugelegt. Allein im Juni lag das Wachstum bei 12 Prozent. Verantwortlich dafür sind verschiedene Maßnahmen: Neue Modelle und ein hoher Werbedruck unter anderem. Im TV beispielsweise wirbt die Marke aktuell für den Ford Eco Sport. Im Vertrieb setzt Ford Deutschland auf Digitalisierung und wirbt mit dem Vignale-Konzept gezielt um Fahrer von Oberklassefahrzeugen. Gleichzeitig investiert die Marke in die Showrooms. Doch längst geht auch bei Ford Deutschland nicht mehr nur um Verkaufszahlen, sondern um die Zukunft. HORIZONT Online hat mit Wolfgang Kopplin, Geschäftsführer Marketing und Vertrieb, über die künftige Ausrichtung und seine Pläne gesprochen.

"Da liegt ein uns sehr verwandtes Business sprichwörtlich auf der Straße"


Herr Kopplin, Ford wandelt sich vom reinen Autohersteller zum Mobilitätsanbieter. Warum? Unsere Motivation erklärt sich aus faszinierenden Zahlen. Weltweit werden rund 2,4 Billionen US-Dollar von den Automobilherstellern umgesetzt. Davon hat Ford einen weltweiten Marktanteil von etwa  7 Prozent. Weitere 5,5 Billionen Dollar werden global mit Mobilität erzielt. Davon haben wir und die anderen Hersteller quasi null Prozent. Da liegt ein uns sehr verwandtes Business sprichwörtlich auf der Straße, an dem wir nicht partizipieren. Wenn wir hier zwischen 1 und 3 Prozent holen, würden wir unseren Umsatz verdoppeln können.

Das ist ein schönes Zahlenspiel. Nur wie soll das gehen? Wir haben für uns etwa Ford Smart Mobility als Möglichkeit identifiziert. Hier setzen wir stark auf unser Angebot Ford Pass. In den USA ist die Plattform bereits live. Im 4. Quartal ist der Start in Europa geplant und wir sind einer der ersten Märkte, die das umsetzen werden.

Was beinhaltet Ford Pass? Wir bündeln hier verschiedene Angebote, Ford Carsharing beispielsweise, das wir hier in Kooperation mit Flinkster betreiben. Über die App kann sich ein Kunde in der Zukunft aber auch informieren, ob der Tank ausreicht, um nach München zu fahren oder wann die nächste Inspektion ansteht. Im Idealfall vereinbart er über unser Sprach- und Kommunikationssystem Sync einen Termin mit seiner Werkstatt. Oder bekommt von dort Terminvorschläge.

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Das sind smarte Services. Aber wie verdient Ford damit Geld? Indem wir unseren Kunden das Leben möglichst einfach machen. Ein Beispiel: Wir integrieren in Ford Pass eine Parkplatzsuche. Wenn Sie etwa nach Köln in die Innenstadt fahren, leitet das System zu einem freien Stellplatz in der Nähe Ihres Ziels. Oder es reserviert einen in einem Parkhaus. Sie öffnen dort mit einem QR-Code, den Sie auf dem Smartphone erhalten, beim Ein- und Ausfahren die Schranke, die Bezahlung erfolgt dann nicht pauschal, sondern sekundengenau automatisch über die Bezahlfunktion Ford Pay. Ich persönlich wäre immer bereit, die Hälfte des eingesparten Geldes demjenigen zu überlassen, der mir die Ersparung ermöglicht. Wahrscheinlich unterschätzen wir alle immer noch die Chancen, die sich aus der Digitalisierung ergeben. mir

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